Der FC Bayern München hat sich in einer denkwürdigen Champions-League-Nacht gegen Real Madrid durchgesetzt und steht nach einem spektakulären 4:3-Heimsieg im Halbfinale. In einem wilden Viertelfinal-Rückspiel mit sieben Toren, zwei Platzverweisen und mehreren Wendungen setzte sich der deutsche Rekordmeister am Mittwoch mit einem Gesamtscore von 6:4 gegen den 15-fachen Titelträger durch. Auch Arsenal erreichte die Runde der letzten vier – allerdings deutlich weniger glanzvoll.
Bayern und Real liefern ein Spektakel für die Ewigkeit
Schon nach wenigen Sekunden war klar, dass dieser Abend in München alles andere als gewöhnlich werden würde. Nach nur 34 Sekunden unterlief Manuel Neuer ein folgenschwerer Fehlpass weit vor dem eigenen Tor. Arda Güler reagierte blitzschnell und traf aus der Distanz ins verwaiste Bayern-Gehäuse zur frühen Führung für Real.
Die Antwort der Münchner ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Bereits in der 6. Minute köpfelte Aleksandar Pavlovic nach einer Ecke von Joshua Kimmich zum 1:1 ein. Auch Reals Keeper Andriy Lunin sah dabei alles andere als gut aus.
Es entwickelte sich eine furiose erste Halbzeit mit offenem Visier auf beiden Seiten. In der 29. Minute brachte Güler die Gäste erneut in Front, als er einen Freistoß sehenswert verwandelte – Neuer machte dabei erneut keine glückliche Figur. Doch Bayern schlug auch diesmal zurück: Harry Kane traf nach feinem Zuspiel von Dayot Upamecano in der 38. Minute zum 2:2 und erzielte damit sein 50. Pflichtspieltor der Saison.
Noch vor der Pause setzte Real den nächsten Nadelstich. Nach einem schnellen Konter legte Vinicius Jr. auf Kylian Mbappé ab, der in der 42. Minute zum 3:2 für die Madrilenen einschob. Mit diesem Ergebnis ging es in die Kabinen – und Real war damit wieder voll auf Verlängerungskurs.
Camavinga fliegt – Bayern schlägt eiskalt zu
Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel intensiv, auch wenn sich beide Teams zunächst etwas vorsichtiger präsentierten. Die große Entscheidung fiel erst in der Schlussphase.
In der 86. Minute sah der eingewechselte Eduardo Camavinga Gelb-Rot, nachdem er einen Freistoß verzögert hatte. Die Unterzahl brachte Real aus dem Rhythmus – und Bayern nutzte die Situation gnadenlos aus.
Zunächst traf Luis Díaz in der 89. Minute mit einem abgefälschten Schuss von außerhalb des Strafraums zum 3:3 und brachte die Münchner wieder auf Halbfinal-Kurs. In der Nachspielzeit setzte Michael Olise dann den Schlusspunkt: In der 94. Minute zirkelte er den Ball traumhaft ins linke Kreuzeck und verwandelte die Allianz Arena in ein Tollhaus.
Nach dem Schlusspfiff kochten bei Real die Emotionen über. Die Madrilenen protestierten heftig gegen den Platzverweis gegen Camavinga, der bereits ausgewechselte Güler sah an der Seitenlinie sogar noch glatt Rot.
Kimmich: „Ich hoffe, alle Kinder durften länger aufbleiben“
Joshua Kimmich brachte die Stimmung nach dem Spiel treffend auf den Punkt:
„Ich hoffe, alle Kinder in Deutschland durften etwas länger wach bleiben.“
Tatsächlich war es eines jener Spiele, die in Erinnerung bleiben. Traumtore, Fehler, Tempo, Drama – und ein Bayern-Team, das nach mehreren Rückschlägen immer wieder zurückkam. Konrad Laimer stand dabei über die volle Distanz auf dem Platz, David Alaba kam bei seiner Rückkehr nach München für Real nicht zum Einsatz.
Im Halbfinale wartet nun der nächste Kracher: Paris Saint-Germain. Das Hinspiel steigt am 28. April in Paris, das Rückspiel am 6. Mai in München.
Arsenal ohne Glanz weiter
Weniger spektakulär, aber ebenso erfolgreich verlief der Abend für Arsenal. Den Londonern reichte nach dem 1:0 im Hinspiel ein 0:0 gegen Sporting, um zum zweiten Mal in Folge ins Champions-League-Halbfinale einzuziehen.
Die Mannschaft von Mikel Arteta wirkte dabei allerdings alles andere als spritzig. Die „Gunners“ taten sich offensiv schwer und brachten im gesamten Spiel nur einen Schuss auf das Tor zustande. Sporting war dem Führungstreffer phasenweise näher – Trincão und später Geny Catamo, der kurz vor der Pause die Stange traf, vergaben gute Möglichkeiten.
Arsenal verteidigte konzentriert und ließ nach der Pause kaum noch etwas zu. Erst in der Schlussphase wurde es noch einmal gefährlich, als Leandro Trossard nach einer Ecke des 16-jährigen Max Dowman nur Aluminium traf.
Arteta verteidigt den pragmatischen Ansatz
Arteta war nach dem Schlusspfiff vor allem eines wichtig: das Ergebnis.
„Wir sind nicht perfekt, wir müssen uns verbessern – aber es steckt enorm viel Arbeit dahinter“, sagte der Spanier. Tatsächlich fehlen Arsenal derzeit mehrere Schlüsselspieler, darunter Bukayo Saka, Martin Ødegaard, Jurrien Timber und Riccardo Calafiori. Auch Declan Rice spielte angeschlagen, während Noni Madueke mit einer Knieverletzung vom Feld musste.
Die Zahlen unterstreichen Arsenals Formproblem in der Offensive: Nur ein Sieg aus den letzten fünf Pflichtspielen, dabei lediglich drei Tore. Gegen Sporting lag der kombinierte xG-Wert beider Teams bei nur 0,93 – der niedrigste Wert eines Champions-League-Spiels in dieser Saison.
Defensiv bleibt Arsenal allerdings stabil. In acht von zwölf Champions-League-Partien in dieser Saison blieb das Team ohne Gegentor – Bestwert im Wettbewerb.
Jetzt wartet City – und die große Frage bleibt
Nach dem Weiterkommen richtet sich der Blick in London nun sofort auf das womöglich titelentscheidende Premier-League-Duell gegen Manchester City am Sonntag. Arsenal liegt zwar sechs Punkte vor den „Skyblues“, hat aber ein Spiel mehr absolviert.
Die große Frage lautet deshalb:
Reicht pragmatischer Fußball allein – oder braucht es für ganz große Titel doch mehr Feuer?
Für den Moment dürfte Artetas Antwort klar sein:
Weiter ist weiter.