Der aktuelle Jahresabschluss der Windpark Mihla I GmbH & Co. KG vermittelt auf den ersten Blick ein gemischtes Bild. Zwar konnte das Unternehmen seine liquiden Mittel deutlich erhöhen und die Verbindlichkeiten leicht reduzieren. Gleichzeitig offenbart die Bilanz jedoch strukturelle Schwächen, die aus Anlegersicht nicht übersehen werden sollten.
Besonders ins Auge fällt der weiterhin bestehende nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag. Dieser ist innerhalb eines Jahres sogar von rund 202.000 Euro auf knapp 253.000 Euro angestiegen. Das bedeutet, dass das Vermögen des Unternehmens rechnerisch nicht ausreicht, um sämtliche Verbindlichkeiten zu decken. Juristisch führt dies zwar nicht automatisch zu einer Insolvenz, wirtschaftlich stellt es jedoch ein deutliches Warnsignal dar.
Die Geschäftsführung verweist darauf, dass die Gesellschaft dennoch von einer Fortführung ausgeht, weil die Planungen für die kommenden Jahre positive Jahresüberschüsse erwarten lassen. Solche Zukunftsprognosen sind grundsätzlich zulässig und können durchaus realistisch sein. Für Anleger bleibt allerdings festzuhalten: Es handelt sich um Erwartungen – nicht um bereits erwirtschaftete Ergebnisse.
Positiv ist zunächst die Entwicklung der Liquidität. Die Bankguthaben haben sich innerhalb eines Jahres von knapp 34.000 Euro auf mehr als 112.000 Euro mehr als verdreifacht. Das verbessert kurzfristig die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens erheblich und verschafft finanziellen Spielraum.
Demgegenüber steht jedoch ein kontinuierlicher Rückgang des Anlagevermögens. Die Windenergieanlagen werden planmäßig abgeschrieben und weisen nur noch einen Buchwert von rund 482.000 Euro aus. Dieser Rückgang ist bilanziell zwar normal, verdeutlicht aber, dass die technischen Anlagen wirtschaftlich altern. Für Investoren stellt sich daher die Frage, ob künftig größere Investitionen oder ein Repowering notwendig werden könnten und wie diese finanziert werden sollen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Kapitalstruktur. Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt weiterhin null Euro. Gleichzeitig bestehen Verbindlichkeiten von über 821.000 Euro, wovon rund 819.500 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber den Gesellschaftern entfallen. Damit wird das Unternehmen nahezu vollständig über Gesellschafterdarlehen beziehungsweise interne Finanzierungen getragen.
Das kann durchaus ein positives Signal sein, weil die Gesellschafter das Unternehmen offensichtlich weiterhin unterstützen. Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch eine erhebliche Abhängigkeit von eben diesen Gesellschaftern. Sollte sich deren Finanzierungsbereitschaft künftig ändern, könnte dies die Gesellschaft vor neue Herausforderungen stellen.
Positiv ist wiederum, dass die Verbindlichkeiten gegenüber den Gesellschaftern leicht zurückgegangen sind. Dies deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der bestehenden Verpflichtungen reduziert werden konnte. Dennoch bleibt die absolute Höhe dieser Verbindlichkeiten ausgesprochen hoch.
Für Anleger problematisch ist außerdem die eingeschränkte Transparenz. Als kleine Personenhandelsgesellschaft nutzt die Gesellschaft die gesetzlichen Erleichterungen des Handelsgesetzbuches. Dadurch werden weder Umsatzerlöse noch der konkrete Jahresüberschuss veröffentlicht. Gerade diese Kennzahlen wären jedoch entscheidend, um beurteilen zu können, ob die optimistischen Zukunftserwartungen der Geschäftsführung tatsächlich auf einer nachhaltig profitablen Geschäftsentwicklung beruhen.
Auch der Hinweis, dass das Unternehmen keinerlei Arbeitnehmer beschäftigt, ist typisch für viele Windparkgesellschaften und grundsätzlich kein Nachteil. Der operative Betrieb wird häufig vollständig an externe Dienstleister vergeben. Für die wirtschaftliche Bewertung liefert diese Information daher nur begrenzte Aussagekraft.
Fazit
Die Bilanz enthält durchaus einige positive Signale. Die Liquidität hat sich deutlich verbessert, die Gesamtverschuldung wurde leicht reduziert und die Gesellschafter stehen weiterhin hinter dem Unternehmen. Gleichzeitig überwiegen aus Anlegersicht jedoch die kritischen Punkte.
Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag ist weiter angestiegen, Eigenkapital ist weiterhin nicht vorhanden und die Finanzierung hängt nahezu vollständig von den Gesellschaftern ab. Hinzu kommt, dass wichtige Informationen zur tatsächlichen Ertragskraft nicht veröffentlicht werden.
Für Investoren bedeutet dies: Die Fortführung des Unternehmens erscheint nach Einschätzung der Geschäftsführung zwar gesichert. Ob sich diese optimistische Prognose tatsächlich erfüllt, wird sich jedoch erst in den kommenden Geschäftsjahren zeigen. Bis dahin bleibt der Windpark Mihla I ein Investment, das sorgfältig beobachtet werden sollte und bei dem Chancen und Risiken eng beieinanderliegen.