1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Fonds hat im Geschäftsjahr +12,97% erzielt (Anteilwert 83,69 EUR zum 31.10.2025) bei einem klar aktienlastigen Risikoprofil (rund 86% Einzelaktien, rund 13% Fonds/ETFs). Das ist für ein chancenorientiertes Mandat konsistent. Positiv ist die nachvollziehbare, überwiegend Large-Cap/Blue-Chip-Ausrichtung. Kritisch aus Investorensicht ist jedoch die laufende Kostenquote von 1,47% – und insbesondere die sehr hohe Position „Beratergebühren“ in den Aufwendungen, die die Nettorendite langfristig merklich belasten kann.
2) Strategie & Umsetzung: Aktienfonds im Kern, ETFs als Satelliten
Anlagepolitik erlaubt „voll“ Wertpapiere/Fonds; mindestens 51% müssen in Kapitalbeteiligungen liegen – faktisch war es deutlich mehr.
Das Sondervermögen orientiert sich nicht an einem Vergleichsindex; im Risikoteil wird dennoch ein Vergleichsvermögen 100% MSCI All Country World Index genannt (relevant als Messlatte, auch wenn kein formaler Benchmark).
Umsetzung per 31.10.2025 (Fondsvermögen 261,17 Mio. EUR):
Aktien: 85,82%
Investmentanteile (ETFs): 13,08%
Liquidität/Bankguthaben: ~1,13%
Das ist ein sehr „direktes“ Aktienportfolio (Einzeltitel dominieren), ergänzt durch ETFs für Regionen/Segmente:
Japan (MSCI Japan ex … ETF)
Emerging Markets (MSCI EM IMI Screened)
Global Real Estate Equity (JPM ETF)
Anlegerimplikation: Sie kaufen hier primär Aktienmarktrisiko (nicht „balanced“), mit regionaler Beimischung über ETFs.
3) Performance & Ergebnisqualität
Wertentwicklung: +12,97% im Geschäftsjahr.
Ergebnisquellen laut Rechnung:
Ordentlicher Nettoertrag: ca. 0,16 Mio. EUR (Dividenden/Zinsen minus laufende Kosten)
Realisierte Gewinne/Verluste: Netto +6,53 Mio. EUR
Nicht realisierte Gewinne/Verluste: Netto +21,61 Mio. EUR
Gesamtergebnis: +28,30 Mio. EUR
Einordnung: Der Großteil des Jahresergebnisses stammt aus Marktwertanstiegen (nicht realisiert) – typisch in starken Aktienphasen, aber eben auch reversibel. Der laufende Ertrag (Dividenden/Zinsen nach Kosten) ist vergleichsweise klein.
4) Portfolio-Risiken: Konzentration, USD-Exposure, Stil (Quality/Growth/Blue Chips)
Aktienrisiko ist ausdrücklich dominant („bis zu 100%“ möglich). Die Länderstruktur der Aktien zeigt:
USA ~49,6% des Fondsvermögens (Aktien nach Ländern)
Größere Europa-Blöcke: Frankreich, Deutschland, Niederlande etc.
Währungsrisiko: Durch den hohen US-Anteil ist USD-Einfluss auf die EUR-Performance relevant. Es gibt im Bericht keine erkennbare systematische Währungsabsicherung (Derivate-Exposure wird mit 0 ausgewiesen), daher wirkt der USD-Kurs direkt.
Einzeltitel-/Sektorlastigkeit (qualitativ):
Viele „Mega-/Large-Caps“ (u.a. große US-Tech-/Plattformtitel) plus europäische Qualitätswerte (Industrie, Versicherungen, Konsum).
Das senkt tendenziell das Insolvenz-/Small-Cap-Risiko, erhöht aber das Bewertungs- und Zins-/Growth-Sensitivitätsprofil (je nach Marktphase).
5) Derivate & Risikokennzahlen: formal 0 Exposure, aber VaR gesteuert
Derivatebestand: 0% / zugrundeliegendes Exposure: 0 EUR.
VaR (99%, 10 Tage): durchschnittlich 5,61% (Bandbreite 4,18% bis 7,19%).
„Durchschnittlicher Umfang des Leverage“: 98,81%.
