Die Bundesliga prüft derzeit ein überraschendes Milliardenangebot eines US-Finanzinvestors. Nach Angaben der Liga hat das Unternehmen Apollo Sports der Bundesliga unaufgefordert angeboten, ihr mindestens eine Milliarde Euro als Fremdkapital zur Verfügung zu stellen. Die Bundesliga hat bestätigt, dass dieses Angebot derzeit rechtlich und wirtschaftlich geprüft wird.
Doch was bedeutet das eigentlich?
Was ist passiert?
Apollo Sports gehört zum US-Finanzkonzern Apollo Global Management. Das Unternehmen investiert weltweit in große Firmen und Projekte. Anders als vor einigen Jahren möchte Apollo nach den bisherigen Informationen keine Anteile an den Fernseheinnahmen der Bundesliga erwerben, sondern der Liga einen hohen Kredit geben.
Als Sicherheit sollen die künftigen Einnahmen aus den nationalen Fernsehrechten dienen. Das bedeutet: Sollte die Bundesliga den Kredit später nicht zurückzahlen können, hätte der Geldgeber Ansprüche auf diese Einnahmen.
Was bedeutet „informeller Austausch“?
In den Berichten heißt es, dass im Juni während der Fußball-Weltmeisterschaft in New York ein „informeller Austausch“ zwischen Vertretern von Apollo Sports, der Bundesliga und einigen Vereinen stattgefunden hat.
Der Begriff klingt kompliziert, bedeutet aber etwas ganz Einfaches.
Ein informeller Austausch ist kein offizielles Verhandlungsgespräch und auch keine Vertragsverhandlung. Vielmehr handelt es sich um ein unverbindliches Treffen, bei dem sich die Beteiligten kennenlernen, Ideen vorstellen und erste Möglichkeiten besprechen.
Dabei werden zum Beispiel Fragen geklärt wie:
- Welche Vorstellungen hat der Investor?
- Wofür könnte das Geld verwendet werden?
- Welche Bedingungen wären denkbar?
- Besteht grundsätzlich Interesse an einer Zusammenarbeit?
Nach einem solchen Gespräch ist noch nichts entschieden. Es wird weder ein Vertrag unterschrieben noch eine Verpflichtung eingegangen. Man könnte sagen, dass zunächst „ausgelotet“ wird, ob sich weitere Gespräche überhaupt lohnen.
Warum braucht die Bundesliga Geld?
Die Bundesliga verdient zwar jedes Jahr Milliarden Euro durch Fernsehrechte, Sponsoren, Werbung und Eintrittskarten. Gleichzeitig steigen aber auch die Ausgaben. Viele Vereine investieren hohe Summen in Spieler, Stadien, Nachwuchsleistungszentren und die Digitalisierung.
Hinzu kommt der internationale Wettbewerb. Vor allem die englische Premier League erzielt deutlich höhere Einnahmen aus Fernsehrechten und kann dadurch oft bessere Spieler verpflichten. Die Bundesliga sucht deshalb nach Möglichkeiten, ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.
Warum ist das Thema so umstritten?
Bereits vor mehr als zwei Jahren wollte die Bundesliga einen Finanzinvestor beteiligen. Damals sollte ein Investor im Gegenzug für eine Milliarde Euro einen Anteil an den zukünftigen Fernseheinnahmen erhalten.
Dieses Vorhaben stieß jedoch auf massiven Widerstand. Viele Fans befürchteten, dass ein Investor zu viel Einfluss auf den deutschen Profifußball erhalten könnte. In zahlreichen Stadien kam es zu Protestaktionen, Spiele wurden zeitweise unterbrochen und schließlich wurde das Projekt gestoppt.
Das jetzige Angebot unterscheidet sich offenbar von den damaligen Plänen. Nach den bisherigen Informationen geht es nicht um eine Beteiligung an den Fernsehrechten, sondern um einen Kredit. Dennoch dürfte auch dieses Modell genau geprüft werden, weil sich die Bundesliga langfristig finanziell binden würde.
Noch ist nichts entschieden
Die Bundesliga betont, dass derzeit lediglich geprüft wird, ob das Angebot wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich überhaupt umsetzbar ist. Eine Entscheidung über die Annahme des Angebots gibt es bislang nicht.
Fest steht lediglich, dass ein erstes unverbindliches Gespräch – der sogenannte informelle Austausch – stattgefunden hat und nun untersucht wird, welche Vor- und Nachteile ein solches Milliardenangebot für die Bundesliga und ihre 36 Vereine hätte. Ob daraus tatsächlich eine Zusammenarbeit entsteht, ist derzeit völlig offen.