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Fontanus Balanced – solide Rendite bei aktienlastigem “Balanced”-Profil und moderaten Kosten

geralt (CC0), Pixabay

1) Anlageprofil & Umsetzung: “Balanced” mit spürbarem Aktienrisiko

Der Fonds verfolgt das Ziel der Vermögensbildung/-optimierung, ohne feste Benchmark und mit der Möglichkeit, zyklisch oder antizyklisch zu agieren. In der Praxis ist das Produkt zum Stichtag deutlich aktienlastiger, als viele Anleger bei “Balanced” intuitiv erwarten würden:

Aktien gesamt ~45,3 % des Fondsvermögens (davon ein großer Teil in Fremdwährung, v. a. USD)

Anleihen gesamt ~31,2 %

Zielfonds ~17,1 % (Renten-, Index- und Aktienfonds)

Liquidität ~6,2 % (+ kleinere Forderungen/Verbindlichkeiten)

Wichtig: Es gibt keine Maximalquote für Aktien, lediglich eine intendierte Rentenquote von mind. 50 % “nach derzeitigem Stand” – die tatsächliche Quote liegt per Stichtag darunter. Für Anleger heißt das: Das Risiko-/Ertragsprofil kann sich stärker in Richtung Aktien verschieben, als man es von klassischen Mischfonds erwartet.

Beraten wird das Management von Bankhaus Herzogpark AG.

2) Performance & Risikobild im Geschäftsjahr (01.11.2024–31.10.2025)

Jahresperformance: +6,73 % (BVI-Methode, Ausschüttungen reinvestiert, ohne individuelle Kosten)

Ø-Volatilität: 6,85 % → für einen Mischfonds moderat, aber klar oberhalb “defensiver” Rentenfonds

Auffällig ist der Verlauf: Nach starkem Jahresauftakt folgte ein spürbarer Rücksetzer im Frühjahr (März/April negativ), anschließend eine Erholung. Das passt zu einem Portfolio mit ~45 % Aktien plus Fremdwährungsanteilen.

Interpretation aus Anlegersicht: Die Rendite ist für das Umfeld ordentlich, aber sie wurde mit einem echten Aktien-/Marktrisiko erwirtschaftet – es ist kein “Rentenfonds mit Aktienbeimischung”, sondern eher ein flexibler Mischfonds mit relevanter Aktienquote.

3) Portfolioqualität & Konzentration: breit, aber mit klaren Schwerpunkten

Aktienseite:

Schwerpunkt Technologie (11,75 %) und Industrie (9,37 %); dazu Konsum/Finanzen/Health.

Große US-Tech-Namen (z. B. Alphabet, Amazon, Nvidia, Microsoft, Meta) deuten auf Wachstums-/Quality-Bias hin – gut für Renditechancen, aber sensibel für Tech-Bewertungen und USD-Bewegungen.

Anleiheseite:

Mix aus gedeckten Papieren, Bank-/Unternehmensanleihen und Staatsanleihen; insgesamt eher “Investmentgrade-orientiert”, allerdings mit einzelnen höher verzinsten Positionen (z. B. Grenke-Anleihe), die Rendite bringen, aber Kreditspread-Risiko erhöhen.

Top-5-Positionen liegen jeweils bei ca. 2,5–3,9 % – das ist keine extreme Klumpenbildung, aber groß genug, dass Einzeltitel spürbar beitragen können.

Zielfonds (17 %):
Hier addiert sich eine zweite Managementebene (Kosten + Stilrisiken). Positiv: Diversifikation. Kritisch: Transparenz/Timing der Informationen zu Zielfondsbeständen und mögliche Rücknahmeaussetzungen bei Zielfonds (wird im Bericht ausdrücklich als Risiko genannt).

4) Währungsrisiko: spürbarer Rendite- und Risikotreiber

Ein erheblicher Teil der Aktien und ein Teil der Anleihen sind in Fremdwährungen (insb. USD) investiert. Das bedeutet:

Der Fonds kann von USD-Aufwertung profitieren – umgekehrt kann EUR-Stärke Performance drücken.

Für Anleger mit EUR-Basis ist das ein echtes, nicht nur “theoretisches” Risiko, da keine generelle Währungsabsicherung als Prinzip beschrieben wird (und in der Allokation “unhedged” nicht ausgeschlossen ist).

5) Ertragslage, Realisationen & Ausschüttung

Ordentlicher Nettoertrag: 442 Tsd. EUR (Zinsen/Dividenden minus laufende Kosten)

Realisierte Gewinne – Verluste: netto +1,81 Mio. EUR → der Jahreserfolg ist stark durch Verkäufe/Timing geprägt

Nicht realisiertes Ergebnis: -282 Tsd. EUR → ein Teil der Buchgewinne wurde offenbar realisiert, während der Restbestand etwas nachgab.

