Dark Mode Light Mode

FMA warnt vor Capital Express MetaTrade: „Anleger müssen jetzt sofort handeln“

Pacholek-cz (CC0), Pixabay

Interview mit Finanzexperte Thomas Bremer über die Risiken eines mutmaßlich unerlaubten Anbieters

Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA warnt aktuell vor Angeboten von Capital Express MetaTrade. Der Anbieter mit angeblichem Sitz in New York sei nicht berechtigt, in Österreich konzessionspflichtige Wertpapiergeschäfte anzubieten oder Aufträge für Kunden auszuführen. Für Anleger ist das ein ernstes Alarmsignal. Doch was bedeutet das konkret – und was sollten Betroffene jetzt tun?

Darüber haben wir mit Finanzexperte Thomas Bremer gesprochen.

Herr Bremer, wie ernst ist eine solche FMA-Warnung einzuschätzen?

Thomas Bremer:
Sehr ernst. Eine Warnung der FMA ist kein bloßer Hinweis, sondern ein klares Signal an Anleger: Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Wenn die Behörde öffentlich erklärt, dass ein Anbieter keine Berechtigung für konzessionspflichtige Wertpapiergeschäfte in Österreich hat, dann heißt das übersetzt: Anleger bewegen sich hier außerhalb des regulierten Schutzraums.

Das Problem ist: Viele merken erst dann, dass etwas nicht stimmt, wenn Auszahlungen plötzlich verzögert werden, zusätzliche Gebühren verlangt werden oder der Kontakt abbricht.

Was genau wirft die FMA dem Anbieter Capital Express MetaTrade vor?

Thomas Bremer:
Die FMA sagt ganz klar: Capital Express MetaTrade darf in Österreich keine konzessionspflichtigen Wertpapiergeschäfte erbringen. Konkret geht es um die Ausführung von Aufträgen für Rechnung von Kunden nach dem österreichischen Wertpapieraufsichtsgesetz 2018.

Das ist entscheidend. Denn wenn ein Anbieter ohne Erlaubnis solche Geschäfte anbietet, dann fehlt genau die Regulierung, die Anleger schützen soll – also Aufsicht, Compliance, Meldepflichten, Dokumentation und im Ernstfall oft auch Durchgriffsmöglichkeiten.

Was sollten Anleger tun, wenn sie bereits Geld eingezahlt haben?

Thomas Bremer:
Dann gilt: Keine Zeit verlieren. Sofort handeln.

Ich würde betroffenen Anlegern zu diesen Schritten raten:

1. Keine weiteren Einzahlungen leisten
Ganz wichtig: Kein frisches Geld mehr nachschießen.
Viele dubiose Plattformen versuchen, Anleger mit Aussagen wie „nur noch eine kleine Steuer“, „Liquiditätsnachweis“, „Freischaltgebühr“ oder „Sicherheitsleistung“ zu weiteren Zahlungen zu bewegen. Das ist ein typisches Muster.

2. Sofort alle Unterlagen sichern
Alles dokumentieren:

  • Kontoauszüge
  • Überweisungsbelege
  • Kreditkartenabrechnungen
  • E-Mails
  • Chatverläufe
  • Telefonnummern
  • Screenshots des Online-Kontos
  • angebliche Gewinne oder Handelsverläufe
  • Vertragsunterlagen / AGB / Login-Daten / Wallet-Adressen

Je mehr Beweise vorhanden sind, desto besser.

3. Auszahlung schriftlich verlangen
Anleger sollten sofort schriftlich die Auszahlung ihres gesamten Guthabens verlangen – idealerweise per E-Mail und zusätzlich dokumentiert per Screenshot oder PDF.
Wichtig: sachlich bleiben, Frist setzen, alles archivieren.

4. Bank oder Kreditkartenanbieter kontaktieren
Wenn Zahlungen per Kreditkarte erfolgt sind, kann unter Umständen ein Chargeback-Verfahren möglich sein.
Auch bei Überweisungen sollte die Hausbank sofort informiert werden – manchmal lassen sich Empfängerkonten noch nachvollziehen oder verdächtige Zahlungsströme melden.

5. Strafanzeige erstatten
Betroffene sollten unbedingt Anzeige erstatten – bei der Polizei oder direkt bei spezialisierten Stellen für Internet- oder Anlagebetrug.

6. Auch die FMA informieren
Wenn es weitere Kontaktaufnahmen, neue Domains oder neue Namen gibt, sollte das ebenfalls der FMA gemeldet werden. Solche Anbieter wechseln häufig ihre Marken.

Viele Anleger hoffen noch, dass ihr Geld vielleicht doch ausgezahlt wird. Ist das realistisch?

Thomas Bremer:
Hoffnung darf man haben – aber sie darf nicht zu Passivität führen.

