Mit den ersten milden Nächten beginnt in Schleswig-Holstein wieder eine sensible Phase für den Naturschutz: die Krötenwanderung. Steigen die Temperaturen mehrere Abende in Folge über fünf Grad, verlassen Erdkröten, Frösche und Molche ihre Winterquartiere und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Für viele Tiere wird dieser Weg zur tödlichen Gefahr – vor allem auf stark befahrenen Straßen.
Ehrenamtliche im Dauereinsatz
In Halstenbek im Kreis Pinneberg ist die Arbeit bereits angelaufen. Die örtliche Gruppe des Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat einen rund 100 Meter langen Krötenschutzzaun errichtet. Dahinter sind Eimer in den Boden eingelassen. Fallen die Tiere hinein, werden sie am Abend von freiwilligen Helferinnen und Helfern eingesammelt und sicher über die Straße getragen.
Etwa 20 Mitglieder engagieren sich dort regelmäßig. Täglich in der Dämmerung kontrollieren sie den Zaun. Nach Schätzungen könnten in den kommenden Wochen rund 300 Kröten zusammenkommen – 300 Tiere, die ohne diesen Einsatz möglicherweise überfahren würden.
Warum der Start dieses Jahr früher kam
Eigentlich wollte die Ortsgruppe mit dem Aufbau noch warten. Doch der plötzliche Temperaturanstieg zwang die Ehrenamtlichen zum Handeln. Die Wanderung der Amphibien ist stark wetterabhängig. Erst wenn mehrere Nächte in Folge mild bleiben, setzen sich die Tiere in Bewegung. Ein abrupter Temperaturanstieg kann deshalb kurzfristig für Hochbetrieb an bekannten Wanderstrecken sorgen.
Landesweite Schutzmaßnahmen
Halstenbek ist kein Einzelfall. Auch in Bad Oldesloe, Damlos oder Lübeck sind Schutzmaßnahmen angelaufen. Im ganzen Land stellen Ortsgruppen Zäune auf und bringen Warnschilder an Straßen an. Diese weisen Autofahrer darauf hin, dass Amphibien die Fahrbahn kreuzen.
Der eindringliche Appell der Naturschützer: Tempo 30.
Gefahr durch Überfahren – und durch Luftdruck
Viele Verkehrsteilnehmer unterschätzen das Risiko. Amphibien sterben nicht nur, wenn sie direkt von Reifen erfasst werden. Bereits die Druckwelle vorbeifahrender Fahrzeuge kann für sie tödlich sein. Die empfindlichen Tiere können innere Verletzungen erleiden, selbst wenn sie nicht direkt überrollt werden.
Angesichts stark rückläufiger Amphibienbestände wiegt jeder Verlust schwer. Straßenverkehr, Lebensraumverlust und Klimaveränderungen setzen den Beständen seit Jahren zu.
Auch Helfer sind gefährdet
Die Situation betrifft nicht nur die Tiere. Die Ehrenamtlichen, die meist in der Dämmerung oder nachts unterwegs sind, arbeiten häufig direkt am Straßenrand. Reduzierte Geschwindigkeit schützt daher auch sie.
Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung
Für Autofahrer bedeutet Rücksichtnahme nur einen minimalen Zeitverlust. Für die Tiere hingegen kann langsames Fahren den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Die Krötenwanderung dauert meist nur wenige Wochen – doch sie ist entscheidend für den Fortbestand der Populationen.
Wer also in den kommenden Tagen ein Hinweisschild zur Amphibienwanderung sieht, sollte das Tempo reduzieren und besonders aufmerksam fahren. Manchmal reicht eine kleine Geste, um Hunderte Leben zu retten.