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Wanise meint: Undav rettet Deutschland – schön war’s nicht, aber bei einer WM fragt danach keiner mehr

Manchmal sind Fußballspiele wie ein Zahnarztbesuch: Man weiß, dass man durch muss, es tut zwischendurch weh und am Ende ist man einfach froh, dass es vorbei ist. Genau so fühlte sich Deutschlands 2:1 gegen die Elfenbeinküste an.

Wer gedacht hatte, die DFB-Elf würde nach dem Auftaktsieg gegen Curaçao locker durch die Gruppenphase spazieren, bekam in Toronto eine kleine Portion WM-Realität serviert. Die Ivorer zeigten von Beginn an, dass sie nicht nur als Statisten angereist sind. Deutschland hatte zwar mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile und eigentlich auch mehr Chancen – aber auf der Anzeigetafel stand plötzlich trotzdem ein 0:1. Typisch Fußball, typisch WM.

Besonders bitter: Gleich zweimal durfte Deutschland in der ersten Halbzeit jubeln – und zweimal machte der Schiedsrichter den Partycrasher. Erst Pavlović, dann Havertz. Beide Treffer kassiert. Offensivfoul. Regeltechnisch korrekt, emotional natürlich unerquicklich.

Währenddessen machte Franck Kessié auf der anderen Seite das, was erfahrene Mittelfeldspieler eben machen: Er stand goldrichtig und schob zur Führung für die Elfenbeinküste ein. Plötzlich wurde aus dem vermeintlichen Pflichtprogramm ein echter Härtetest.

Und genau solche Spiele entscheiden oft darüber, wie weit eine Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft kommt.

Denn nach dem Seitenwechsel lief längst nicht alles rund. Deutschland wirkte phasenweise ideenlos, behäbig und ein wenig überrascht davon, dass der Gegner tatsächlich mitspielen wollte. Erst die Wechsel brachten Leben in die Partie. Julian Nagelsmann bewies dabei ein gutes Händchen – und Deniz Undav zahlte das Vertrauen zurück.

Der Stuttgarter macht derzeit genau das, was jeder Trainer von einem Joker erwartet: Er kommt rein und liefert. Erst drückte er Amiris Hereingabe zum Ausgleich über die Linie. Und als sich viele Zuschauer bereits mit einem Unentschieden abgefunden hatten, schlug Deutschland noch einmal zu.

Die Szene des Spiels gehörte dabei fast Nmecha. Während alle auf eine Flanke warteten, spielte er einen messerscharfen Flachpass in die Gefahrenzone. Dort lauerte natürlich Undav. Wo sonst? Der Angreifer vollendete eiskalt und verwandelte Toronto in eine kleine deutsche Partyzone.

War das überzeugend? Nein.

War das souverän? Ganz sicher nicht.

War es wichtig? Absolut.

Denn Weltmeisterschaften werden selten von Mannschaften gewonnen, die jede Partie mit Glanz und Gloria dominieren. Oft sind es genau diese zähen Spiele, in denen Charakter, Geduld und Nervenstärke gefragt sind. Deutschland hat diesmal nicht geglänzt – aber gewonnen.

Und das ist bei einer WM oft die wichtigste Eigenschaft.

Jetzt wartet Ecuador. Und wenn die deutsche Mannschaft aus diesem Abend etwas mitnimmt, dann hoffentlich die Erkenntnis, dass der Weg zum Titel nicht über Schönspielerei führt, sondern manchmal über einen Joker namens Deniz Undav, der in der 94. Minute einfach dort steht, wo ein Torjäger stehen muss.

Deutschland ist im Sechzehntelfinale. Der Rest ist fürs Erste Nebensache.

Ihre Wanise ⚽🇩🇪

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