Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat eine aktuelle Untersuchung zum Kundennutzen von Lebensversicherungen mit Kapitalanlagecharakter veröffentlicht. Im Fokus standen fondsgebundene und hybride Versicherungsanlageprodukte (VAP), die sowohl der Altersvorsorge als auch dem Vermögensaufbau dienen. Die Ergebnisse zeigen eine positive Entwicklung bei den Kosten vieler Produkte – zugleich sieht die Aufsicht weiterhin Verbesserungspotenzial.
Effektivkosten deutlich gesunken
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die sogenannten Effektivkosten. Diese Kennzahl zeigt, um wie viel die jährliche Rendite eines Versicherungsanlageprodukts durch Kosten reduziert wird. Je höher die Effektivkosten ausfallen, desto geringer fällt langfristig das Vermögen des Versicherungsnehmers aus.
Nach Angaben der BaFin sind die Effektivkosten vieler fondsgebundener und hybrider Produkte seit der letzten Untersuchung im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen. Besonders im teuersten Viertel des Marktes sanken die Kosten bei Produkten mit einer typischen Laufzeit von 30 Jahren um mehr als 0,4 Prozentpunkte auf durchschnittlich 1,9 Prozent jährlich.
Kostengünstige Fonds gewinnen an Bedeutung
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt nach Einschätzung der Aufsicht in der stärkeren Nutzung kostengünstiger Anlageformen. Immer mehr Versicherer setzen bei ihren Produkten auf Indexfonds oder andere preiswerte Investmentlösungen.
Diese Entwicklung kommt den Kunden unmittelbar zugute. Bereits geringe Kostenunterschiede können über mehrere Jahrzehnte hinweg erhebliche Auswirkungen auf die spätere Ablaufleistung oder Rentenhöhe haben.
Teure Produkte weiterhin am Markt
Trotz der positiven Entwicklung sieht die BaFin weiterhin Handlungsbedarf. Einzelne Produkte weisen nach wie vor Effektivkosten von mehr als drei Prozent pro Jahr auf. Solche Kostenbelastungen können die Renditechancen langfristig erheblich schmälern.
Zudem stellte die Aufsicht fest, dass bei klassischen Lebensversicherungsprodukten die Kosten in den vergangenen Jahren kaum gesunken sind.
Zusammenhang zwischen Kosten und Rendite
Die Untersuchung bestätigt außerdem einen Zusammenhang zwischen hohen Kosten und geringeren Renditechancen. Fondsgebundene Produkte mit hohen Effektivkosten erzielten tendenziell niedrigere Renditen nach Kosten als vergleichbare günstigere Produkte.
Aus Sicht der BaFin erhöht eine hohe Kostenbelastung damit das Risiko, dass Kunden ihre langfristigen Spar- und Vorsorgeziele nicht erreichen.
Erstmals Blick auf die Rentenphase
Erstmals hat die Finanzaufsicht auch Daten zum Kundennutzen während der Rentenbezugsphase erhoben. Damit erweitert die Behörde ihre Analyse über die reine Ansparphase hinaus.
Die Ergebnisse sollen künftig helfen, besser beurteilen zu können, ob Versicherungsnehmer auch nach Rentenbeginn einen angemessenen Gegenwert für ihre eingezahlten Beiträge erhalten.
BaFin will Markt weiter beobachten
Die Untersuchung unterstreicht die zunehmende Bedeutung des Kundennutzens in der Versicherungsaufsicht. Versicherungsanlageprodukte müssen nicht nur rechtlich korrekt ausgestaltet sein, sondern den Kunden auch einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Mehrwert bieten.
Die BaFin kündigte an, die Entwicklung der Kostenstrukturen und des Kundennutzens weiterhin intensiv zu beobachten. Ziel sei es, sicherzustellen, dass Versicherungsnehmer langfristig von fairen, transparenten und wirtschaftlich sinnvollen Produkten profitieren.
Fazit
Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass viele Lebensversicherer in den vergangenen Jahren auf die Kritik an hohen Kosten reagiert haben. Insbesondere fondsgebundene und hybride Policen sind für Verbraucher vielfach günstiger geworden. Dennoch existieren weiterhin Produkte mit hohen Kostenquoten, die die Renditechancen erheblich beeinträchtigen können. Für Verbraucher bleibt daher ein genauer Blick auf die Effektivkosten eines Vertrags ein entscheidender Faktor bei der Auswahl einer geeigneten Altersvorsorge.