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Rekordpreise für Holz: Gewinner im Wald, Sorgen in den Sägewerken

MolnarSzabolcsErdely (CC0), Pixabay

Die Holzpreise in Deutschland haben ein neues Rekordniveau erreicht. Vor allem Besitzer von Wäldern profitieren derzeit von der außergewöhnlichen Marktlage. Gleichzeitig geraten jedoch viele Sägewerke und Holzverarbeiter zunehmend unter Druck. Denn während Rohholz immer teurer wird, schwächelt ausgerechnet die Bauwirtschaft – einer der wichtigsten Abnehmer der Branche.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung derzeit in Bayern. Dort sind die Preise für Kiefer und Fichte laut Experten so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Für private Waldbesitzer bedeutet das kurzfristig hohe Einnahmen.

Der Holzhändler Thomas Göttel aus dem mittelfränkischen Buch am Wald nutzt die Situation intensiv aus. Nach eigenen Angaben schlägt er derzeit etwa doppelt so viel Holz wie üblich. Die Preise seien „phänomenal“, erklärt der Nebenerwerbs-Waldbesitzer. Viele andere Waldeigentümer dürften ähnlich handeln.

Auch das Statistische Bundesamt bestätigt den Trend: Die Rohholzpreise für Fichte und Kiefer haben historische Höchststände erreicht.

Was für Waldbesitzer zunächst wie ein wirtschaftlicher Glücksfall wirkt, entwickelt sich für viele Holzverarbeiter jedoch zunehmend zum Problem. Sägewerke müssen die hohen Einkaufspreise zahlen, obwohl sie diese Kosten oft nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können.

Besonders betroffen sind große Holzverarbeiter wie die Rettenmeier GmbH im mittelfränkischen Wilburgstetten. Dort kämpfen die Verantwortlichen nicht nur mit steigenden Rohstoffpreisen, sondern zusätzlich mit höheren Energie-, Transport- und Dieselkosten.

Die wirtschaftliche Lage wird zusätzlich durch die schwache Baukonjunktur verschärft. Hohe Bauzinsen und steigende Finanzierungskosten bremsen den Wohnungsbau in Deutschland, aber auch in wichtigen Auslandsmärkten wie den USA. Viele Bauprojekte werden verschoben oder ganz gestrichen.

Das bringt die Branche in eine schwierige Situation: Die Produktionskosten steigen, gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Holzprodukten. Besonders Sägewerke geraten dadurch zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.

Experten warnen deshalb davor, die hohen Holzpreise nur als positives Signal zu sehen. Professor Hubert Röder von der Hochschule Hochschule Weihenstephan-Triesdorf empfiehlt privaten Waldbesitzern zwar ausdrücklich, die hohen Preise aktuell zu nutzen – allerdings nicht für kurzfristigen Konsum.

Das Geld sollte nach seiner Einschätzung direkt wieder in die Wälder investiert werden, insbesondere in den dringend notwendigen Waldumbau. Ziel sei es, widerstandsfähigere Mischwälder aufzubauen und die Artenvielfalt zu erhöhen.

Denn über der gesamten Branche schwebt weiterhin die Angst vor dem Borkenkäfer. In den vergangenen Jahren hat der Schädling bereits massive Waldschäden angerichtet – vor allem in Teilen von North Rhine-Westphalia, Saxony-Anhalt und anderen Regionen Deutschlands.

Zwar blieben viele Wälder in Bayern bislang vergleichsweise verschont, doch Experten warnen vor einer weiteren Ausbreitung. Besonders Monokulturen mit großen Fichtenbeständen gelten als anfällig für Trockenheit und Schädlingsbefall.

Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und Extremwetter setzen die Wälder zunehmend unter Stress. Der Umbau zu klimaresistenteren Mischwäldern gilt deshalb als zentrale Zukunftsaufgabe der Forstwirtschaft.

Gleichzeitig wächst die politische Debatte über die Rolle von Holz als nachhaltigem Baustoff. Viele Experten sehen in Holz einen wichtigen Schlüssel für klimafreundlicheres Bauen. Im Vergleich zu Beton oder Stahl verursacht Holz deutlich weniger CO₂-Emissionen und bindet gleichzeitig Kohlenstoff.

Doch die schwache Baukonjunktur bremst derzeit auch diese Entwicklung aus. Vertreter der Holzbranche fordern deshalb mehr politische Unterstützung, um den Einsatz von Holz im Bauwesen stärker zu fördern.

Für die Forstwirtschaft bleibt die aktuelle Situation deshalb ambivalent: Hohe Rohstoffpreise sorgen kurzfristig für gute Einnahmen, gleichzeitig steigen jedoch die Risiken für die gesamte Wertschöpfungskette.

Langfristig profitieren laut Experten letztlich nur alle Beteiligten von stabilen Märkten, gesunden Wäldern und einer nachhaltig aufgestellten Holzindustrie. Ob die Branche diese Balance in Zeiten von Klimawandel, Baukrise und globalen Unsicherheiten halten kann, bleibt allerdings offen.

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