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Wanise‘ WM-Kolumne: Österreichs Warnschuss vor Argentinien – Sieg ja, Glanz nein

Drei Punkte sind auf dem Konto. Der Auftakt ist gelungen. Und trotzdem dürfte im österreichischen Lager niemand so richtig zufrieden nach Hause gegangen sein.

Das 3:1 gegen WM-Neuling Jordanien liest sich auf dem Papier souverän. Wer die Partie jedoch verfolgt hat, weiß: Die Alpenrepublik ist an diesem Abend nur knapp an einer unangenehmen Überraschung vorbeigeschrammt.

Eigentlich sollte dieses Spiel ein entspannter WM-Start werden. Ein Pflichtsieg gegen einen Debütanten auf der großen Fußballbühne. Doch Jordanien hatte offenbar andere Pläne.

Von der ersten Minute an spielten die Außenseiter mutig, aggressiv und mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Die Jordanier liefen früh an, gewannen viele Zweikämpfe und wirkten in den entscheidenden Szenen oft sogar gefährlicher als die Mannschaft von Ralf Rangnick. Während Österreich nach Rhythmus suchte, spielte Jordanien frei auf und stellte die rot-weiß-rote Defensive immer wieder vor Probleme.

Dass Österreich dennoch mit einer Führung in die Halbzeit ging, lag vor allem an einem Mann: Romano Schmid. Sein Traumtor war einer dieser Momente, die ein Spiel komplett verändern können. Plötzlich führte die Mannschaft, die eigentlich nicht die bessere war.

Doch die Führung änderte zunächst wenig am Spielbild.

Nach der Pause machte Jordanien genau dort weiter, wo es aufgehört hatte. Mutig, engagiert und mit dem festen Glauben an die eigene Chance. Der Ausgleich war die logische Konsequenz einer starken Leistung des WM-Neulings und gleichzeitig ein Weckruf für die Österreicher.

Dann kam die entscheidende Phase des Spiels.

Ralf Rangnick griff tief in seine Trickkiste und brachte gleich drei neue Spieler. Es war der Moment, der die Partie kippte. Plötzlich wirkte Österreich deutlich frischer, dynamischer und zielstrebiger. Die Passwege wurden sauberer, die Laufwege präziser und die Kontrolle über das Spiel kehrte zurück.

Manchmal braucht eine Mannschaft eben einen kleinen Schock, um ihr wahres Potenzial abzurufen.

Das Eigentor der Jordanier brachte schließlich die erneute Führung. Bitter für den Außenseiter, der bis dahin mehr als ordentlich mitgehalten hatte. Als Marko Arnautović kurz vor Schluss zum 3:1 traf, war die Entscheidung gefallen.

Der Endstand klingt deutlich. Der Spielverlauf war es nicht.

Jordanien hat bei seinem WM-Debüt einen starken Eindruck hinterlassen. Die Mannschaft spielte über weite Strecken mutiger und besser als viele erwartet hatten. Mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit wäre sogar eine Überraschung möglich gewesen.

Österreich hingegen darf sich über die drei Punkte freuen, muss aber gleichzeitig ehrlich mit sich selbst sein. Gegen Argentinien wird eine Leistung wie in der ersten Stunde des Spiels kaum reichen. Dort wartet nicht Jordanien, sondern Lionel Messi und eine Mannschaft, die Fehler gnadenlos bestraft.

Mein Fazit: Österreich hat das Ergebnis geliefert, aber noch nicht die Leistung eines Titelkandidaten gezeigt. Die Wechsel von Rangnick retteten den Abend, doch gegen die Albiceleste braucht es deutlich mehr Stabilität, mehr Kreativität und vor allem mehr Konsequenz.

Die gute Nachricht für Österreich: Drei Punkte kann ihnen niemand mehr nehmen.

Die schlechte Nachricht: Argentinien hat ganz genau zugeschaut.

Ihr Wanise

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