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Englands Fußball-Rätsel bleibt ungelöst: Ghana mauert, Kane vergibt, Tuchel sucht Antworten

Es gibt Spiele, die bleiben wegen spektakulärer Tore in Erinnerung. Und dann gibt es England gegen Ghana.

0:0.

Neunzig Minuten Fußball, unzählige Ballkontakte der Engländer, jede Menge taktische Besprechungen – und am Ende steht auf der Anzeigetafel exakt das, was Ghana von der ersten Minute an geplant hatte: nichts.

Die Afrikaner kamen mit einem klaren Auftrag ins Stadion von Houston. Verteidigen. Verdichten. Räume schließen. Nerven. Und genau das machten sie mit beeindruckender Konsequenz.

England wiederum wirkte über weite Strecken wie ein Autofahrer, der vor einer geschlossenen Schranke steht und darauf wartet, dass sie sich von allein öffnet.

Die Three Lions hatten den Ball, Ghana hatte den Plan.

Besonders erstaunlich: Trotz ihres gewaltigen Ballbesitzvorteils brachte die Mannschaft von Thomas Tuchel in der ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss zustande. Keinen. Null. Niente.

Das muss man bei der Qualität dieses Kaders erst einmal schaffen.

Natürlich versuchte England nach der Pause mehr Druck aufzubauen. Phasenweise wurde das Spiel schneller, direkter und gefährlicher. Doch wirklich zwingend wurde es nur selten. Ghana verteidigte leidenschaftlich, körperbetont und mit einer Disziplin, die manch europäische Spitzenmannschaft neidisch machen dürfte.

Je länger die Partie dauerte, desto größer wurde die Ungeduld auf den Rängen. Und desto mehr schien sich die Frage aufzudrängen: Wer wird hier eigentlich nervöser?

Die Antwort hätte beinahe Harry Kane gegeben.

Als der Bayern-Stürmer in der 87. Minute aus kurzer Distanz zum Abschluss kam, hielten viele englische Fans bereits den Jubel bereit. Doch statt des erlösenden Siegtreffers segelte der Ball über das Tor.

Manchmal fasst eine Szene einen ganzen Abend zusammen.

Für Ghana fühlt sich dieses 0:0 fast wie ein Sieg an. Die Afrikaner haben dem Favoriten nicht nur einen Punkt abgenommen, sondern auch gezeigt, dass Organisation, Kampfgeist und taktische Disziplin bei dieser Weltmeisterschaft weiterhin eine große Rolle spielen.

Für England bleiben dagegen einige Fragezeichen. Natürlich stehen die Three Lions weiterhin hervorragend da und werden gemeinsam mit Ghana als Tabellenführer beziehungsweise Zweiter in den letzten Spieltag gehen. Eine Krise ist das nicht.

Aber ein Warnsignal schon.

Denn spätestens in der K.-o.-Phase wird man Gegner nicht allein durch Ballbesitz beeindrucken können. Dort braucht es Ideen, Tempo, Kreativität und die Fähigkeit, defensive Bollwerke zu knacken.

Genau daran mangelte es England an diesem Abend in Houston.

Thomas Tuchel dürfte daher trotz des Punktgewinns deutlich weniger zufrieden sein als sein ghanaischer Kollege. Während die Black Stars ihren Matchplan nahezu perfekt umsetzten, wirkte England wie eine Mannschaft, die noch nach dem richtigen Schlüssel für dieses Turnier sucht.

Und manchmal ist die Suche nach Lösungen deutlich anstrengender als ein spektakulärer Sieg.

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