Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt ordentliches, aber nicht herausragendes Bild. Der Fonds hat im Berichtszeitraum 5,9 % zugelegt und das Fondsvermögen ist von 132,2 Mio. Euro auf 154,8 Mio. Euro gestiegen. Das ist positiv, vor allem weil gleichzeitig deutliche Mittelzuflüsse von Anlegern zu verzeichnen waren. Der Anteilwert stieg von 125,81 Euro auf 133,26 Euro. Über drei Jahre liegt die annualisierte Rendite mit 7,9 % p.a. auf gutem Niveau, über fünf Jahre mit 3,9 % p.a. jedoch eher im mittleren Bereich. Für einen vermögensverwaltenden Dachfonds spricht das für eine solide, aber nicht überdurchschnittlich starke Langfristleistung.
Der Fonds ist klar als fondsbasierter Multi-Asset-Ansatz positioniert. Rund 99 % des Vermögens waren zum Jahresende in Investmentfonds investiert, davon 91,1 % in gemischte Wertpapierfonds und 7,9 % in Aktienfonds. Das bedeutet für Anleger eine breite Streuung, allerdings auch eine zusätzliche Kostenebene und eine gewisse Intransparenz, weil das eigentliche Risiko nicht nur auf Ebene dieses Fonds, sondern auch in den zugrunde liegenden Zielfonds entsteht. Positiv ist, dass die größten Einzelpositionen jeweils unter 10 % liegen; eine extreme Klumpenbildung ist also auf den ersten Blick nicht erkennbar. Gleichwohl ist zu beachten, dass sich über verschiedene Zielfonds ähnliche Markt- und Stilrisiken überlagern können.
Auffällig ist die starke Konzentration auf aktiv gemanagte Misch- und Aktienfonds. Zu den größten Positionen zählen unter anderem BL Global 75, FIDUKA-UNIVERSAL-FONDS und R-co Valor Actions au Port. Das spricht dafür, dass das Management bewusst auf aktive Managerselektion setzt und nicht auf kostengünstige passive Bausteine. Für Anleger ist das nur dann überzeugend, wenn die Managerauswahl nach Kosten dauerhaft Mehrwert liefert. Genau hier liegt ein zentraler Prüfpunkt: Die Gesamtkostenquote von 2,14 % p.a. ist für einen Fonds dieser Art hoch. Da der Fonds selbst in andere Fonds investiert, tragen Anleger praktisch eine doppelte Gebührenstruktur. Damit muss der Fonds erst einmal eine spürbare Bruttorendite erwirtschaften, um nach Kosten wirklich attraktiv zu sein.
Die Qualität des Ergebnisses ist aus Investorensicht gemischt. Operativ war das Jahr nämlich schwach: Der ordentliche Nettoertrag lag bei -879.922,79 Euro, das realisierte Ergebnis sogar bei -973.272,26 Euro. Das positive Gesamtjahresergebnis von 8,2 Mio. Euro stammt fast vollständig aus nicht realisierten Bewertungsgewinnen in Höhe von 9,19 Mio. Euro. Anders gesagt: Der Ertrag wurde 2025 nicht aus laufenden Ausschüttungen oder realisierten Verkaufserfolgen erwirtschaftet, sondern vor allem durch den Marktwertanstieg der gehaltenen Zielfonds. Das ist in starken Marktphasen nicht ungewöhnlich, aber weniger robust als ein Ergebnis, das stärker aus laufenden Erträgen und realisierten Gewinnen getragen wird.
Hinzu kommt, dass der Fonds keine Ausschüttung vorgenommen hat. Für wachstumsorientierte Anleger ist das nicht zwingend negativ, für einkommensorientierte Investoren aber wenig attraktiv. Zudem wurde ein negativer Vortrag weitergeschrieben, sodass die Ertragslage auf Ausschüttungsebene schwach bleibt. Wer regelmäßige Erträge sucht, wird hier kaum bedient.
Positiv zu würdigen ist das Risikobild im engeren Sinn. Laut Bericht bestanden im Geschäftsjahr keine wesentlichen Liquiditätsrisiken und keine besonderen operationellen Risiken. Der Fonds nutzt zwar Derivate, aber offenbar in kontrolliertem Umfang; der angegebene durchschnittliche VaR von 5,31 % und das Leverage von 100 % nach Bruttomethode deuten nicht auf eine aggressive Hebelstrategie hin. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds ist zwar marktabhängig, aber nicht als spekulatives Produkt zu verstehen. Gleichwohl bleibt das zentrale Risiko ein klassisches Kapitalmarktrisiko, vermittelt über die Zielfonds mit Aktien-, Zins- und Kreditrisiken.
Ein weiterer Pluspunkt ist der Nachhaltigkeitsfilter im PAI-Kontext. Der Fonds berücksichtigt nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen und schließt schwerwiegende Verstöße weitgehend aus. Allerdings erfüllt das Produkt nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten im Sinne der Taxonomie. Für Anleger mit klar grünem Nachhaltigkeitsfokus ist das daher kein Artikel-9-ähnliches Produkt, sondern eher ein konventioneller Fonds mit begrenzten ESG-Schutzmechanismen.
Interessant ist auch die Portfolioanpassung im September 2025, als der Fulcrum Diversified Absolute Return neu aufgenommen und die Position im Nordea 1 – Alpha 10 reduziert wurde. Das deutet darauf hin, dass das Management versucht hat, das Portfolio defensiver bzw. diversifizierter auszubalancieren. Der neu aufgenommene Fonds hat zum Jahresende aber nur knapp 1 % Gewicht, also zunächst eher Testcharakter als strategische Dominanz.
Kritisch sehen kann man aus Anlegersicht außerdem, dass 100 % der Wertpapiertransaktionen über eng verbundene Unternehmen und Personen abgewickelt wurden. Das ist bei Konzernstrukturen nicht automatisch problematisch, sollte aber in puncto Interessenkonflikte aufmerksam betrachtet werden. Formal ist das offengelegt, was positiv ist. Für Anleger bleibt dennoch wichtig, dass solche Strukturen eine besonders saubere Governance voraussetzen.
Unterm Strich ist der Fonds aus Anlegersicht vor allem für jene interessant, die ein bequemes, aktiv gemanagtes Komplettpaket mit breiter Streuung über verschiedene vermögensverwaltende Zielfonds suchen und bereit sind, dafür relativ hohe laufende Kosten zu akzeptieren. Die 2025er-Entwicklung war ordentlich, aber sie wirkt stark von freundlichen Märkten getragen und weniger aus eigener Ertragskraft heraus verdient. Das Chancen-Risiko-Profil erscheint moderat, die Kostenbelastung jedoch hoch.
Fazit aus Anlegersicht:
Der Sparkasse Pforzheim Calw Top Select ist 2025 solide, aber nicht glänzend aufgestellt. Positiv sind die breite Diversifikation, das kontrollierte Risikoprofil und die positive Wertentwicklung. Kritisch sind die hohe Gesamtkostenquote, die Abhängigkeit von nicht realisierten Kursgewinnen und die begrenzte Ausschüttungsqualität. Für kostenbewusste Anleger ist der Fonds nur bedingt attraktiv. Für Anleger, die aktives Management und eine bequeme Multi-Asset-Lösung schätzen, kann er dennoch passend sein — allerdings nur mit der Bereitschaft, für diese Komfortlösung einen spürbaren Preis zu zahlen.