1) Anlageprofil & Einordnung aus Anlegersicht
Der Fonds Weberbank Premium 30 verfolgt klar ein konservatives Mischfondsprofil: laufende Erträge (Zinsen/Ausschüttungen) plus moderater Wertzuwachs. Die Aktienquote ist auf max. 30% begrenzt und wurde zum Stichtag praktisch ausgeschöpft (Aktien 26,11% + Aktienfonds 3,62% ≈ 29,7%). Das Management ist an Weberbank Actiengesellschaft ausgelagert; die Kapitalverwaltungsgesellschaft ist Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH.
Anleger-Interpretation: Ein Produkt für risikoaversere Anleger, die nicht rein in Aktien wollen, aber eine Rendite oberhalb reiner Geldmarkt-/Kurzläuferlösungen anstreben.
2) Performance & Ergebnisqualität
Wertentwicklung Geschäftsjahr (01.11.2024–31.10.2025): +6,24% bei gleichzeitig begrenzter Aktienquote.
Das Geschäftsjahresergebnis lag bei 8,77 Mio. EUR, getragen von
ordentlichem Nettoertrag: 1,55 Mio. EUR
realisiertem Ergebnis: 3,90 Mio. EUR
nicht realisiertem Ergebnis: 4,87 Mio. EUR
Anleger-Interpretation: Die Rendite kam nicht nur „aus Buchgewinnen“, sondern auch aus laufenden Erträgen und realisierten Gewinnen. Positiv ist, dass die Strategie in einem typischen Mischfondsjahr sichtbar funktioniert hat.
3) Portfolio-Struktur: defensiver Kern, Aktien als Rendite-Booster
Allokation zum 31.10.2025:
Aktien gesamt: 26,11% (Schwerpunkt USA 15,0%, Europa breit)
Anleihen direkt: 27,82% (Schwerpunkt Laufzeiten 5–10 Jahre: 13,66%)
Investmentanteile (Zielfonds): 43,25% (großer Baustein der Umsetzung)
Liquidität/Geldmarkt: ca. 2,5% (Bankguthaben + Geldmarktfonds)
Qualitäts-/Zinsrisiko-Kennzahlen:
Durchschnittsrating Anleihen: A (solide Bonität)
Modifizierte Duration: 4,39 → spürbare, aber nicht extreme Zinsänderungssensitivität.
Aktienseite: Blue-Chip-lastig (u. a. große US-Technologie/Quality-Werte und europäische Qualitätsunternehmen). Das passt zur konservativen Grundhaltung: relativ robuste Einzeltitel, breite Länderstreuung, keine auffällige Klumpenbildung.
Anleihenseite: Mix aus Staats-/Supranationalen und Unternehmensanleihen (z. B. EU/EIB/KfW sowie Corporate-Emitter). Dazu kommen mehrere (ESG-/Credit-)Fonds/ETFs als Zielfondsbausteine.
Anleger-Interpretation: Das Portfolio wirkt wie ein „klassischer 70/30-Ansatz“, nur dass der Rentenanteil stark über Zielfonds/ETFs orchestriert wird. Das kann Diversifikation bringen – erhöht aber die Komplexität (Transparenz/Timing bei Zielfonds) und potenziell die Kosten.
4) Risikoprofil: kontrolliert, aber nicht „risikofrei“
Der Fonds berichtet einen VaR (99%, 10 Tage) im Jahresverlauf im Schnitt von 1,92% (Spanne 1,60%–2,35%) – ein Hinweis auf moderates Marktrisiko im Vergleich zu aktienlastigen Produkten.
Derivate: Zum Stichtag 0,00% Exposure (keine Derivatepositionen im Bestand), d. h. Risikosteuerung/Leverage war faktisch nicht treibend.
Hauptrisiken bleiben: Zinsänderungen (Duration 4,39), Spread-/Ausfallrisiko bei Corporates, Aktienmarktrisiko (bis 30%), plus Währungsrisiko (u. a. USD-Exposure über Aktien).
Anleger-Interpretation: Für konservative Anleger ist das Risikobild stimmig. Wer jedoch sehr zinssensitiv ist (Angst vor steigenden Zinsen), sollte die Duration im Blick behalten.
5) Ausschüttung & Mittelbewegungen
Ausschüttung: 0,90 EUR je Anteil (insgesamt 2,62 Mio. EUR).
Auffällig ist der hohe „Vortrag auf neue Rechnung“ (7,80 EUR je Anteil). Das kann für ausschüttungsorientierte Anleger relevant sein, sagt aber noch nichts darüber aus, wie regelmäßig/hoch künftig ausgeschüttet wird (das bleibt Managemententscheidung und hängt von Ertragslage/Politik ab).
Netto-Mittelzufluss: 17,39 Mio. EUR → wachsende Anlegerbasis/Interesse.
6) Kosten: hier liegt der kritischste Punkt
Gesamtkostenquote (TER): 1,46% – für einen konservativen Mischfonds nicht ungewöhnlich, aber auch nicht „günstig“, insbesondere wenn viel über ETFs abgebildet wird.
Roter Punkt: Unter „sonstige Aufwendungen“ stehen 1,699 Mio. EUR, davon Beratergebühren 1,659 Mio. EUR. Das ist im Verhältnis zum Fondsvolumen von 151,6 Mio. EUR grob ~1,1% p. a. allein für Beratung (Daumenwert).
Anleger-Interpretation: Das ist ungewöhnlich hoch und der zentrale Prüfpunkt für Anleger:
Wofür genau fallen diese Beratergebühren an (Investment-/Strategieberatung, Vertrieb, externe Advisor)?
Stehen sie in einem nachvollziehbaren Verhältnis zur erbrachten Leistung und zur Nettoperformance nach Kosten?
Wenn nicht, ist das ein struktureller Rendite-Bremsklotz – gerade in Jahren mit geringerer Marktunterstützung.
7) Governance & Prüfung
Der Jahresbericht wurde von PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und mit einem positiven Prüfungsurteil versehen (regulatorische Ordnungsmäßigkeit; ESG-Anhang explizit nicht Teil der Prüfung). Das ist Standard – aber aus Anlegersicht dennoch wichtig, weil es die formale Verlässlichkeit der Zahlen stärkt.
Fazit: Für wen attraktiv – und was sollte man kritisch nachfragen?
Attraktiv für Anleger, die…
eine konservative 70/30-ähnliche Mischung suchen,
moderate Schwankungen akzeptieren, aber nicht voll im Aktienrisiko stehen wollen,
Wert auf solide Rentenqualität (Ø Rating A) und Blue-Chip-Aktien legen.
Kritisch zu prüfen:
Kosten-/Nutzen-Verhältnis, insbesondere die sehr hohen Beratergebühren.
Vergleich zur internen Vergleichslogik (70% iBoxx Euro Corporates / 30% MSCI ACWI in EUR): Liegt die Nettoperformance nach Kosten dauerhaft darüber – oder wird die Rendite langfristig „weggebühren“?
Zielfonds-Transparenz: hoher Anteil an Investmentanteilen bedeutet mehr Komplexität und potenziell indirekte Kosten.