Für die rund 3.000 Beschäftigten der insolventen Allgäuer Supermarktkette Feneberg gibt es neue Hoffnung. Im laufenden Insolvenzverfahren haben sich mit der REWE Group und der regionalen Investorengruppe LEH Allgäu GmbH zwei Unternehmen gefunden, die gemeinsam die Zukunft des Traditionsunternehmens sichern wollen. Nach Angaben der Insolvenzverwaltung sollen sämtliche mehr als 70 Filialen sowie die Unternehmenszentrale in Kempten erhalten bleiben.
Nach den derzeitigen Plänen wird die Supermarktkette aufgeteilt. Etwa die Hälfte der Märkte soll von der LEH Allgäu GmbH übernommen und weiterhin unter dem traditionsreichen Namen Feneberg betrieben werden. Auch das regionale Markenprogramm „VonHier“, das zahlreiche Produkte heimischer Erzeuger bündelt, soll erhalten bleiben. Darüber hinaus soll die Unternehmenszentrale in Kempten künftig von der regionalen Investorengruppe geführt werden. Diese arbeitet unabhängig von der REWE Group und verfolgt das Ziel, die starke regionale Identität der Marke fortzuführen.
Die übrigen Filialen sollen an die REWE Group übergehen. Ebenfalls übernehmen will der Handelskonzern die Landbäckerei Sinz in Durach. Auch die Tankstellen des Unternehmens sollen bestehen bleiben. Sie werden künftig allerdings nicht mehr von Feneberg selbst betrieben, sondern von einem Mineralölunternehmen, dessen Name bislang noch nicht bekanntgegeben wurde.
Für die Beschäftigten bedeutet die geplante Lösung vor allem eines: ihre Arbeitsplätze sollen weitgehend erhalten bleiben. Nach Angaben der Beteiligten werden sämtliche Stellen in den Filialen sowie ein Großteil der Arbeitsplätze in Verwaltung und Logistik übernommen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Märkte künftig zur REWE Group gehören, sollen ihre bisherigen Arbeitsverträge unverändert behalten. Damit könnten tausende Arbeitsplätze im Allgäu gesichert werden.
Auch die Eigentümerfamilie bleibt dem Unternehmen erhalten. Amelie Feneberg, bislang Geschäftsführerin der Feneberg Lebensmittel GmbH, soll künftig Teil der Geschäftsführung der LEH Allgäu GmbH werden und die Weiterentwicklung der Marke begleiten. Die Familie begrüßte die gefundene Lösung ausdrücklich. Amelie Feneberg erklärte, sie freue sich darüber, dass sowohl die Marke Feneberg als auch das Regionalprogramm „VonHier“ eine Zukunft hätten.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens reichen mehrere Jahre zurück. Nach Angaben der Sanierungsverantwortlichen belastet eine hohe Schuldenlast den Lebensmittelhändler. Dabei geht es insbesondere um hohe Pensionsverpflichtungen sowie umfangreiche Darlehen. Insgesamt belaufen sich die finanziellen Verpflichtungen auf rund 200 Millionen Euro. Anfang des Jahres hatte Feneberg deshalb ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, aus dem später das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hervorging.
Bevor die Übernahme umgesetzt werden kann, sind allerdings noch mehrere rechtliche Schritte erforderlich. Zunächst muss ein Insolvenzplan beim Amtsgericht Kempten eingereicht und genehmigt werden. Anschließend müssen die Gläubiger dem Konzept zustimmen. Darüber hinaus bedarf die geplante Aufteilung der Filialen auch der Freigabe durch das Bundeskartellamt, das die Auswirkungen auf den Wettbewerb im Lebensmittelhandel prüfen wird.
Die beteiligten Unternehmen sehen in der Einigung einen wichtigen Schritt für die Region. Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold betonte, nun gehe es vor allem darum, den Geschäftsbetrieb in den Märkten stabil fortzuführen und den Kunden weiterhin eine zuverlässige Nahversorgung zu bieten. Gleichzeitig solle den Beschäftigten möglichst schnell Planungssicherheit gegeben werden.
Auch die Investoren unterstreichen die regionale Bedeutung der Lösung. Alexander Pade, Vertreter der LEH Allgäu GmbH, sprach von einer langfristigen Perspektive für die Standorte im Allgäu und in Süddeutschland. Ziel sei es, die Nahversorgung dauerhaft zu sichern, Arbeitsplätze zu erhalten und die regionale Verwurzelung der Marke Feneberg fortzuführen. Seitens der REWE Group erklärte Vorstandsmitglied Peter Maly, die geplante Übernahme eröffne den betroffenen Märkten neue Entwicklungsmöglichkeiten und stärke zugleich die Versorgung der Bevölkerung in der Region.
Mit der nun vorgestellten Investorenlösung wächst die Hoffnung, dass eines der traditionsreichsten Familienunternehmen im Allgäu trotz seiner wirtschaftlichen Krise erhalten bleibt. Ob die Rettung gelingt, hängt nun von den anstehenden Entscheidungen des Insolvenzgerichts, der Gläubiger und der Kartellbehörden ab. Sollte der Sanierungsplan wie vorgesehen umgesetzt werden, könnte Feneberg auch künftig als regionaler Lebensmittelhändler im Allgäu präsent bleiben – wenn auch mit einer neuen Eigentümerstruktur.