Ausschüttung: 2,29 EUR je Anteil. Das ist für Ausschüttungsanleger relevant, aber der wesentliche Renditebeitrag kam in diesem Jahr eher aus Marktbewegungen/Realisationen als aus laufendem “Carry”.

6) Mittelbewegungen & Fondsgröße: Reifephase, aber schrumpfende Historie

Fondsvermögen per 31.10.2025: 31,24 Mio. EUR

In den letzten Jahren ist das Vermögen deutlich gefallen (von 46,4 Mio. auf ~31,2 Mio.). Gleichzeitig gab es im Geschäftsjahr Nettoabflüsse (Rücknahmen > Zuflüsse).

Anlegersicht: Schrumpfende Fondsgröße ist nicht automatisch schlecht, kann aber relevant werden (Fixkostenbelastung, Handelbarkeit einzelner Positionen, strategische Aufmerksamkeit). Positiv ist, dass die Liquiditätsquote ordentlich ist und der Bericht keine akuten Liquiditätsprobleme zeigt.

7) Kosten & Handel: im Rahmen, aber Zielfonds-Kosten “on top”

Gesamtkostenquote (ohne Performance Fee & Transaktionskosten): 0,74 % → für einen aktiv gemanagten Mischfonds moderat

Transaktionskosten: 30,9 Tsd. EUR (separat)

Portfolioumschlag: ~43 % → mittlere Aktivität, kein “Dauer-Trading”, aber klar aktives Management

Aus der KVG-Verwaltungsvergütung wird eine Basisvergütung an den Berater gezahlt – für Anleger zählt hier vor allem, dass Interessenkonflikte sauber gemanagt werden; die Struktur ist im Markt nicht unüblich.

Wichtig: Bei 17 % Zielfonds fallen dort zusätzliche Verwaltungsvergütungen an (teils bis 1,0 % p. a. bei einzelnen Fonds/Strategien). Diese sind nicht 1:1 in der 0,74 %-Quote enthalten, wenn es um “look-through”-Kosten geht – als Anleger sollte man das im Hinterkopf behalten.

8) Risikosteuerung & Derivate

Zum Stichtag 0 % Derivatebestand, Leverage ca. 0,98 (Brutto/Commitment) → wirkt konservativ.

VaR-Ansatz (historische Simulation, 99 %, 10 Tage) wird beschrieben; das ist Standard-Industriepraxis für Marktrisikoüberwachung.

Einordnung: Auch ohne Derivate bleibt das Hauptrisiko klassisch: Aktienmarkt, Zinsen/Spreads, Währung.

9) Nachhaltigkeit: Artikel-6-Produkt, ESG-Risiken werden geprüft – aber keine EU-Taxonomie/PAI-Integration im Fondsprozess

Der Fonds berücksichtigt nicht die EU-Kriterien ökologisch nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten (Taxonomie). Nachhaltigkeitsrisiken werden über ein ESG-Datenmodell überwacht (Investierbar/Beobachtung/Ausschluss), aber PAI-Indikatoren werden im Rahmen der Fondsstrategie nicht berücksichtigt (nur auf Unternehmensebene).
Für Anleger: ESG ist eher ein Risikofilter als ein Nachhaltigkeitsziel.

Fazit für Anleger

Stärken

Ordentliche Jahresrendite bei moderater Volatilität

Kostenquote (0,74 %) für aktiven Mischfonds vernünftig

Breites Portfolio mit Mischung aus Direktaktien, Anleihen und Zielfonds

Aktives Realisieren von Gewinnen hat im Berichtsjahr sichtbar Wert beigetragen

Zu beobachten / mögliche Schwächen

“Balanced” ist hier aktienbetont (≈45 %) und zusätzlich währungsgetrieben (USD-Anteil) – das kann in Stressphasen stärker durchschlagen

Zielfonds-Anteil bringt Diversifikation, aber auch zusätzliche Kosten- und Transparenzebenen

Langfristig sinkende Fondsgröße und Nettoabflüsse: kein Alarm, aber ein Punkt für die Watchlist

Für wen passt der Fonds?
Für Anleger, die einen flexiblen Mischfonds wollen, Aktien- und Währungsrisiko bewusst akzeptieren und dafür Renditechancen erwarten. Wer “defensiv” im Sinne von stabiler Rentenlastigkeit sucht, sollte prüfen, ob die tatsächlich gelebte Aktienquote und die Fremdwährungsanteile zur eigenen Risikotragfähigkeit passen.

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