Man muss es neidlos anerkennen: Frankreich hat auch gegen Marokko genau das gemacht, was große Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft tun. Sie lassen den Gegner hoffen – und schlagen dann eiskalt zu.
Die Franzosen brauchten zwar eine Halbzeit Anlauf, weil sie ihre spielerische Überlegenheit zunächst nicht in Tore ummünzen konnten. Doch wer glaubte, die Atlas-Löwen könnten daraus Kapital schlagen, wurde nach dem Seitenwechsel schnell eines Besseren belehrt. Frankreich schaltete einfach einen Gang höher – und Marokko hatte darauf keine Antwort mehr.
Natürlich versuchte der Außenseiter nach der Pause mutiger aufzutreten. Für wenige Minuten schien das Spiel tatsächlich offener zu werden. Doch gegen eine Mannschaft, die vor Selbstvertrauen nur so strotzt und mit Spielern wie Kylian Mbappé jederzeit den Unterschied machen kann, reicht eine gute Phase eben nicht aus.
Und dann kam wieder dieser Mbappé. Der Superstar traf zum achten Mal bei dieser Weltmeisterschaft und bewies einmal mehr, warum er derzeit der vielleicht kompletteste Offensivspieler des Planeten ist. Sein Treffer war der Dosenöffner – und plötzlich lief alles wie von selbst. Nur sechs Minuten später legte Ousmane Dembélé nach und machte den französischen Doppelschlag perfekt. Spätestens da war klar: Dieses Spiel würde Frankreich nicht mehr aus der Hand geben.
Was danach folgte, war ein Lehrstück in Sachen Spielkontrolle. Frankreich ließ Ball und Gegner laufen, verteidigte konzentriert und nahm Marokko jede Hoffnung auf eine spektakuläre Aufholjagd. Die Nordafrikaner kämpften bis zum Schluss, fanden gegen die abgeklärte Defensive der „Équipe Tricolore“ aber schlicht keine Mittel mehr.
Damit endet zugleich die beeindruckende Reise der letzten verbliebenen afrikanischen Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft. Marokko hat erneut Leidenschaft, Mut und Zusammenhalt gezeigt und darf trotz des Ausscheidens stolz auf seine Leistung sein. Gegen diese französische Auswahl war an diesem Abend jedoch schlicht nichts zu holen.
Frankreich dagegen sendet ein deutliches Signal an die Konkurrenz. Der Titelverteidiger wirkt von Spiel zu Spiel reifer, effizienter und gefährlicher. Während andere Favoriten immer wieder Schwächephasen offenbaren, erledigt „Les Bleus“ seine Aufgaben mit beeindruckender Souveränität. Besonders bemerkenswert ist dabei die Mischung aus individueller Klasse und taktischer Disziplin.
Nun wartet bereits das dritte WM-Halbfinale in Folge. Ob dort Spanien oder Belgien der Gegner sein wird, spielt fast schon eine untergeordnete Rolle. Wer Frankreich derzeit schlagen will, braucht nicht nur einen perfekten Tag – sondern vermutlich auch das nötige Quäntchen Glück.
Eines steht jedenfalls fest: Auf dem Weg zum nächsten WM-Titel führt aktuell kaum ein Weg an Kylian Mbappé und seiner französischen Mannschaft vorbei.