Die diesjährige Fête de la Musique in Leipzig ist von schweren Ausschreitungen überschattet worden. Während tagsüber tausende Besucher friedlich bei Konzerten und Straßenveranstaltungen feierten, kam es am späten Abend im Stadtteil Connewitz zu gewaltsamen Vorfällen, die nun Ermittlungen der Polizei nach sich ziehen.
Nach Angaben der Polizei errichteten rund 100 Personen im Verlauf des Abends mehrere Barrikaden auf Straßen im Stadtteil und setzten diese in Brand. Die Einsatzkräfte wurden daraufhin alarmiert, um die Situation unter Kontrolle zu bringen und Gefahren für Anwohner sowie Verkehrsteilnehmer abzuwenden.
Im weiteren Verlauf der Ereignisse eskalierte die Lage offenbar noch stärker. Eine Gruppe von etwa 30 Personen zog nach Polizeiangaben zum nahegelegenen Polizeiposten und bewarf das Gebäude mit Steinen. Durch die Angriffe wurden nicht nur Polizeieinrichtungen beschädigt. Auch eine benachbarte Arztpraxis sowie ein abgestellter Transporter erlitten Sachschäden.
Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen offenbar niemand. Die genaue Höhe des entstandenen Schadens ist bislang nicht bekannt. Spezialisten der Kriminalpolizei sichern derzeit Spuren und werten vorhandenes Bildmaterial aus.
Erneut Spannungen im Stadtteil Connewitz
Die Vorfälle rücken erneut den Leipziger Stadtteil Connewitz in den Fokus. Der Stadtteil gilt seit Jahrzehnten als Zentrum alternativer und linksautonomer Szenen. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die große Mehrheit der Bewohner und Besucher distanziert sich jedoch regelmäßig von Gewaltaktionen.
Gerade bei größeren Veranstaltungen oder politischen Anlässen registrieren Sicherheitsbehörden immer wieder das Auftreten kleiner gewaltbereiter Gruppen, die versuchen, die Situation für Angriffe auf staatliche Einrichtungen oder Sachbeschädigungen zu nutzen.
Fête de la Musique eigentlich ein Fest der Musik
Besonders bitter ist der Vorfall für die Veranstalter der Fête de la Musique. Das ursprünglich aus Frankreich stammende Musikfestival steht weltweit für kulturellen Austausch, kostenlose Konzerte und ein friedliches Miteinander im öffentlichen Raum. Jedes Jahr beteiligen sich Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster Stilrichtungen an den Feierlichkeiten.
Auch in Leipzig zog die Veranstaltung zahlreiche Besucher an und verlief über viele Stunden hinweg weitgehend störungsfrei. Erst in den späten Abendstunden kam es zu den gewaltsamen Ausschreitungen.
Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs
Die Ermittler haben inzwischen Verfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs eingeleitet. Dieser Straftatbestand kommt regelmäßig bei Gewalttaten aus Menschenmengen heraus zur Anwendung und kann mit empfindlichen Freiheitsstrafen geahndet werden.
Die Polizei prüft nun, ob einzelne Tatverdächtige anhand von Videoaufnahmen, Zeugenaussagen oder anderen Beweismitteln identifiziert werden können. Auch mögliche Zusammenhänge mit bekannten gewaltbereiten Gruppierungen werden untersucht.
Diskussion über Sicherheit bei Großveranstaltungen
Die Ausschreitungen dürften erneut eine Debatte über Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen auslösen. Während viele Besucher die Fête de la Musique als friedliches Kulturfest erleben, zeigen die Ereignisse in Connewitz, dass einzelne Gruppen solche Veranstaltungen nutzen können, um gezielt Konfrontationen zu suchen.
Für die Stadt Leipzig und die Sicherheitsbehörden wird nun die Aufarbeitung der Vorfälle im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig dürfte das Ziel bleiben, die Fête de la Musique auch künftig als offenes und friedliches Musikfestival zu erhalten, ohne dass gewalttätige Ausschreitungen das Bild der Veranstaltung prägen.