Dark Mode Light Mode

Eltern sparen fleißig für ihre Kinder – doch bei der Altersvorsorge besteht großer Nachholbedarf

Alexandra_Koch (CC0), Pixabay

Führerschein, Studium oder das erste Auto – für diese Ziele legen die meisten Eltern in Deutschland regelmäßig Geld für ihre Kinder zurück. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Union Investment. Gleichzeitig offenbart die Erhebung jedoch eine Schwachstelle: Zwar wird in vielen Familien gespart, doch die langfristige Altersvorsorge der Kinder spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle. Experten sehen zudem erheblichen Nachholbedarf bei der Finanzbildung. Die geplante Frühstart-Rente könnte das künftig ändern.

Die Bereitschaft, finanziell für den Nachwuchs vorzusorgen, ist hoch. Nach den Ergebnissen der Umfrage sparen sieben von zehn Eltern regelmäßig Geld für ihre Kinder. Weitere 15 Prozent legen zumindest gelegentlich Geld zurück. Damit baut die große Mehrheit der Familien bereits frühzeitig finanzielle Reserven auf.

Besonders häufig sparen Eltern zwischen 500 und 750 Euro pro Jahr für ihre Kinder. Knapp jeder fünfte Befragte investiert sogar 1.500 Euro oder mehr jährlich in die finanzielle Zukunft seines Nachwuchses. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Familien langfristig planen und ihre Kinder bereits früh beim Vermögensaufbau unterstützen möchten.

Führerschein und Studium stehen ganz oben

Die Sparziele der Eltern sind dabei klar verteilt. 45 Prozent legen Geld für den späteren Führerschein ihrer Kinder zurück. Fast ebenso viele – 43 Prozent – sparen für Ausbildung oder Studium. Dahinter folgen größere Anschaffungen wie das erste Auto oder finanzielle Unterstützung beim Start ins Berufsleben.

Erstaunlich gering ist dagegen die Bedeutung der Altersvorsorge. Lediglich 13 Prozent der Eltern sparen ausdrücklich für die spätere Rente ihrer Kinder. Weitere 37 Prozent legen Geld ohne ein konkretes Sparziel zurück. Damit konzentrieren sich viele Familien vor allem auf kurzfristigere Lebensabschnitte, während die finanzielle Absicherung im Alter häufig noch keine Rolle spielt.

Finanzwissen wird als entscheidender Erfolgsfaktor angesehen

Obwohl viele Eltern regelmäßig sparen, schätzen sie ihre eigenen Kenntnisse rund um Geldanlage und Vermögensaufbau oft kritisch ein. Nur knapp ein Drittel bewertet das eigene Finanzwissen als gut oder sehr gut.

Gleichzeitig herrscht Einigkeit darüber, worauf es beim Vermögensaufbau ankommt. 94 Prozent der Befragten nennen Disziplin als wichtigsten Erfolgsfaktor. Jeweils 91 Prozent halten ausreichende finanzielle Mittel sowie solides Finanzwissen für entscheidend, um langfristig Vermögen aufzubauen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich viele Eltern durchaus bewusst sind, wie wichtig finanzielle Bildung ist – sie sehen jedoch bei sich selbst noch Verbesserungspotenzial.

Investmentfonds vor Sparbuch

Auch bei der Geldanlage hat sich das Verhalten vieler Familien verändert. Während das klassische Sparbuch lange Zeit als Standard galt, setzen inzwischen mehr als die Hälfte der Eltern auf Investmentfonds, um Vermögen für ihre Kinder aufzubauen.

Dennoch spielen traditionelle Anlageformen weiterhin eine wichtige Rolle. Sparbücher und Tagesgeldkonten gehören nach wie vor zu den beliebtesten Möglichkeiten, Geld für den Nachwuchs zurückzulegen. Viele Familien kombinieren dabei die höheren Renditechancen von Fonds mit der Sicherheit klassischer Sparprodukte.

Frühstart-Rente soll Vermögensaufbau fördern

Neue Impulse könnte künftig die von der Bundesregierung geplante Frühstart-Rente bringen. Bislang hat allerdings nur rund ein Drittel der befragten Eltern überhaupt von dem Vorhaben gehört.

Nach dem derzeitigen Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums soll das Gesetz möglichst noch 2026 verabschiedet werden. Die Förderung würde zunächst rückwirkend für Kinder des Geburtsjahrgangs 2020 gelten. Ziel ist es, bereits im Kindesalter den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge zu stärken. Eine endgültige Verabschiedung des Gesetzes steht allerdings noch aus.

Über Geld wird gesprochen – über Geldanlage deutlich seltener

Positiv fällt auf, dass 89 Prozent der Eltern nach eigenen Angaben mit ihren Kindern über Geld sprechen. Allerdings drehen sich diese Gespräche meist um Taschengeld, Einkäufe oder größere Anschaffungen.

Themen wie Aktien, Investmentfonds oder langfristige Geldanlage kommen dagegen deutlich seltener zur Sprache. Nur 43 Prozent der Eltern sprechen mit ihren Kindern über Investitionen oder Vermögensaufbau. Experten sehen darin eine verpasste Chance, finanzielle Bildung bereits früh im Alltag zu vermitteln.

Finanzbildung gewinnt an Bedeutung

Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass es in Deutschland weniger an der Bereitschaft zum Sparen mangelt als vielmehr am Wissen über langfristigen Vermögensaufbau. Viele Eltern möchten ihre Kinder finanziell absichern, konzentrieren sich dabei jedoch vor allem auf kurzfristige Ziele wie Führerschein oder Studium.

Sollte die Frühstart-Rente tatsächlich eingeführt werden, könnte sie deshalb weit mehr bewirken als eine zusätzliche staatliche Förderung. Sie könnte dazu beitragen, dass sich Familien intensiver mit Themen wie Altersvorsorge, Wertpapieren und langfristigem Investieren beschäftigen – und dieses Wissen frühzeitig an die nächste Generation weitergeben.

Die Umfrage zeigt damit ein klares Bild: Deutschlands Eltern sparen engagiert für ihre Kinder. Künftig dürfte jedoch nicht nur die Höhe der Sparbeträge entscheidend sein, sondern vor allem die Frage, wie früh junge Menschen den verantwortungsvollen Umgang mit Geld und Vermögensaufbau erlernen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Warnung vor „isp.holdings“: Schweizer Finanzaufsicht distanziert registrierte Unternehmen von dubioser Website

Next Post

1A Bürogemeinschaft und Dienstleistungs GmbH: Amtsgericht Düsseldorf ordnet vorläufige Insolvenzverwaltung an