Der Jahresabschluss 2024 der Windpark Marke GmbH & Co. KG zeigt ein klassisches Bild einer Windpark-Projektgesellschaft im Aufbau: hohe Investitionen, keine laufenden Erträge und eine Finanzierung, die stark auf Fremdkapital basiert. Aus Anlegersicht ist entscheidend, wie tragfähig diese Struktur in der kommenden Betriebsphase sein wird.
15,7 Millionen Euro im Bau – noch keine Erträge
Zum 31.12.2024 weist die Gesellschaft „Anlagen im Bau“ in Höhe von 15,7 Mio. Euro aus. Das entspricht nahezu dem gesamten Anlagevermögen. Abschreibungen sind noch nicht angefallen, da sich das Projekt in der Errichtungsphase befindet.
Dem gegenüber stehen:
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2,2 Mio. Euro Bankguthaben
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1,56 Mio. Euro Forderungen gegenüber Gesellschafter (aus umsatzsteuerlicher Organschaft)
Operative Einnahmen wurden im Rumpfgeschäftsjahr noch nicht erzielt. Das ist für eine Projektphase erwartbar, erhöht jedoch die Abhängigkeit vom Finanzierungskonzept.
Finanzierung: Kurzfristige Bankverbindlichkeiten dominieren
Die Verbindlichkeiten betragen insgesamt 18,659 Mio. Euro. Davon entfallen:
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18,4 Mio. Euro auf Kreditinstitute
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256 T€ auf Lieferanten
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3 T€ auf Gesellschafter
Bemerkenswert ist die Restlaufzeitenstruktur: Die gesamten Bankverbindlichkeiten sind zum Bilanzstichtag als kurzfristig (< 1 Jahr) ausgewiesen. Laut Anhang handelt es sich um Bauzeit- und Umsatzsteuerfinanzierung, die durch ein langfristiges Förderdarlehen abgelöst werden soll.
Das bedeutet: Zum Stichtag besteht eine formale Kurzfristigkeit, wirtschaftlich ist jedoch eine Refinanzierung geplant. Für Anleger ist das ein kritischer Punkt – die erfolgreiche Umstellung auf langfristige Projektfinanzierung ist zentral für die Stabilität.
Eigenkapital: Sehr schlank kalkuliert
Das bilanzielle Eigenkapital beträgt 798 T€ bei einer Bilanzsumme von 19.463 T€. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei rund 4 Prozent. Das ist für Projektgesellschaften nicht ungewöhnlich, bedeutet aber eine hohe Hebelwirkung.
Struktur des Eigenkapitals:
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25 T€ Kapitalanteil der Kommanditistin
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1.000 T€ Kapitalrücklage
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−227 T€ Verlustvortrag (Rumpfgeschäftsjahr)
Der Jahresfehlbetrag von 227 T€ resultiert im Wesentlichen aus Mindestnutzungsentgelten für Grundstücke sowie Verwaltungs- und Prüfungskosten. Einnahmen stehen dem noch nicht gegenüber.
Langfristige Verpflichtungen außerhalb der Bilanz
Zusätzlich bestehen sonstige finanzielle Verpflichtungen aus Nutzungsverträgen in Höhe von 4,6 Mio. Euro:
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0,2 Mio. Euro innerhalb eines Jahres
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1 Mio. Euro in 2–5 Jahren
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3,4 Mio. Euro über 5 Jahre
Diese Verpflichtungen erhöhen faktisch das Gesamtrisiko, auch wenn sie nicht als klassische Verbindlichkeiten bilanziert sind.
Projektstatus: Genehmigt und mit EEG-Zuschlag
Positiv hervorzuheben ist der Projektfortschritt:
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Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt
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Leistungsupgrade auf Nordex N149 (5,7 MW) genehmigt
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EEG-Zuschlag mit 7,32 ct/kWh gesichert
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20-jähriger Vollwartungsvertrag mit Hersteller abgeschlossen
Die Finanzierung erfolgt über die NordLB. Die EEG-Förderung schafft grundsätzlich kalkulierbare Erlöse, sofern Bau und Inbetriebnahme planmäßig verlaufen.
Zentrale Risiken aus Anlegersicht
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Baukostenrisiko
Der Lagebericht weist selbst auf steigende Baukosten hin. Abweichungen vom Budget könnten die Wirtschaftlichkeit belasten. -
Refinanzierungsrisiko
Die aktuelle Bauzeitfinanzierung muss wie geplant in ein langfristiges Förderdarlehen überführt werden. -
Ertragsrisiko
Windaufkommen, technische Verfügbarkeit und Marktbedingungen beeinflussen die künftigen Cashflows. -
Niedrige Eigenkapitalquote
Schon moderate negative Abweichungen könnten die Kapitalbasis weiter schwächen.
Einordnung
Die Windpark Marke GmbH & Co. KG befindet sich klar in der Investitions- und Errichtungsphase. Verluste im Aufbaujahr sind erwartbar. Das Geschäftsmodell basiert auf einer hohen Fremdfinanzierung, die erst durch stabile, langfristige Stromerlöse tragfähig wird.
Das Projekt verfügt über Genehmigungen, EEG-Zuschlag und eine gesicherte Bau- sowie Wartungsstruktur – das reduziert regulatorische Unsicherheit. Dennoch bleibt die Kapitalstruktur eng kalkuliert.
Fazit
Für Anleger ist dieses Projekt ein klassisches Infrastrukturinvestment mit hoher Hebelwirkung: geringe Eigenkapitalbasis, hoher Fremdkapitaleinsatz und langfristig planbare Ertragsaussichten – sofern Bau und Refinanzierung reibungslos verlaufen.
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Mit Inbetriebnahme der Anlagen muss der Übergang von einer kostenintensiven Bauphase in eine stabile Ertragsphase gelingen. Bis dahin bleibt das Projekt finanziell sensibel gegenüber Planabweichungen.