Er hat Kaiser, Diktatur, Teilung und Wiedervereinigung erlebt – und löst heute noch jedes Sudoku. Bruno Kant aus Eichenzell in Osthessen wird am 26. Februar 110 Jahre alt und zählt damit zu den ältesten lebenden Deutschen .
Geboren wurde er 1916 in Werblinia bei Danzig. Als junger Mann geriet er im Zweiten Weltkrieg in sowjetische Kriegsgefangenschaft – eine Zeit, an die er sich bis heute mit Staunen erinnert. „Es ist mir noch immer unverständlich, dass ich überlebt habe“, sagt er. Später setzte er sein Theologiestudium fort und wurde 1950 in Fulda zum Priester geweiht. Jahrzehntelang wirkte er als Seelsorger in Osthessen, noch mit 100 Jahren stand er am Altar.
Klar im Kopf – mit Humor im Herzen
Trotz Rollator, Herzschrittmacher und zunehmender Schwerhörigkeit ist Kant geistig wach. Besonders gern trainiert er sein Gedächtnis mit Zahlenrätseln. Kein Sudoku sei ihm zu schwer, berichten Angehörige .
Seinen körperlichen Einschränkungen begegnet er mit Humor. Über sein schlechtes Gehör sagt er augenzwinkernd, der „liebe Gott da oben“ höre inzwischen auch nicht mehr alles – und lächelt dabei verschmitzt . Sein Glaube begleitet ihn bis heute, ebenso wie das tägliche Stundengebet.
Verwurzelt in der Gemeinde
In Eichenzell genießt der Pfarrer im Ruhestand hohes Ansehen. Der Platz vor der Kirche trägt inzwischen seinen Namen. Bürgermeister Johannes Rothmund betont, wie präsent Kant trotz seines hohen Alters noch im Herzen der Menschen sei .
Wichtig für sein langes Leben sei wohl auch die vertraute Umgebung, sagt seine Nichte. Seit vielen Jahren lebt er in seinem kleinen Haus, betreut von einer polnischen Pflegekraft, mit geregeltem Tagesablauf und viel Ruhe .
Ein bescheidener Jubilar
Dem Trubel um seinen runden Geburtstag begegnet Kant mit gemischten Gefühlen. Große Aufmerksamkeit ist ihm nicht geheuer. Doch wenn Gratulanten vor seiner Tür stehen, empfängt er sie freundlich – und beendet den Besuch notfalls mit seinem legendären Satz:
„Geht mit Gott – aber geht.“