Wer in diesen Tagen an der Ostsee baden geht, sollte nicht nur auf die Wassertemperatur achten. Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Kiel warnt zum Ferienbeginn vor einer erhöhten Belastung des Ostseewassers mit sogenannten Vibrionen. Die Bakterien kommen zwar natürlicherweise im Meer- und Brackwasser vor, können unter bestimmten Bedingungen jedoch gefährliche Infektionen verursachen.
Hitze sorgt für ideale Bedingungen
Nach Angaben des Gesundheitsamtes vermehren sich Vibrionen besonders stark, wenn das Wasser längere Zeit Temperaturen von mehr als 20 Grad erreicht. Betroffen sind vor allem flache Uferbereiche, in denen sich das Wasser schnell erwärmt. Durch die aktuelle Hitzewelle haben sich die Bedingungen für die Bakterien deutlich verbessert.
Die Erreger gelangen nicht über das Trinken des Wassers, sondern vor allem über offene Hautverletzungen in den Körper. Bereits kleine Schnitte, Schürfwunden oder aufgekratzte Insektenstiche können als Eintrittspforte dienen.
Besonders gefährdet sind Risikogruppen
Gesunde Menschen erkranken nur selten schwer. Deutlich höher ist das Risiko jedoch für Menschen mit Diabetes, Lebererkrankungen, Krebs, einer geschwächten Immunabwehr oder anderen chronischen Erkrankungen. Bei ihnen können Vibrionen schwere Wundinfektionen bis hin zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen auslösen.
Deshalb rät das Gesundheitsamt diesen Personengruppen ausdrücklich, mit offenen Wunden nicht im warmen Ostseewasser zu baden oder zu waten.
Schon kleine Verletzungen können problematisch werden
Wer lediglich kleinere Kratzer oder Schürfwunden hat, sollte diese möglichst wasserdicht abkleben. Kommt eine Wunde dennoch mit Ostseewasser in Kontakt, sollte sie sofort gründlich mit sauberem Leitungswasser ausgespült werden.
Anschließend ist Aufmerksamkeit gefragt. Entwickeln sich innerhalb kurzer Zeit starke Rötungen, Schwellungen oder pochende Schmerzen an der betroffenen Stelle oder treten zusätzlich Fieber und Schüttelfrost auf, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika kann schwere Krankheitsverläufe verhindern.
Auch nach der Hitzewelle bleibt Vorsicht geboten
Nach Einschätzung der Behörden verschwinden Vibrionen nicht sofort wieder, wenn die Temperaturen sinken. Die Bakterien können noch mehrere Wochen im Wasser überleben. Das Infektionsrisiko bleibt deshalb auch nach dem Ende einer Hitzewelle zunächst bestehen.
Keine Panik – aber umsichtig handeln
Das Gesundheitsamt betont, dass schwere Vibrionen-Infektionen weiterhin selten sind. Für die meisten Badegäste besteht kein Grund zur Sorge. Dennoch empfehlen Experten insbesondere älteren Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen, den Kontakt offener Wunden mit Ostseewasser konsequent zu vermeiden.
Mit den steigenden Wassertemperaturen infolge des Klimawandels rechnen Fachleute allerdings damit, dass Vibrionen künftig häufiger in der Ostsee nachgewiesen werden und entsprechende Warnungen in den Sommermonaten zunehmen könnten.