Frankreich ist mit einem Sieg in diese Weltmeisterschaft gestartet – und wie so oft bei den Bleus war das Ergebnis am Ende deutlicher als der Weg dorthin. Das 3:1 gegen Senegal liest sich nach einer klaren Angelegenheit, tatsächlich mussten die Vizeweltmeister aber lange arbeiten, ehe sie ihre individuelle Klasse auf den Rasen zauberten.
Senegal zeigte von Beginn an, warum afrikanische Mannschaften bei großen Turnieren längst keine Außenseiter mehr sind. Mutig, laufstark und taktisch diszipliniert hielten die Löwen von Teranga dagegen. Phasenweise wirkten sie nach der Pause sogar frischer und zielstrebiger als die Franzosen. Wer nur auf die Namen der beiden Mannschaften schaute, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben.
Doch genau hier liegt der Unterschied zwischen guten Mannschaften und Titelkandidaten. Frankreich braucht manchmal nur wenige Minuten, um ein Spiel komplett auf den Kopf zu stellen. Rund eine Stunde lang war vieles ausgeglichen, dann legte Les Bleus den Schalter um. Plötzlich wurde jeder Angriff gefährlich, jeder Tempolauf sorgte für Panik in der gegnerischen Abwehr.
Natürlich war es Kylian Mbappé, der dabei im Mittelpunkt stand. Zunächst wurde ihm ein Elfmeter verwehrt, doch davon ließ sich der Superstar nicht beeindrucken. Nach einer herrlichen Vorarbeit von Michael Olise traf er zur Führung und brachte das Stadion zum Beben. Das war der Moment, in dem man spürte: Jetzt übernimmt Frankreich die Kontrolle.
Während Senegal noch nach Antworten suchte, kam mit Bradley Barcola frischer Schwung von der Bank. Kaum auf dem Feld, traf er mit seinem zweiten Ballkontakt zum 2:0. Solche Luxusprobleme haben eben nur die ganz großen Nationen. Wenn ein hochbegabter Offensivspieler eingewechselt wird und sofort liefert, dann spricht das für die enorme Qualität im Kader.
Doch Respekt an Senegal: Die Mannschaft gab sich nie auf. In der Nachspielzeit sorgte Mbaye mit dem Anschlusstreffer sogar noch einmal für einen kurzen Moment der Spannung. Für wenige Sekunden keimte die Hoffnung auf, dass hier vielleicht doch noch ein WM-Wunder entstehen könnte.
Doch Hoffnung gegen Mbappé ist oft nur eine sehr kurzfristige Angelegenheit. Praktisch im Gegenzug setzte Frankreichs Superstar den Schlusspunkt mit einem sehenswerten Treffer zum 3:1. Ende der Diskussion, Ende der Spannung, Ende aller Zweifel.
Was bleibt? Frankreich hat gewonnen, aber nicht spazierend. Senegal hat verloren, aber keineswegs enttäuscht. Die Afrikaner haben gezeigt, dass sie in dieser Gruppe noch eine wichtige Rolle spielen können. Frankreich wiederum hat unter Beweis gestellt, warum viele Experten die Mannschaft erneut zu den Topfavoriten zählen.
Denn Titelkandidaten erkennt man nicht daran, dass sie jeden Gegner überrollen. Man erkennt sie daran, dass sie enge Spiele gewinnen, wenn die großen Momente kommen. Und genau das haben die Franzosen getan.
Ihr Wanise