Gerade bei solchen Fällen erleben wir immer wieder, dass Betroffene sagen:
„Vielleicht kommt die Auszahlung nächste Woche.“
„Vielleicht muss ich nur noch eine letzte Gebühr zahlen.“
„Vielleicht liegt es an der Steuer.“

Meine klare Meinung: Wer nach einer offiziellen Warnung noch weiter abwartet oder sogar nachzahlt, erhöht oft nur den Schaden.

Wenn eine Finanzaufsicht warnt, dann sollte man nicht mehr auf freundliche Telefonstimmen vertrauen, sondern auf Fakten.

Welche typischen Warnsignale sehen Sie bei solchen Plattformen immer wieder?

Thomas Bremer:
Die Muster sind fast immer ähnlich:

  • unrealistisch hohe Gewinne in kurzer Zeit
  • ständiger Druck durch „Account Manager“
  • Anrufe aus dem Ausland oder wechselnde Nummern
  • angebliche Profis, die „helfen wollen“
  • Probleme bei Auszahlungen
  • plötzlich neue Gebühren vor der Auszahlung
  • dubiose Steuerforderungen
  • Aufforderung zu Fernzugriff über AnyDesk oder TeamViewer
  • keine echte Lizenz, aber professionell wirkende Website
  • angeblicher Sitz in Finanzmetropolen wie New York, London oder Zürich

Und ganz wichtig: Eine schöne Website ist kein Beweis für Seriosität.

Was ist mit angeblichen Gewinnen auf dem Online-Konto?

Thomas Bremer:
Da müssen Anleger sehr vorsichtig sein. Die Zahlen, die auf solchen Plattformen angezeigt werden, sind häufig nur Bildschirmgrafik.

Das klingt hart, aber ich sage es bewusst deutlich:
Ein angezeigter Gewinn ist kein Vermögensnachweis.
Entscheidend ist nur eines: Ist das Geld tatsächlich auf dem eigenen Bankkonto eingegangen?

Solange das nicht passiert ist, sind die angeblichen Gewinne oft nur Teil der Inszenierung.

Was sollten Betroffene auf keinen Fall tun?

Thomas Bremer:
Drei Dinge:

Erstens: Nicht weiterzahlen.
Zweitens: Keine Fernzugriffssoftware installieren.
Drittens: Nicht auf sogenannte „Recovery-Firmen“ hereinfallen.

Gerade nach ersten Verlusten melden sich oft plötzlich neue „Retter“, die behaupten, das Geld gegen Vorkasse zurückholen zu können. Das ist leider oft der zweite Betrugsversuch.

Wie sollten sich Betroffene rechtlich und finanziell aufstellen?

Thomas Bremer:
Ich rate dazu, schnell strukturiert vorzugehen:

  • Schaden exakt beziffern
  • Zahlungswege rekonstruieren
  • Empfängerkonten und Wallets festhalten
  • sofortige Beweissicherung
  • juristischen Rat bei spezialisierten Anwälten einholen
  • prüfen, ob Banken, Zahlungsdienstleister oder Vermittler eine Rolle spielen

In manchen Fällen gibt es Ansatzpunkte über:

  • Zahlungsdienstleister
  • Kreditkartenrückbuchungen
  • Sorgfaltspflichten von Banken
  • Haftungsfragen bei Vermittlern oder Call-Centern

Aber dafür braucht man eine saubere Dokumentation.

Ihr Fazit zur FMA-Warnung vor Capital Express MetaTrade?

Thomas Bremer:
Mein Fazit ist eindeutig:

Wer bei Capital Express MetaTrade investiert hat, sollte die FMA-Warnung als roten Alarm verstehen.
Jetzt zählt nicht Hoffnung, sondern Konsequenz.

  • Keine weiteren Zahlungen
  • Alles sichern
  • Auszahlung verlangen
  • Bank informieren
  • Anzeige erstatten
  • professionelle Hilfe einholen

Und ganz wichtig:
Je früher Anleger reagieren, desto größer ist die Chance, den Schaden zu begrenzen.

Was betroffene Anleger jetzt konkret tun sollten – Kurzcheck

  • Sofort keine weiteren Einzahlungen
  • Auszahlung schriftlich verlangen
  • Alle Unterlagen und Screenshots sichern
  • Bank / Kreditkartenanbieter sofort informieren
  • Strafanzeige erstatten
  • FMA-Warnung ernst nehmen
  • Keine „Freischaltgebühren“ oder „Steuern“ mehr zahlen
  • Vorsicht vor angeblichen Rückholfirmen
Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

WI Objektgesellschaft 82 GmbH & Co. KG: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen

Next Post

Tanker sollen keine Gebühren an Iran für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zahlen