Die Landwirte in Sachsen-Anhalt starten mit gemischten Gefühlen in die diesjährige Erntesaison. Nach Einschätzung des Landesbauernverbandes verschärfen anhaltende Trockenheit, hohe Produktionskosten und unsichere Entwicklungen auf den Agrarmärkten die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Ob die Ernte am Ende ausreichend Erträge bringt, um die gestiegenen Kosten zu decken, ist für zahlreiche Landwirte derzeit völlig offen.
Der Bauernverband spricht von einer schwierigen Ausgangslage. Große Unterschiede bei Erträgen und Qualitäten, regionale Wetterextreme sowie die anhaltend hohen Kosten für Betriebsmittel prägten die Ernte 2026. Für viele Betriebe sei momentan kaum abzuschätzen, ob das Wirtschaftsjahr mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden könne.
Große regionale Unterschiede
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede innerhalb Sachsen-Anhalts. Während in einigen nördlichen Regionen aufgrund günstigerer Niederschlagsmengen noch vergleichsweise stabile Erträge erwartet werden, leiden viele Betriebe im Süden und Osten des Landes unter den Folgen einer lang anhaltenden Trockenperiode. Dort haben Hitze und Wassermangel die Entwicklung zahlreicher Kulturen erheblich beeinträchtigt.
Vor allem beim Weizen rechnen Experten mit spürbaren Ertragseinbußen. Neben geringeren Erntemengen könnte auch die Qualität des Getreides leiden. Schlechtere Qualitäten erzielen auf dem Markt oftmals niedrigere Preise und verschärfen damit den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe zusätzlich.
Weitere Niederschläge dringend benötigt
Die zuletzt gefallenen Regenfälle konnten die Situation vielerorts nur kurzfristig entspannen. Nach Angaben des Bauernverbandes ist der Oberboden in zahlreichen Regionen bereits wieder ausgetrocknet. Für viele Kulturen kommt es deshalb in den kommenden Wochen entscheidend auf weitere Niederschläge an.
Besonders betroffen sind Sommerkulturen wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Sonnenblumen. Diese Pflanzen befinden sich derzeit in wichtigen Wachstumsphasen und benötigen ausreichend Wasser, um ihr Ertragspotenzial ausschöpfen zu können. Bleibt der Regen aus, drohen weitere Ernteverluste.
Wirtschaftlicher Druck wächst
Neben den schwierigen Wetterbedingungen kämpfen die Betriebe weiterhin mit hohen Produktionskosten. Ausgaben für Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Maschinen, Ersatzteile und Energie liegen nach wie vor deutlich über dem Niveau früherer Jahre. Gleichzeitig sorgen schwankende Preise auf den internationalen Agrarmärkten für erhebliche Unsicherheit bei den Verkaufserlösen.
Nach Einschätzung des Bauernverbandes geraten deshalb immer mehr landwirtschaftliche Unternehmen finanziell unter Druck. Viele Betriebe verfügten nur noch über geringe finanzielle Reserven und müssten steigende Betriebskosten vorfinanzieren, ohne zu wissen, welche Erlöse sie nach der Ernte tatsächlich erzielen können.
Der Verband spricht inzwischen von zunehmenden Liquiditätsengpässen. Das Ausmaß dieser Entwicklung sei besorgniserregend und habe eine Größenordnung erreicht, die bislang nur in Einzelfällen zu beobachten gewesen sei.
Gute Ernte allein reicht oft nicht mehr
Selbst Betriebe, die in diesem Jahr durchschnittliche oder sogar gute Erträge erzielen, könnten wirtschaftlich unter Druck bleiben. Grund dafür sind die deutlich gestiegenen Kosten entlang der gesamten Produktionskette. Eine solide Ernte allein garantiere deshalb längst keinen wirtschaftlichen Erfolg mehr.
Viele Landwirte sehen sich nach Angaben des Bauernverbandes mit einer Situation konfrontiert, in der selbst kleinere Ernteausfälle oder sinkende Marktpreise erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität ihres Betriebes haben können.
Klimawandel stellt Landwirtschaft vor neue Herausforderungen
Die diesjährige Erntesaison zeigt erneut, wie stark die Landwirtschaft von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Längere Trockenperioden, extreme Hitze und ungleich verteilte Niederschläge erschweren den Anbau vieler Kulturen zunehmend. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Wassermanagement, Bodenbearbeitung und die Auswahl widerstandsfähiger Sorten.
Landwirtschaftliche Verbände fordern deshalb seit Längerem bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in Bewässerungssysteme, moderne Anbautechniken und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Nur so könnten die Betriebe langfristig wettbewerbsfähig bleiben und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln sichern.
Entscheidung fällt in den kommenden Wochen
Mit dem Beginn der Getreideernte wird sich nun zeigen, wie stark Trockenheit und Hitze die Felder tatsächlich geschädigt haben. Erst wenn die Mähdrescher flächendeckend im Einsatz sind und die Erträge ausgewertet werden, lässt sich das tatsächliche Ausmaß der diesjährigen Ernteverluste beziffern.
Für viele Landwirte werden die kommenden Wochen daher entscheidend sein. Sie hoffen auf weitere Niederschläge und stabile Marktpreise – denn beides könnte darüber entscheiden, ob das Erntejahr 2026 wirtschaftlich noch zufriedenstellend verläuft oder für zahlreiche Betriebe zu einer existenziellen Belastung wird.