Wenn die Niederlande Fußball spielen wie heute in Houston, dann sollten sich einige Titelkandidaten schon einmal warm anziehen. Das 5:1 gegen Schweden war nicht nur ein Sieg, sondern eine klare Ansage an den Rest der Weltmeisterschaft.
Dabei erzählt das Ergebnis nur die halbe Geschichte. Wer lediglich auf die Anzeigetafel schaut, könnte meinen, Oranje hätte die Schweden nach Belieben dominiert. Ganz so einfach war es allerdings nicht. Die Skandinavier spielten mutig mit, kamen immer wieder zu Chancen und hätten durchaus mehr als nur einen Treffer erzielen können. Das Problem aus schwedischer Sicht: Im niederländischen Tor stand Bart Verbruggen.
Der Keeper entwickelte sich über weite Strecken zum Albtraum der Schweden. Egal ob aus der Distanz, nach schnellen Kombinationen oder im Eins-gegen-eins – immer wieder war eine orangefarbene Hand, ein Bein oder gleich der ganze Torhüter im Weg. Während Schweden Chancen vergab, zeigte sich die Elf von Ronald Koeman vor dem gegnerischen Tor gnadenlos.
Und genau das macht große Turniermannschaften aus.
Besonders beeindruckend war heute das Gespür des Bondscoachs. Brian Brobbey rückte in die Startelf und zahlte das Vertrauen zurück. Noch besser lief es für Joker Crysencio Summerville, der nach seiner Einwechslung sofort frischen Wind in die Partie brachte. Manchmal wirkt Coaching wie Wissenschaft – heute sah es eher nach Zauberei aus.
Natürlich sollte sich Oranje von diesem Kantersieg nicht blenden lassen. Defensiv offenbarte die Mannschaft durchaus Schwächen. Gegen einen Gegner mit noch mehr individueller Qualität könnten die zahlreichen zugelassenen Chancen schnell zum Problem werden. Dass Schweden am Ende nur einmal traf, lag mindestens genauso sehr an Verbruggen wie an der niederländischen Abwehrarbeit.
Trotzdem überwiegen klar die positiven Erkenntnisse. Fünf Tore bei einer Weltmeisterschaft schießt man nicht zufällig. Die Offensive wirkt flexibel, schnell und enorm effizient. Dazu kommt eine Mannschaft, die Selbstvertrauen ausstrahlt und genau weiß, wann sie zuschlagen muss.
Mit sechs Punkten übernimmt die Niederlande verdient die Spitze der Gruppe F und hat beste Karten auf den Gruppensieg. Japan kann zwar noch nachziehen, doch die Konkurrenz dürfte den heutigen Auftritt aufmerksam registriert haben.
Noch ist es zu früh, Oranje zum Weltmeister zu erklären. Aber eines steht nach diesem Abend fest: Wer den Titel gewinnen will, wird an den Niederlanden nur schwer vorbeikommen.
Ihre Wanise