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Volkswagen: Die Titanic hatte ein Eisbergproblem – VW hatte Jahrzehnte lang ein Betriebsratsproblem

100.000 Stellen weg. Vier Werke auf der Kippe. Und die IG Metall kündigt an, den Kahlschlag „mit aller Macht“ verhindern zu wollen.

Da stellt sich spontan eine Frage:

Wo war diese „aller Macht“, als Volkswagen noch Geld verdiente wie eine Gelddruckmaschine und jeder sehen konnte, dass der Laden langsam aber sicher gegen die Wand fuhr?

Willkommen im Selbstbedienungsparadies Wolfsburg

Volkswagen war über viele Jahre das wahrscheinlich größte All-inclusive-Hotel Deutschlands.

Für jeden gab es etwas.

Der Vorstand bekam Boni.

Die Politik bekam Arbeitsplätze.

Die IG Metall bekam Tarifabschlüsse.

Der Betriebsrat bekam Einfluss.

Und die Rechnung?

Die schickte man einfach nach China.

Dort verdiente Volkswagen Milliarden. So viele Milliarden, dass man in Wolfsburg irgendwann glaubte, Geld wachse zwischen Golf und Passat direkt vom Band.

Reformen? Wozu denn?

Andere Hersteller fragten sich:

„Wie werden wir effizienter?“

Volkswagen fragte:

„Passt noch jemand zusätzlich auf die Liste der Beschäftigten?“

Während weltweit Fabriken modernisiert wurden, entwickelte sich Wolfsburg zur größten Wohlfühlzone der deutschen Industrie.

Probleme wurden nicht gelöst.

Sie wurden vertagt.

Am besten bis nach der nächsten Tarifrunde.

Die IG Metall als Werksfeuerwehr…

…die allerdings immer erst erschien, wenn das Gebäude bereits komplett in Flammen stand.

Heute heißt es:

„Die Werksschließungen werden wir verhindern!“

Das klingt ungefähr so glaubwürdig wie ein Kapitän, der kurz nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg erklärt:

„Keine Sorge – wir lassen das Schiff jetzt nicht sinken.“

Das Elektroauto ist schuld?

Natürlich.

Und vermutlich auch der Klimawandel.

Und die Chinesen.

Und Donald Trump.

Und der Mond.

Nur bloß nicht die Tatsache, dass Volkswagen jahrzehntelang glaubte, Wirtschaft funktioniere dauerhaft nach dem Motto:

Mehr Personal + höhere Kosten + weniger Wettbewerb = irgendwie wird das schon.

China war der Geldautomat

Jedes Mal, wenn irgendwo in Deutschland die Kosten explodierten, reichte ein Blick nach China.

„Dort verdienen wir das schon wieder.“

Leider hatten die Chinesen irgendwann eine völlig verrückte Idee:

Sie bauten plötzlich selbst Autos.

Und das auch noch ziemlich gute.

Frechheit.

Niedersachsen spielte den Dauerfan

Das Land Niedersachsen sitzt mit am Tisch, ist Großaktionär und gleichzeitig politische Schutzmacht.

Das Ergebnis:

Wenn wirtschaftliche Vernunft auf politische Interessen traf, gewann erstaunlich oft die nächste Landtagswahl.

Und jetzt?

Jetzt sollen plötzlich Werke schließen.

Plötzlich muss gespart werden.

Plötzlich entdeckt jeder das Wort „Wettbewerbsfähigkeit“.

Ein Begriff, der bei Volkswagen ungefähr so beliebt war wie Diätpläne auf einem Grillfest.

Fazit

Volkswagen ist nicht wegen des Elektroautos in Schwierigkeiten geraten.

Das Elektroauto hat lediglich das Licht angemacht.

Und plötzlich sah man, was jahrzehntelang im Halbdunkel verborgen geblieben war.

Ein Konzern, in dem viele hervorragend organisiert waren.

Nur leider nicht die Zukunft.

Oder anders formuliert:

Während andere Autohersteller längst das Navi Richtung Zukunft eingeschaltet hatten, diskutierte man in Wolfsburg noch darüber, wer eigentlich die Klimaanlage im Besprechungsraum bezahlt.

Die eigentliche Tragödie:

Diejenigen, die den Laden am Laufen halten, müssen jetzt die Rechnung bezahlen.

Und diejenigen, die jahrzehntelang am reich gedeckten Tisch saßen, erklären heute, sie hätten von all dem leider überhaupt nichts kommen sehen.

Manchmal ist Satire eben gar nicht nötig.

Man muss die Geschichte von Volkswagen einfach nur erzählen.

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