Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt gesunden Seniorinnen und Senioren künftig erst ab dem 75. Lebensjahr eine jährliche Auffrischungsimpfung gegen Covid-19. Die Impfung soll – wie auch bei der Grippeschutzimpfung – möglichst im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen, um einen optimalen Schutz für die Herbst- und Wintersaison aufzubauen.
Mit der Anpassung der Empfehlung reagiert das Expertengremium auf die veränderte Entwicklung der Corona-Pandemie. Seit dem offiziellen Ende der Pandemie sind die Infektionszahlen kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zunehmend auf eine kleinere Bevölkerungsgruppe verlagert.
Höchstes Risiko bei Menschen über 75 Jahren
Nach Angaben der Stiko betreffen schwere Covid-19-Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle inzwischen überwiegend Menschen ab 75 Jahren. In dieser Altersgruppe nimmt das Immunsystem altersbedingt deutlich an Leistungsfähigkeit ab, wodurch das Risiko für schwere Verläufe steigt.
Aus diesem Grund konzentriert sich die neue Impfempfehlung gezielt auf jene Altersgruppe, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen am stärksten gefährdet ist. Gesunde Menschen zwischen 60 und 74 Jahren benötigen nach der neuen Empfehlung grundsätzlich keine regelmäßige jährliche Auffrischungsimpfung mehr.
Empfehlung gilt nicht für Risikogruppen
Unverändert bleiben die Impfempfehlungen für Menschen mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko. Personen mit chronischen Erkrankungen, Immunschwäche oder anderen relevanten Vorerkrankungen sollen sich weiterhin regelmäßig gegen Covid-19 impfen lassen – unabhängig vom Alter.
Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit einem besonders hohen Risiko für schwere Krankheitsverläufe gehören weiterhin zu den Gruppen, für die eine regelmäßige Auffrischungsimpfung empfohlen wird.
Anpassung an die aktuelle Infektionslage
Die Stiko begründet ihre Entscheidung mit der veränderten epidemiologischen Situation. Während in den ersten Jahren der Pandemie große Teile der Bevölkerung ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen hatten, verfügen heute viele Menschen durch Impfungen und überstandene Infektionen über einen grundlegenden Immunschutz.
Dadurch verlaufen Corona-Infektionen bei den meisten gesunden Erwachsenen inzwischen deutlich milder als noch in den vergangenen Jahren. Schwere Komplikationen treten überwiegend bei hochbetagten oder gesundheitlich vorbelasteten Menschen auf.
Impfung möglichst vor der Erkältungssaison
Wie bei der Grippeschutzimpfung empfiehlt die Stiko, die Corona-Auffrischung möglichst im Spätsommer oder Frühherbst durchführen zu lassen. So kann der Impfschutz rechtzeitig vor Beginn der typischen Erkältungs- und Virensaison aufgebaut werden.
In vielen Arztpraxen können Influenza- und Covid-19-Impfungen bei Bedarf auch im selben Termin verabreicht werden. Dadurch soll insbesondere älteren Menschen der Zugang zu den empfohlenen Schutzimpfungen erleichtert werden.
Empfehlungen werden regelmäßig überprüft
Die Ständige Impfkommission überprüft ihre Impfempfehlungen fortlaufend anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der aktuellen Entwicklung des Infektionsgeschehens. Änderungen der Empfehlungen sind daher möglich, wenn sich die epidemiologische Lage oder die verfügbaren Studiendaten verändern.
Mit der aktuellen Anpassung trägt die Stiko der Tatsache Rechnung, dass sich Covid-19 mittlerweile von einer pandemischen Bedrohung zu einer Erkrankung entwickelt hat, die vor allem für sehr alte und gesundheitlich besonders gefährdete Menschen ein erhöhtes Risiko darstellt. Für diese Bevölkerungsgruppen bleibt die regelmäßige Auffrischungsimpfung weiterhin ein wichtiger Bestandteil des individuellen Gesundheitsschutzes.