Die Umstellung auf den neuen europäischen Abwicklungszyklus sorgt derzeit für Bewegung in der Finanzbranche. Ab Oktober 2027 gilt in der EU: Wertpapiergeschäfte müssen deutlich schneller abgewickelt werden. Aus dem bisherigen Standard T+2 wird T+1 – also die Abwicklung bereits am nächsten Geschäftstag.
Nach Einschätzung der BaFin ist Deutschland dabei überraschend gut aufgestellt. Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch betont, dass deutsche Marktteilnehmer im europäischen Vergleich überdurchschnittlich weit in ihren Vorbereitungen seien.
Warum T+1 so wichtig ist
Hinter der Reform steckt ein klares Ziel: Europa soll im globalen Wettbewerb mithalten. In Märkten wie den USA oder China ist der schnellere Abwicklungszyklus bereits Realität.
Die Vorteile:
- geringere Risiken bei Wertpapiergeschäften
- schnellere Kapitalverfügbarkeit
- höhere Effizienz im Handel
Doch die Umstellung ist technisch anspruchsvoll – und erfordert tiefgreifende Anpassungen.
Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen
Um den Wechsel zu schaffen, müssen Banken, Broker und andere Marktteilnehmer ihre Systeme umfassend modernisieren:
- stärkere Automatisierung von Prozessen
- schnellere Datenverarbeitung
- bessere Abstimmung zwischen Handel und Abwicklung
Laut aktuellen Umfragen beschäftigen sich bereits rund 77 Prozent der Unternehmen aktiv mit den notwendigen Maßnahmen.
BaFin mahnt zur aktiven Beteiligung
Trotz der positiven Zwischenbilanz sieht die BaFin noch Handlungsbedarf. Besonders wichtig sei, dass sich möglichst viele Marktteilnehmer an den Umfragen und Abstimmungen des sogenannten EU T+1 Industry Committees beteiligen.
Der Grund:
Nur durch breite Beteiligung lasse sich sicherstellen, dass die Umstellung reibungslos funktioniert – und keine Schwachstellen im System entstehen.
Zeitdruck steigt
Auch wenn die Einführung erst 2027 erfolgt, drängt die Zeit. Die Anpassung komplexer IT-Systeme, Prozesse und Schnittstellen kann Jahre dauern.
Experten warnen:
Wer zu spät reagiert, riskiert operative Probleme – und im schlimmsten Fall Wettbewerbsnachteile.
Fazit
Die Umstellung auf T+1 ist mehr als ein technisches Detail – sie ist ein grundlegender Umbau des europäischen Kapitalmarkts.
Deutschland scheint gut vorbereitet. Doch der eigentliche Stresstest kommt erst noch. Denn am Ende entscheidet nicht die Planung – sondern die reibungslose Umsetzung im Alltag.