Im Fall des mutmaßlichen Erpressungsversuchs gegen den Babynahrungshersteller HiPP GmbH & Co. Vertrieb KG geraten nun weitere mögliche Straftaten in den Fokus der Ermittlungen. Der 39-jährige Verdächtige soll laut österreichischen Medienberichten in der Vergangenheit Gehaltsbestätigungen manipuliert haben, um bei Banken höhere Kredite zu erhalten.
Wie die österreichische „Kronen Zeitung“ berichtet, sollen entsprechende Hinweise bei der Auswertung eines ehemaligen Dienstcomputers des Mannes gefunden worden sein. Demnach habe der frühere Mitarbeiter des Unternehmens seine Einkommensnachweise verändert und damit offenbar günstigere Kreditbedingungen erhalten.
Anwalt räumt Manipulationen ein
Der Verteidiger des Beschuldigten bestätigte gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA, dass „der ein oder andere Gehaltszettel“ verändert worden sei. Zugleich betonte er jedoch, sein Mandant habe die Kredite ordnungsgemäß bedienen können.
Nach Darstellung des Anwalts habe der Verdächtige die Darlehen grundsätzlich auch mit seinem tatsächlichen Einkommen erhalten können. Die Veränderungen hätten lediglich bessere Konditionen ermöglicht.
Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zu diesen neuen Vorwürfen bislang nicht öffentlich.
Grundstückskauf kurz vor Festnahme
Besonders brisant erscheint der Zeitpunkt eines Immobilienkaufs. Laut Bericht soll der Verdächtige erst kurz vor seiner Festnahme ein Grundstück in Salzburg erworben haben. Finanziert worden sei dies mutmaßlich mit den Krediten.
Zudem soll das mutmaßliche Drohschreiben an HiPP nur etwa eine Stunde vor einem Entlassungsgespräch verschickt worden sein. Das Arbeitsverhältnis des Mannes mit dem Unternehmen war zuvor offenbar einvernehmlich beendet worden.
Ermittlungen wegen Erpressung und Giftverdacht
Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt, nachdem bekannt geworden war, dass manipulierte Babygläser entdeckt worden waren. In einem sichergestellten Glas fanden Ermittler Rattengift.
Nach bisherigen Erkenntnissen enthielt das untersuchte Produkt rund 15 Mikrogramm der Substanz. Laut Gutachten wäre die Menge zwar vermutlich nicht tödlich gewesen, hätte aber gesundheitliche Schäden verursachen können.
Die Ermittlungsbehörden werfen dem Beschuldigten unter anderem vor:
- versuchte schwere Erpressung,
- vorsätzliche Gemeingefährdung,
- sowie versuchte absichtlich schwere Körperverletzung.
Der Mann befindet sich seit vergangener Woche in Untersuchungshaft in Eisenstadt.
Zweites manipuliertes Glas weiterhin verschwunden
Besonders beunruhigend für die Ermittler bleibt, dass offenbar weiterhin ein zweites manipuliertes Babyglas fehlt. Nach Angaben der Behörden konnte dieses bislang nicht gefunden werden.
Die Ermittlungen konzentrieren sich deshalb weiterhin auf mögliche Hintergründe, Motive und eventuelle weitere Risiken.
Unschuldsvermutung gilt weiterhin
Der Verteidiger des 39-Jährigen weist die zentralen Vorwürfe weiterhin zurück und spricht von fehlenden Beweisen. Auch beim sichergestellten Rattengift habe es sich laut Anwalt um eine andere Substanz gehandelt als jene, die im belasteten HiPP-Produkt gefunden worden sei.
Die nächste Haftprüfung soll nach Angaben der Justiz in den kommenden Tagen stattfinden.
Fall sorgt für Verunsicherung
Der Fall sorgt nicht nur wegen der Vorwürfe selbst für große Aufmerksamkeit, sondern auch wegen der möglichen Auswirkungen auf das Vertrauen in Babynahrung und Produktsicherheit.
Gerade Produkte für Säuglinge gelten als besonders sensibel. Entsprechend groß ist die öffentliche Verunsicherung, wenn Manipulationen oder Erpressungsversuche bekannt werden.
Für Verbraucher bleibt derzeit vor allem entscheidend, dass Behörden und Hersteller betonen, eng zusammenzuarbeiten und mögliche Risiken konsequent zu überprüfen.