Kaffee gilt als natürlicher Muntermacher – und längst auch als beliebter Inhaltsstoff in Cremes, Seren, Shampoos und Gesichtsmasken. Hersteller werben mit Anti-Aging-Effekten, strafferer Haut, weniger Cellulite oder einem verbesserten Haarwachstum. Doch ein aktueller Produkttest des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI) wirft Zweifel an den Werbeversprechen auf. Mehr als die Hälfte der untersuchten koffeinhaltigen Kosmetikprodukte enthält problematische Stoffe für Umwelt oder Gesundheit.
Gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule Tulln untersuchte der VKI insgesamt 30 Kosmetikprodukte, die Koffein aus Kaffee oder Guarana enthalten. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: 18 der getesteten Produkte enthalten nach Einschätzung der Verbraucherschützer Inhaltsstoffe, die aus Umwelt- oder Gesundheitssicht kritisch zu bewerten sind.
Umweltbelastende Inhaltsstoffe in vielen Produkten
Besonders kritisch bewertet der VKI die Umweltverträglichkeit zahlreicher Kaffee-Kosmetika. In mehr als der Hälfte der untersuchten Produkte fanden die Experten synthetische Polymere oder bestimmte Duftstoffe, die nur schwer biologisch abbaubar sind. Solche Kunststoffe können sich langfristig in der Umwelt anreichern und gelten deshalb zunehmend als problematisch.
Auch Farbstoffe wurden in mehreren Produkten nachgewiesen, obwohl sie ausschließlich optischen Zwecken dienen und keinen pflegenden Nutzen für die Haut haben.
Hormonell wirksame Stoffe bereiten Sorgen
Noch schwerer wiegt aus Sicht der Verbraucherschützer der Nachweis potenziell hormonwirksamer Substanzen. In vier Produkten identifizierte der VKI sogenannte endokrine Disruptoren. Diese Stoffe stehen im Verdacht, das menschliche Hormonsystem zu beeinflussen.
VKI-Kosmetikexpertin Birgit Schiller kritisiert, dass derartige Inhaltsstoffe insbesondere in als natürlich beworbenen Kosmetikprodukten nichts zu suchen hätten. Zwei Produkte fielen dabei besonders negativ auf. Nach Einschätzung des VKI geht vom Produkt Mediheal Vita Mask Cacao sogar ein signifikantes Gesundheitsrisiko aus. Das Coffee Shot Glättende Gesichtspeeling von Apis Natural Cosmetics wird insbesondere für Schwangere als problematisch eingestuft.
Werbeversprechen wissenschaftlich nur eingeschränkt belegt
Neben den Inhaltsstoffen untersuchte der VKI auch die beworbenen Wirkungen von Koffein in Kosmetikprodukten. Zwar ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Koffein im Labor unter anderem durchblutungsfördernde, antioxidative und fettabbauende Eigenschaften besitzt. Ob diese Effekte jedoch bei der Anwendung fertiger Cremes oder Seren tatsächlich in vergleichbarer Weise auftreten, ist nach Angaben des VKI bislang nicht ausreichend belegt.
Insbesondere Aussagen zu Anti-Aging-Wirkungen, einer sichtbaren Reduzierung von Cellulite oder einem verbesserten Haarwachstum stützten sich häufig lediglich auf begrenzte oder uneinheitliche Studien.
Nach Einschätzung der Verbraucherschützer könne Koffein kosmetische Pflege unterstützen, sei jedoch keineswegs das Wundermittel, als das es in der Werbung häufig dargestellt werde.
Naturkosmetik schützt nicht automatisch
Ein weiteres Ergebnis des Produkttests dürfte viele Verbraucher überraschen: Auch Produkte, die mit Natürlichkeit oder Naturkosmetik werben, enthielten teilweise problematische Inhaltsstoffe. Die Werbeaussagen vermittelten häufig ein deutlich umweltfreundlicheres oder gesünderes Bild, als die tatsächliche Zusammensetzung rechtfertige.
Hinzu kommt, dass viele Hersteller keine konkreten Angaben zur tatsächlich enthaltenen Koffeinmenge machen konnten. Dadurch bleibt für Verbraucher oft unklar, ob überhaupt eine wirksame Konzentration des Inhaltsstoffs enthalten ist.
Mehr Transparenz gefordert
Der VKI fordert deshalb strengere Standards für Kosmetikprodukte und mehr Transparenz bei den Inhaltsstoffen. Verbraucher sollten nachvollziehen können, welche Wirkstoffkonzentrationen tatsächlich enthalten sind und welche Stoffe zur Herstellung verwendet werden.
Zudem plädieren die Verbraucherschützer für klarere Kennzeichnungspflichten bei Produkten, die mit Natürlichkeit oder besonderen Pflegewirkungen werben. Gerade im boomenden Markt der Kaffee- und Koffeinkosmetik dürften Verbraucher erwarten, dass Werbeaussagen wissenschaftlich fundiert und die verwendeten Inhaltsstoffe möglichst umwelt- und gesundheitsschonend sind.
Verbraucher sollten genauer hinschauen
Der aktuelle VKI-Check zeigt, dass attraktive Werbebotschaften und natürliche Zutaten allein kein Qualitätsmerkmal sind. Verbraucher sollten deshalb nicht nur auf Begriffe wie „Kaffee“, „Guarana“ oder „Naturkosmetik“ achten, sondern vor dem Kauf auch einen Blick auf die vollständige Inhaltsstoffliste werfen.
Die Untersuchung macht deutlich, dass selbst moderne Pflegeprodukte mit natürlichen Wirkstoffen problematische Zusätze enthalten können. Gleichzeitig mahnen die Verbraucherschützer zu einer realistischen Erwartungshaltung: Koffein kann Hautpflege sinnvoll ergänzen – wissenschaftlich belegte Wunderwirkungen gegen Falten, Cellulite oder Haarausfall lassen sich daraus jedoch bislang nicht ableiten.