Die anhaltende Trockenheit zwingt immer mehr Regionen in Sachsen-Anhalt zu drastischen Maßnahmen. Aufgrund sinkender Wasserstände und anhaltend geringer Niederschläge haben weitere Landkreise Wasserentnahmeverbote oder zeitliche Einschränkungen erlassen. Ziel ist es, die natürlichen Wasserressourcen zu schützen und eine weitere Verschärfung der angespannten Lage zu verhindern.
Betroffen sind inzwischen mehrere Landkreise, darunter das Jerichower Land, Anhalt-Bitterfeld, der Saalekreis, der Altmarkkreis Salzwedel sowie der Landkreis Stendal. Die Behörden reagieren damit auf die seit Wochen anhaltende Trockenperiode, die Gewässer, Böden und Grundwasservorräte zunehmend belastet.
Jerichower Land verbietet Wasserentnahme aus Flüssen und Seen
Im Jerichower Land gilt ab sofort ein umfassendes Verbot, Wasser aus oberirdischen Gewässern zu entnehmen. Dazu zählen Flüsse, Bäche und Seen. Darüber hinaus darf Grund- und Trinkwasser zwischen 10 und 19 Uhr nicht zur Bewässerung genutzt werden. Ausnahmen gelten lediglich für Gartenbaubetriebe und Friedhöfe, deren Bewässerung aus betrieblichen Gründen als notwendig eingestuft wird.
Nach Angaben des Landkreises sollen die Regelungen zunächst bis zum 30. September gelten. Ob sie darüber hinaus verlängert werden müssen, hängt von der weiteren Wetterentwicklung ab.
Auch private Gartenbrunnen betroffen
Ähnliche Maßnahmen gelten inzwischen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dort ist die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpen untersagt. Zusätzlich dürfen private Gartenbrunnen täglich zwischen 10 und 18 Uhr nicht zur Bewässerung genutzt werden.
Das Verbot soll zunächst bis Anfang Oktober Bestand haben. Ziel ist es, den Wasserverbrauch während der heißesten Tagesstunden deutlich zu reduzieren und die Grundwasserreserven zu schonen.
Saalekreis beschränkt Bewässerung öffentlicher und privater Flächen
Bereits Anfang Juli hatte der Saalekreis reagiert. Dort dürfen öffentliche Grünanlagen, Sportplätze sowie private Gärten zwischen 8 und 18 Uhr nicht mehr mit Brunnenwasser bewässert werden. Auch die Nutzung privater Gartenbrunnen ist während dieser Zeit untersagt.
Die Kreisverwaltung verweist auf die außergewöhnlich trockene Witterung und die sinkenden Grundwasserstände. Ohne Einschränkungen drohten langfristige Schäden für Natur und Wasserversorgung.
Weitere Regionen ziehen nach
Auch der Altmarkkreis Salzwedel hat aufgrund der anhaltenden Dürre eine Allgemeinverfügung zur Einschränkung der Wasserentnahme erlassen. Bereits seit Ende Juni gelten vergleichbare Regelungen im Landkreis Stendal.
Dort appellierte Landrat Patrick Puhlmann (SPD) zusätzlich an die Bevölkerung, freiwillig sparsam mit Wasser umzugehen. Jeder eingesparte Liter könne dazu beitragen, die Wasserversorgung langfristig zu sichern.
Dürre belastet Landwirtschaft und Natur
Die zunehmenden Beschränkungen sind Ausdruck einer sich verschärfenden Trockenheit in weiten Teilen Ostdeutschlands. Zwar gab es regional einzelne Niederschläge, doch insbesondere die tieferen Bodenschichten sind vielerorts weiterhin stark ausgetrocknet. Für Landwirte bedeutet dies erhebliche Herausforderungen.
Neben Ertragseinbußen bei Getreide und anderen Feldfrüchten leiden auch Wälder, Feuchtgebiete und kleinere Fließgewässer unter dem Wassermangel. Zahlreiche Bäche führen nur noch wenig Wasser oder trocknen abschnittsweise vollständig aus. Gleichzeitig steigt das Risiko von Wald- und Vegetationsbränden.
Klimawandel erhöht den Handlungsdruck
Experten beobachten seit Jahren, dass längere Trockenperioden und häufigere Hitzewellen in Deutschland zunehmen. Die Wasserentnahmeverbote zeigen, wie stark sich diese Entwicklung inzwischen auf den Alltag auswirkt.
Kommunen stehen vor der Herausforderung, einerseits die Trinkwasserversorgung dauerhaft sicherzustellen und andererseits Natur und Landwirtschaft vor irreparablen Schäden zu schützen. Wasser entwickelt sich zunehmend zu einer Ressource, deren Nutzung sorgfältiger gesteuert werden muss als noch vor wenigen Jahren.
Bürger sind zum Wassersparen aufgerufen
Die Behörden empfehlen, Gärten möglichst in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu bewässern, Regenwasser zu sammeln und auf unnötigen Wasserverbrauch zu verzichten. Auch das Befüllen privater Pools oder intensive Rasenbewässerung sollte nach Möglichkeit reduziert werden.
Sollte die Trockenheit anhalten oder sich weiter verschärfen, schließen viele Landkreise zusätzliche Einschränkungen nicht aus.
Wasser wird zunehmend zum knappen Gut
Die aktuellen Maßnahmen machen deutlich, dass Trockenperioden längst nicht mehr nur die Landwirtschaft betreffen. Auch private Haushalte, Kommunen und Unternehmen müssen sich zunehmend auf Einschränkungen einstellen. Die Entwicklung verdeutlicht zugleich den wachsenden Handlungsbedarf beim nachhaltigen Umgang mit Wasser – einer Ressource, die angesichts des Klimawandels immer stärker unter Druck gerät.