Wichtig für Anleger: Auch wenn „Derivate = 0“ steht, zeigt der Bericht, dass das Marktrisiko über VaR überwacht wird. Der ausgewiesene Leverage nahe 100% wirkt auf den ersten Blick irritierend; ohne zusätzliche Detailtiefe lässt sich daraus allein nicht ableiten, dass tatsächlich „gehebelt“ investiert wurde – der Fonds ist in der Praxis vor allem voll investiert (nahe 99% Wertpapierquote).
6) Ausschüttung & Anteilpreismechanik
Ausschüttung gesamt: 4,368,784 EUR
Ausschüttung je Anteil: 1,40 EUR
Rücknahmepreis (NAV): 83,69 EUR
Ausgabepreis: 87,87 EUR
Anlegerimplikation: Der Abstand Ausgabepreis zu NAV deutet auf einen Ausgabeaufschlag bzw. Vertriebs-/Konditionskomponente hin. Für Neuanleger ist das ein sofortiger Renditenachteil; hier lohnt sich oft die Frage nach Rabatten/Tranche/Depotkonditionen.
7) Kosten: der zentrale Prüfpunkt
Gesamtkostenquote (TER): 1,47% (ohne Transaktionskosten)
Transaktionskosten: 158.536 EUR (separat ausgewiesen)
Auffällig: „Sonstige Aufwendungen“ 3,314 Mio. EUR, davon Beratergebühren 3,234 Mio. EUR.
Warum das kritisch ist: In einem Fonds, der stark aus großen Standardaktien besteht, ist die Frage, ob die Mehrkosten gegenüber günstigeren globalen Aktien-ETFs durch nachhaltige Outperformance kompensiert werden können. Selbst wenn das in einzelnen Jahren gelingt, ist die Kostenhürde langfristig hoch.
8) Mittelbewegungen & Fondsgröße: positives Signal, aber auch Timing-Risiko
Fondsvermögen stieg von 188,65 Mio. EUR auf 261,17 Mio. EUR.
Netto-Mittelzufluss: +47,72 Mio. EUR.
Einordnung: Zuflüsse können Vertrauen signalisieren und Skaleneffekte bringen; gleichzeitig erhöhen starke Zuflüsse das Risiko, dass Manager in teuren Marktphasen „hinterher investieren“ müssen.
9) Governance/Prüfung: formell sauber – aber ein Datum sticht heraus
Der Bestätigungsvermerk stammt von PricewaterhouseCoopers GmbH und bescheinigt die Ordnungsmäßigkeit nach KAGB/KARBV. Auffällig ist jedoch das im Text genannte Datum „29. Januar 2029“, obwohl der Bericht auf 20.02.2026 datiert ist und das Geschäftsjahr 2024/2025 betrifft. Das wirkt wie ein Tipp-/Übertragungsfehler im Dokumentauszug und sollte (wenn Sie investieren oder prüfen) im Original-PDF gegengecheckt werden.
10) Für wen passt der Fonds – und wann eher nicht?
Kann passen, wenn Sie…
eine aktive, stark aktienorientierte Lösung wollen,
mit USD- und Aktienmarktschwankungen leben können,
und bereit sind, für Selektion/Betreuung höhere laufende Kosten zu tragen.
Eher kritisch, wenn Sie…
kostenfokussiert sind (TER 1,47% + auffällige Beratergebühren),
einen klaren Benchmark-Track und transparente Zielabweichungen erwarten,
oder ein ausgewogeneres (Aktien/Anleihen) Risikoprofil suchen.
11) Anleger-Checkliste (praktisch)
Kosten & Vertrieb: Ausgabeaufschlag? Rabatte? Nettotarif/Institutionelle Tranche?
Vergleich: Wie schlägt sich der Fonds nach Kosten gegen einen globalen ETF (ACWI/World) über 3/5/10 Jahre?
Währungsmanagement: Gibt es Phasen mit/ohne USD-Sicherung – und warum?
Risikoziel: Passt VaR-/Aktienquote zu Ihrer Verlusttoleranz (z.B. -20%/-30% Szenarien)?
Beratergebühren: Wofür genau fallen sie an (Vertrieb vs. Advisory), und sind sie verhandelbar?