Dark Mode Light Mode

Concentra 2025: Solide Substanzwerte, aber deutliche Underperformance gegenüber dem DAX

geralt (CC0), Pixabay

Der Jahresbericht des Fonds „Concentra“ von Allianz Global Investors zeigt aus Anlegersicht ein gemischtes Bild: Einerseits verfügt der Fonds über ein qualitativ hochwertiges Portfolio mit führenden deutschen Industrie- und Technologiewerten, andererseits blieb die Wertentwicklung 2025 massiv hinter dem Vergleichsindex DAX zurück.

1. Deutliche Schwäche gegenüber dem Markt

Die wichtigste Erkenntnis für Anleger ist die klare Underperformance:

Concentra A (EUR): +4,59 %
DAX Vergleichsindex: +25,96 %

Damit blieb der Fonds mehr als 21 Prozentpunkte hinter dem Markt zurück. Für einen aktiv gemanagten Aktienfonds ist dies kritisch, da Anleger eine Mehrrendite gegenüber dem Index erwarten – insbesondere bei relativ hohen Gebühren.

Die Fondsleitung nennt mehrere Ursachen:

Fehlentscheidungen bei Einzeltiteln in Industrie- und Finanzwerten
Zu hohe Gewichtung im IT-Sektor
Untergewichtung von Energieunternehmen

Gerade 2025 profitierten viele europäische Energie-, Rüstungs- und Finanzwerte stark vom Marktumfeld. Der Fonds war dort teilweise nicht optimal positioniert.

2. Hoch konzentriertes Qualitätsportfolio

Trotz der schwachen relativen Performance besteht das Portfolio aus vielen qualitativ starken Unternehmen. Die größten Positionen waren unter anderem:

SAP
Siemens
Münchener Rück
Deutsche Börse
Infineon Technologies
Allianz

Positiv fällt auf:

Fokus auf marktführende Unternehmen
starke Industrie- und Technologiebasis
hohe Gewichtung defensiver Qualitätswerte
geringe Liquiditätsquote → Fonds war nahezu vollständig investiert

Kritisch ist jedoch:

sehr starke Deutschland-Lastigkeit (über 87 % deutsche Aktien)
hohe Konzentration auf wenige große Titel
geringe internationale Diversifikation

Dadurch hängt die Entwicklung stark von der deutschen Wirtschaft und dem DAX-Umfeld ab.

3. Defensive Qualität statt dynamischer Wachstumsstrategie

Die Portfoliostruktur zeigt eine eher konservative Investmentphilosophie:

Industrie
Versicherungen
Rückversicherer
Infrastruktur
etablierte Technologiewerte

Weniger vertreten waren:

Immobilien
Versorger
Konsumtitel

Das reduziert langfristig Risiken, kann aber in starken Bullenmärkten zu einer schwächeren Dynamik führen – genau das zeigte sich 2025.

4. Kostenstruktur belastet die Rendite

Ein zentraler Kritikpunkt ist die Kostenquote:

Anteilklasse A: 1,80 % laufende Kosten pro Jahr

Für einen Fonds, der den DAX deutlich verfehlt, ist diese Gebührenhöhe schwer zu rechtfertigen. ETFs auf den DAX kosten oft nur 0,1–0,2 % jährlich und erzielten 2025 eine deutlich bessere Performance.

Positiv:

keine erfolgsabhängige Vergütung im Geschäftsjahr

Negativ:

zusätzlich bis zu 5 % Ausgabeaufschlag bei der A-Klasse möglich

Für Privatanleger reduziert dies die Attraktivität erheblich.

5. Risikoanalyse: Aktienfonds mit hohem Marktrisiko

Der Fonds selbst stuft das Marktpreisrisiko als „hoch“ ein.

Das ist nachvollziehbar:

fast 98 % Aktienquote
kaum Liquidität
starke Konzentration auf zyklische deutsche Unternehmen

Positiv:

geringes Währungsrisiko
geringes Liquiditätsrisiko
geringes Ausfallrisiko

Für langfristige Anleger bedeutet das:

hohe Schwankungen möglich
aber keine Hinweise auf strukturelle Stabilitätsprobleme
6. Auffällige Portfolioveränderungen

2025 wurden mehrere strategische Anpassungen vorgenommen:

Neu bzw. deutlich ausgebaut:

Rheinmetall
Siemens Energy
Airbus
Commerzbank

Verkauft bzw. reduziert:

HelloFresh
Henkel
Linde

Die Umschichtung zeigt:

stärkere Ausrichtung auf Industrie, Verteidigung und Infrastruktur
mehr Fokus auf europäische Industriepolitik und Energiethemen

Das könnte mittel- bis langfristig Potenzial bieten.

7. Gesamteinschätzung aus Anlegersicht

Der Fonds bleibt ein klassischer deutscher Qualitätsaktienfonds mit erfahrenem Management und solider Unternehmensauswahl. Dennoch war 2025 für Anleger enttäuschend.

Positiv:
Hochwertige Unternehmen
Solide Bilanzqualität vieler Beteiligungen
Fokus auf langfristige Substanzwerte
Kaum Liquiditäts- oder Bonitätsrisiken
ESG-Integration nach Artikel 8 SFDR
Negativ:
Massive Underperformance gegenüber dem DAX
Hohe Gebühren
Sehr starke Deutschland-Konzentration
Begrenzte internationale Diversifikation
Aktives Management rechtfertigte 2025 die Kosten nicht
Fazit

Für konservativ orientierte Anleger mit langfristigem Vertrauen in deutsche Qualitätsunternehmen kann der Fonds weiterhin interessant sein. Wer jedoch primär auf Renditeeffizienz und Benchmarknähe achtet, dürfte mit einem günstigen DAX-ETF 2025 deutlich besser gefahren sein.

Der Jahresbericht vermittelt insgesamt den Eindruck eines stabilen, professionell verwalteten Fonds – jedoch ohne überzeugenden Mehrwert gegenüber passiven Alternativen im betrachteten Geschäftsjahr.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Dreiste Paket-Masche in Bayern: Betrüger bedrängt Postzusteller und fängt Sendung ab

Next Post

Konzertbranche außer Kontrolle? Wie Fans, Nachwuchs und Clubs unter dem Live-Boom leiden