Langsam entwickelt sich die Gruppe G zur offiziellen Remis-Liga dieser Weltmeisterschaft. Auch im Duell zwischen Belgien und dem Iran gab es keinen Sieger. Nach 90 intensiven Minuten stand in Los Angeles ein 0:0 auf der Anzeigetafel – und irgendwie passte dieses Ergebnis perfekt zu einer Gruppe, in der offenbar niemand verlieren, aber bislang auch niemand gewinnen möchte.
Dabei war es keineswegs ein langweiliges torloses Unentschieden. Die Belgier hatten über weite Strecken etwas mehr Ballbesitz und wirkten nach einer eher zähen ersten Halbzeit deutlich aktiver. Die Roten Teufel fanden nach der Pause endlich Wege durch die iranische Defensive und kamen zu einigen ordentlichen Abschlüssen. Wer allerdings nur auf die Anzahl der Chancen schaut, übersieht die eigentliche Geschichte des Spiels.
Denn die wirklich großen Momente gehörten dem Iran. Team Melli war immer dann gefährlich, wenn es schnell umschaltete. Ein Treffer wurde nur hauchdünn wegen einer Abseitsstellung einkassiert, und wenig später lag sogar die Führung in der Luft. Mehdi Taremi war auf dem Weg allein Richtung Tor, ehe ihn Ngoy nur noch mit einer Notbremse stoppen konnte. Die Konsequenz: Rote Karte und fast eine halbe Stunde Unterzahl für Belgien.
Spätestens da schien das Spiel in Richtung Iran zu kippen. Doch genau in dieser Phase zeigte sich, warum Thibaut Courtois noch immer zu den besten Torhütern der Welt gehört. Der belgische Schlussmann rettete seine Mannschaft mehrfach mit starken Paraden und hielt den Punkt fest. Auf der anderen Seite fehlte den Iranern trotz Überzahl letztlich die letzte Konsequenz, um den entscheidenden Treffer zu erzwingen.
Am Ende dürften beide Mannschaften mit gemischten Gefühlen vom Platz gegangen sein. Belgien wird sich darüber ärgern, nach der Roten Karte kaum noch Entlastung gefunden zu haben. Der Iran wiederum wird sich fragen, wie man aus einer so günstigen Ausgangslage keinen Sieg machen konnte.
Für die Tabelle bedeutet das vor allem eines: Das große Rechnen geht weiter. In Gruppe G bleibt alles offen, jeder kann noch weiterkommen und jeder kann noch ausscheiden. Fußball-Romantiker lieben solche Konstellationen, Nervenkünstler eher weniger.
Eure Wanise sagt: Wer dieses Spiel gesehen hat, weiß, dass ein 0:0 manchmal deutlich mehr Drama enthalten kann als manches 4:3. Courtois rettet Belgien, der Iran verpasst die große Chance – und die Gruppe G bleibt das spannendste Rätsel dieser WM.