Mit der Veröffentlichung des ersten Jahresabschlusses der wpd Windpark Kreuzmoor West Beteiligungs GmbH gibt die Bremer Windparkentwicklerin wpd einen Einblick in die Anfangsphase eines weiteren Projekts der Energiewende. Die Gesellschaft wurde erst Ende Oktober 2024 gegründet und dient als Beteiligungs- und Projektgesellschaft für den geplanten Windpark Kreuzmoor West. Entsprechend zeigt die Bilanz noch keine operativen Erträge oder Investitionen in Windenergieanlagen, sondern dokumentiert vor allem den organisatorischen Aufbau des Unternehmens.
Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember 2024 weist die Gesellschaft eine Bilanzsumme von lediglich 12.478 Euro aus. Sämtliche Vermögenswerte bestehen aus einem Guthaben bei Kreditinstituten. Sachanlagen, Grundstücke oder Beteiligungen werden noch nicht ausgewiesen. Dies verdeutlicht, dass sich das Unternehmen noch vor dem eigentlichen Projektbeginn befindet.
Auch auf der Passivseite spiegelt sich die frühe Entwicklungsphase wider. Zwar beträgt das gezeichnete Stammkapital wie bei einer GmbH üblich 25.000 Euro, tatsächlich war zum Bilanzstichtag jedoch erst die Hälfte eingezahlt. Die übrigen 12.500 Euro stehen weiterhin als ausstehende Einlagen in den Büchern. Nach Abzug des Jahresfehlbetrags verbleibt ein Eigenkapital von rund 10.000 Euro.
Gründungskosten führen zu erstem Verlust
Im ersten, nur wenige Wochen umfassenden Geschäftsjahr erwirtschaftete die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von 2.472,73 Euro. Dieser Verlust ist wenig überraschend, da in dieser Phase noch keine Umsätze erzielt werden konnten. Stattdessen entstanden Kosten für die Gründung, notarielle Leistungen, Verwaltung, Buchhaltung und die laufende Organisation der Gesellschaft. Zusätzlich wurden Rückstellungen von rund 1.400 Euro für noch nicht abgerechnete Verpflichtungen gebildet.
Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf lediglich gut 1.000 Euro und sind ausschließlich kurzfristiger Natur. Langfristige Finanzierungen oder Bankdarlehen bestehen zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Typischer Ablauf bei Windpark-Projekten
Der veröffentlichte Jahresabschluss zeigt den klassischen Lebenszyklus eines Windparkprojekts. Projektgesellschaften werden häufig bereits mehrere Jahre vor dem eigentlichen Bau gegründet. In dieser Phase werden Genehmigungen vorbereitet, Grundstückssicherungen vorgenommen, Verträge mit Flächeneigentümern geschlossen sowie technische und wirtschaftliche Planungen erstellt.
Erst wenn sämtliche Genehmigungen vorliegen und die Finanzierung gesichert ist, beginnen größere Investitionen. Dann verändern sich die Jahresabschlüsse meist deutlich: Die Bilanzsumme steigt sprunghaft an, weil Windenergieanlagen, Netzanschlüsse und weitere Infrastruktur aktiviert werden. Gleichzeitig wachsen regelmäßig auch die Bankverbindlichkeiten erheblich, da Windparks überwiegend fremdfinanziert werden.
Teil des wpd-Konzerns
Die Gesellschaft gehört zum deutschlandweit tätigen Projektentwickler wpd und wird vollständig in dessen Konzernabschluss einbezogen. Die Geschäftsführung übernehmen Dr. Gernot Blanke und Björn Nullmeyer, die innerhalb des Unternehmens seit Jahren verschiedene Windenergieprojekte verantworten.
Die Einbindung in den Konzern zeigt zugleich, dass es sich nicht um ein eigenständiges operatives Unternehmen handelt, sondern um eine speziell für dieses Projekt gegründete Gesellschaft. Solche Projektgesellschaften sind in der Windbranche üblich, da Finanzierung, Genehmigungen und wirtschaftliche Risiken projektbezogen voneinander getrennt werden.
Noch keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit des Windparks
Aus dem ersten Jahresabschluss lassen sich noch keine Rückschlüsse auf die spätere Wirtschaftlichkeit des Windparks ziehen. Weder wurden bislang Umsätze erzielt noch Investitionen in Windenergieanlagen vorgenommen. Die Bilanz dokumentiert ausschließlich die Gründungs- und Vorbereitungsphase.
Ob und wann der Windpark tatsächlich realisiert wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere die Erteilung der erforderlichen Genehmigungen, die Entwicklung der Finanzierungskosten, die Netzanschlusskapazitäten sowie der weitere Verlauf der Bauplanung.
Fest steht jedoch: Mit der Gründung der wpd Windpark Kreuzmoor West Beteiligungs GmbH hat der Projektentwickler den organisatorischen Grundstein für ein weiteres Windenergieprojekt gelegt. Die kommenden Jahresabschlüsse dürften deutlich umfangreicher ausfallen und erstmals erkennen lassen, wie weit die Umsetzung des Windparks tatsächlich fortgeschritten ist.