Dark Mode Light Mode

Sturheit in der Scheidung: Warum Trotz am Ende richtig teuer werden kann

Tumisu (CC0), Pixabay

Wer eine Scheidung durchläuft, erlebt häufig eine emotionale Ausnahmesituation. Verletzungen, Enttäuschungen und Wut führen nicht selten dazu, dass Entscheidungen nicht mehr mit kühlem Kopf getroffen werden. Genau davor warnt die Gärtringer Familienrechtlerin Sonja Neitzel in einem aktuellen Rechtstipp. Ihr Fazit fällt deutlich aus: Wer aus Prinzip blockiert oder die Scheidung bewusst hinauszögert, riskiert am Ende hohe finanzielle und persönliche Folgekosten.

Nach Beobachtung der Anwältin verfolgen manche Ehepartner die Strategie, das Verfahren möglichst lange in die Länge zu ziehen. Dahinter steht häufig die Hoffnung, noch einige Monate länger Trennungsunterhalt zu erhalten oder sich Vorteile beim Versorgungsausgleich und anderen finanziellen Fragen zu sichern. Auf den ersten Blick erscheine dieses Vorgehen wirtschaftlich sinnvoll. In der Praxis entwickle sich daraus jedoch häufig eine kostspielige Eskalation.

Neitzel schildert, dass eine bewusst provozierte Verzögerung beim anderen Ehepartner oftmals starke emotionale Reaktionen auslöse. Wer sich ausgenutzt oder bewusst hingehalten fühle, sei häufig nicht mehr bereit, sachliche Lösungen zu akzeptieren. Aus einer zunächst überschaubaren Scheidung könnten dadurch zahlreiche zusätzliche Streitigkeiten entstehen – etwa über Unterhalt, Zugewinnausgleich, Vermögenswerte oder Umgangsregelungen für gemeinsame Kinder.

Mit jeder neuen Auseinandersetzung steigen nach ihren Worten nicht nur die Anwalts- und Gerichtskosten. Auch die Dauer des gesamten Verfahrens verlängere sich erheblich. Statt einer vergleichsweise schnellen Einigung drohten jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen, die beide Seiten finanziell und psychisch belasteten.

Die Familienrechtlerin macht deutlich, dass vermeintliche kurzfristige Vorteile dadurch häufig wieder aufgezehrt werden. Einige zusätzliche Monate Unterhalt oder geringe wirtschaftliche Verbesserungen könnten am Ende deutlich weniger wert sein als die Kosten, die durch langwierige Gerichtsverfahren entstehen. Hinzu komme der erhebliche Zeit- und Nervenaufwand, der sich finanziell kaum beziffern lasse.

Besonders kritisch bewertet Neitzel Verzögerungstaktiken dann, wenn gemeinsame Kinder betroffen sind. Anhaltende Konflikte zwischen den Eltern wirkten sich regelmäßig negativ auf das familiäre Umfeld aus und erschwerten eine spätere konstruktive Zusammenarbeit erheblich.

Aus anwaltlicher Sicht empfiehlt sie deshalb, emotionale Reaktionen von wirtschaftlich sinnvollen Entscheidungen zu trennen. Nicht jede rechtliche Möglichkeit müsse ausgeschöpft werden, wenn dadurch letztlich beide Seiten erhebliche Nachteile erleiden. Ziel einer Scheidung sollte vielmehr eine tragfähige und wirtschaftlich vernünftige Lösung sein, anstatt den Konflikt aus Prinzip weiter eskalieren zu lassen.

Ihr Rat an Betroffene lautet daher, die eigene Strategie kritisch zu hinterfragen. Wer vor allem aus Trotz oder verletztem Stolz handelt, riskiere am Ende deutlich höhere finanzielle Belastungen als ursprünglich erwartet. Eine frühzeitige rechtliche Beratung könne helfen, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen und unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

JWP Jade Windpark investiert kräftig – Milliardenprojekt wächst trotz Jahresverlust weiter

Next Post

wpd Windpark Hoppenrade Beteiligungs GmbH bleibt Verlustgesellschaft – Eigenkapital schmilzt weiter