Der Jahresbericht des Fonds „Concentra“ von Allianz Global Investors zeigt aus Anlegersicht ein gemischtes Bild: Einerseits verfügt der Fonds über ein qualitativ hochwertiges Portfolio mit führenden deutschen Industrie- und Technologiewerten, andererseits blieb die Wertentwicklung 2025 massiv hinter dem Vergleichsindex DAX zurück.
1. Deutliche Schwäche gegenüber dem Markt
Die wichtigste Erkenntnis für Anleger ist die klare Underperformance:
Concentra A (EUR): +4,59 %
DAX Vergleichsindex: +25,96 %
Damit blieb der Fonds mehr als 21 Prozentpunkte hinter dem Markt zurück. Für einen aktiv gemanagten Aktienfonds ist dies kritisch, da Anleger eine Mehrrendite gegenüber dem Index erwarten – insbesondere bei relativ hohen Gebühren.
Die Fondsleitung nennt mehrere Ursachen:
Fehlentscheidungen bei Einzeltiteln in Industrie- und Finanzwerten
Zu hohe Gewichtung im IT-Sektor
Untergewichtung von Energieunternehmen
Gerade 2025 profitierten viele europäische Energie-, Rüstungs- und Finanzwerte stark vom Marktumfeld. Der Fonds war dort teilweise nicht optimal positioniert.
2. Hoch konzentriertes Qualitätsportfolio
Trotz der schwachen relativen Performance besteht das Portfolio aus vielen qualitativ starken Unternehmen. Die größten Positionen waren unter anderem:
SAP
Siemens
Münchener Rück
Deutsche Börse
Infineon Technologies
Allianz
Positiv fällt auf:
Fokus auf marktführende Unternehmen
starke Industrie- und Technologiebasis
hohe Gewichtung defensiver Qualitätswerte
geringe Liquiditätsquote → Fonds war nahezu vollständig investiert
Kritisch ist jedoch:
sehr starke Deutschland-Lastigkeit (über 87 % deutsche Aktien)
hohe Konzentration auf wenige große Titel
geringe internationale Diversifikation
Dadurch hängt die Entwicklung stark von der deutschen Wirtschaft und dem DAX-Umfeld ab.
3. Defensive Qualität statt dynamischer Wachstumsstrategie
Die Portfoliostruktur zeigt eine eher konservative Investmentphilosophie:
Industrie
Versicherungen
Rückversicherer
Infrastruktur
etablierte Technologiewerte
Weniger vertreten waren:
Immobilien
Versorger
Konsumtitel
Das reduziert langfristig Risiken, kann aber in starken Bullenmärkten zu einer schwächeren Dynamik führen – genau das zeigte sich 2025.
4. Kostenstruktur belastet die Rendite
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Kostenquote:
Anteilklasse A: 1,80 % laufende Kosten pro Jahr
Für einen Fonds, der den DAX deutlich verfehlt, ist diese Gebührenhöhe schwer zu rechtfertigen. ETFs auf den DAX kosten oft nur 0,1–0,2 % jährlich und erzielten 2025 eine deutlich bessere Performance.
Positiv:
keine erfolgsabhängige Vergütung im Geschäftsjahr
Negativ:
zusätzlich bis zu 5 % Ausgabeaufschlag bei der A-Klasse möglich
Für Privatanleger reduziert dies die Attraktivität erheblich.
5. Risikoanalyse: Aktienfonds mit hohem Marktrisiko
Der Fonds selbst stuft das Marktpreisrisiko als „hoch“ ein.
Das ist nachvollziehbar:
fast 98 % Aktienquote
kaum Liquidität
starke Konzentration auf zyklische deutsche Unternehmen
Positiv:
geringes Währungsrisiko
geringes Liquiditätsrisiko
geringes Ausfallrisiko
Für langfristige Anleger bedeutet das:
hohe Schwankungen möglich
aber keine Hinweise auf strukturelle Stabilitätsprobleme
6. Auffällige Portfolioveränderungen
2025 wurden mehrere strategische Anpassungen vorgenommen:
Neu bzw. deutlich ausgebaut:
Rheinmetall
Siemens Energy
Airbus
Commerzbank
Verkauft bzw. reduziert:
HelloFresh
Henkel
Linde
Die Umschichtung zeigt:
stärkere Ausrichtung auf Industrie, Verteidigung und Infrastruktur
mehr Fokus auf europäische Industriepolitik und Energiethemen
Das könnte mittel- bis langfristig Potenzial bieten.
7. Gesamteinschätzung aus Anlegersicht
Der Fonds bleibt ein klassischer deutscher Qualitätsaktienfonds mit erfahrenem Management und solider Unternehmensauswahl. Dennoch war 2025 für Anleger enttäuschend.
Positiv:
Hochwertige Unternehmen
Solide Bilanzqualität vieler Beteiligungen
Fokus auf langfristige Substanzwerte
Kaum Liquiditäts- oder Bonitätsrisiken
ESG-Integration nach Artikel 8 SFDR
Negativ:
Massive Underperformance gegenüber dem DAX
Hohe Gebühren
Sehr starke Deutschland-Konzentration
Begrenzte internationale Diversifikation
Aktives Management rechtfertigte 2025 die Kosten nicht
Fazit
Für konservativ orientierte Anleger mit langfristigem Vertrauen in deutsche Qualitätsunternehmen kann der Fonds weiterhin interessant sein. Wer jedoch primär auf Renditeeffizienz und Benchmarknähe achtet, dürfte mit einem günstigen DAX-ETF 2025 deutlich besser gefahren sein.
Der Jahresbericht vermittelt insgesamt den Eindruck eines stabilen, professionell verwalteten Fonds – jedoch ohne überzeugenden Mehrwert gegenüber passiven Alternativen im betrachteten Geschäftsjahr.