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Smart Glasses im Freibad: Erste Bäder ziehen Konsequenzen wegen versteckter Kameras

Beeki (CC0), Pixabay

Die klassische Sonnenbrille könnte in deutschen Freibädern bald nicht mehr selbstverständlich sein – zumindest dann nicht, wenn sie mit einer versteckten Kamera ausgestattet ist. Immer mehr Betreiber reagieren auf den Vormarsch sogenannter Smart Glasses und verschärfen ihre Badeordnungen. Hintergrund sind Datenschutzbedenken und die Sorge vor heimlichen Foto- und Videoaufnahmen.

Während Smartphones beim Fotografieren oder Filmen meist gut sichtbar in die Hand genommen werden, unterscheiden sich moderne Smart Glasses äußerlich kaum noch von gewöhnlichen Sonnenbrillen. Viele Modelle verfügen jedoch über integrierte Kameras und Mikrofone, mit denen sich Fotos, Videos oder Sprachaufnahmen nahezu unbemerkt erstellen lassen. Für andere Badegäste ist deshalb oft nicht erkennbar, ob jemand lediglich seine Brille trägt oder gerade Aufnahmen macht.

Diese Entwicklung beschäftigt inzwischen zahlreiche Freibadbetreiber. Die Stadt Potsdam will Smart Glasses künftig ausdrücklich in ihre Haus- und Badeordnung aufnehmen. Auch öffentliche Schwimmbäder in Baden-Württemberg arbeiten an entsprechenden Regelungen. Ziel ist es, den Schutz der Privatsphäre der Badegäste zu stärken und Unsicherheiten beim Personal zu vermeiden.

Besonders sensibel ist die Situation in Schwimmbädern, weil sich dort Menschen aller Altersgruppen – darunter viele Kinder und Jugendliche – in Badebekleidung aufhalten. Heimliche Aufnahmen können daher besonders schwerwiegende Folgen haben und Persönlichkeitsrechte verletzen.

In Berlin setzen die Bäderbetriebe bislang auf bestehende Vorschriften. Dort sind Foto- und Filmaufnahmen anderer Personen bereits grundsätzlich untersagt. Ob die Bilder mit einem Smartphone oder einer Kamerabrille aufgenommen werden, spielt rechtlich zunächst keine Rolle. Dennoch räumen Experten ein, dass Smart Glasses die Kontrolle deutlich erschweren.

Hinzu kommt, dass die technische Entwicklung rasant voranschreitet. Neue Generationen der Kamerabrillen bieten hochauflösende Kameras, längere Akkulaufzeiten und teilweise sogar künstliche Intelligenz zur Bildverarbeitung. Gleichzeitig werden die Geräte immer unauffälliger. Zwar verfügen viele Modelle über kleine LED-Leuchten, die eine Aufnahme anzeigen sollen, doch diese sind bei hellem Sonnenlicht oft kaum zu erkennen. Außerdem finden sich im Internet Anleitungen, wie sich solche Anzeigen manipulieren oder deaktivieren lassen.

Nicht nur Freibäder beschäftigen sich inzwischen mit dem Thema. Datenschützer gehen davon aus, dass Smart Glasses künftig auch in Fitnessstudios, Saunen, Umkleidekabinen oder anderen sensiblen Bereichen für Diskussionen sorgen könnten. Betreiber stehen vor der Herausforderung, einerseits technische Innovationen zuzulassen und andererseits die Privatsphäre ihrer Besucher zu schützen.

Auch rechtlich bleibt die Lage anspruchsvoll. Das heimliche Filmen oder Fotografieren anderer Personen kann gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht verstoßen und je nach Situation sogar strafrechtliche Konsequenzen haben. Besonders streng sind die Regeln dort, wo Menschen einen erhöhten Schutz ihrer Privatsphäre erwarten dürfen.

Eine repräsentative Umfrage zeigt, wie groß die Sorgen in der Bevölkerung bereits sind: 85 Prozent der Befragten sehen heimliche Aufnahmen in privaten oder intimen Situationen als großes gesellschaftliches Problem an. Unter Frauen liegt dieser Wert sogar bei 89 Prozent.

Für Besucher bedeutet die Entwicklung vor allem eines: Smart Glasses werden zunehmend wie Smartphones mit Kamerafunktion behandelt. Wer sie in sensiblen Bereichen nutzt, muss künftig damit rechnen, dass Betreiber Einschränkungen verhängen oder das Tragen der Geräte vollständig untersagen. Viele Experten gehen davon aus, dass sich entsprechende Regelungen in den kommenden Jahren nicht nur in Freibädern, sondern auch an vielen anderen öffentlichen Orten etablieren werden.

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