Der Jahresbericht des LBBW Pro-Fund Credit I für den Zeitraum vom 1. Oktober 2024 bis 30. September 2025 zeigt aus Anlegersicht ein klar strukturiertes, risikooptimiertes Kreditstrategie-Portfolio mit moderater, aber stabiler Renditecharakteristik.
1. Performance und Risikoprofil
Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum eine Wertentwicklung von +3,13 % nach Kosten.
Besonders positiv hervorzuheben sind:
Volatilität: 1,36 %
Maximaler Drawdown: ca. 1,7 %
Diese Kennzahlen sprechen für eine ausgesprochen kontrollierte Risikosteuerung. Für einen kreditbasierten Absolute-Return-Ansatz ist das Rendite-Risiko-Verhältnis attraktiv, insbesondere vor dem Hintergrund eines geopolitisch und makroökonomisch angespannten Umfelds (u. a. Zollkonflikt USA, Ukraine-Krise).
Der temporäre Rückschlag im April („Liberation Day“) führte zwar zu Verlusten in beiden Hauptstrategien, jedoch konnte das Management die erhöhte Volatilität aktiv nutzen, indem Volatilitätsprämien vereinnahmt wurden – ein Hinweis auf aktives, antizyklisches Management.
Anlegerbewertung:
Die Performance liegt leicht unter den internen Erwartungen, ist jedoch gemessen am sehr niedrigen Risiko solide und konsistent.
2. Strategieanalyse: Marktneutraler Credit-Relative-Value-Ansatz
Der Fonds verfolgt einen marktneutralen Relative-Value-Ansatz im Investment-Grade-Kredituniversum.
Zentrale Strategiebausteine:
a) Long-/Short-Kreditkurvenpositionierung
Nutzung von Steilheitsveränderungen in iTraxx- und CDX-Indizes
Positionierung über mehrere Laufzeitsegmente (3–5 und 5–10 Jahre)
Ziel: systematische Spreadrisiken neutralisieren
b) Volatilitätsstrategie
Verkauf kurzlaufender Payer- und Receiver-Optionen
Absicherung von Tail-Risiken durch weit aus dem Geld liegende Optionen
Monetarisierung der Differenz zwischen impliziter und realisierter Volatilität
c) Credit-Spread-Arbitrage
Nutzung von Bewertungsunterschieden zwischen Einzelanleihen und Kreditindizes
Zinsrisikoabsicherung über Swaps
Anlegerbewertung:
Der Fonds ist klar quantitativ und derivativ geprägt. Das Ertragsprofil basiert weniger auf klassischer Carry-Rendite als auf systematischer Ausnutzung von Bewertungsineffizienzen. Dies macht ihn attraktiv als Diversifikationsbaustein, jedoch komplex in der Struktur.
3. Portfolio-Struktur und Liquidität
Vermögensallokation (30.09.2025)
Anleihen: 61,74 %
Investmentanteile: 7,75 %
Derivate (Netto): ca. 2,2 %
Bankguthaben: 8,83 %
Cash Collateral/Forderungen: signifikant (u. a. 4,84 Mio. EUR)
Das Fondsvermögen stieg von ca. 20,0 Mio. EUR auf 25,16 Mio. EUR – ein Zuwachs von rund 25 %. Dies deutet auf Kapitalzuflüsse oder positive Marktbewegungen hin.
Auffällig ist:
Sehr hoher Anteil an kurzlaufenden Investment-Grade-Anleihen (großer Anteil < 1 Jahr)
Starke Nutzung von CDS-Indexpositionen (Protection Buyer & Seller)
Hohe Besicherung über Cash Collateral
Anlegerbewertung:
Die Liquiditätsstruktur erscheint robust. Der hohe Anteil an kurzlaufenden Papieren reduziert Zinsänderungsrisiken deutlich.
4. Risikoanalyse aus Investorensicht
Der Bericht weist transparent auf folgende Risiken hin:
Marktpreisrisiken (Makro, Geopolitik)
Zinsänderungsrisiken
Emittenten- und Bonitätsrisiken
Derivate- und Hebelrisiken
Kontrahentenrisiken
Währungsrisiken (USD-Exponierung vorhanden)
Wichtig ist:
Trotz intensiver Derivatenutzung blieb die Volatilität extrem niedrig. Das spricht für eine funktionierende Risikosteuerung.
Allerdings gilt:
Hohe Komplexität der Strategie
Abhängigkeit von Liquidität im CDS-Markt
Potenziell asymmetrische Risiken bei extremen Marktverwerfungen
5. Gesamteinschätzung für Anleger
Stärken
✔ Sehr niedrige Volatilität
✔ Begrenzter Drawdown
✔ Marktneutrale Ertragsquellen
✔ Aktives Risikomanagement
✔ Gute Liquiditätssteuerung
Schwächen / Einschränkungen
⚠ Moderate absolute Rendite
⚠ Hohe Komplexität und Derivateeinsatz
⚠ Abhängigkeit von Kreditmarktliquidität
⚠ Performance stark modellgetrieben
6. Fazit
Der LBBW Pro-Fund Credit I präsentiert sich als defensiver Absolute-Return-Kreditfonds mit institutionellem Charakter.
Die Kombination aus:
Investment-Grade-Qualität
Marktneutraler Long/Short-Positionierung
Volatilitätsstrategie
Strikter Risikobegrenzung
macht ihn besonders geeignet für:
konservative Investoren
institutionelle Anleger
Portfolios mit Bedarf an Stabilitäts- und Diversifikationsbausteinen
Die Rendite von +3,13 % ist in Relation zum sehr geringen Risiko als solide einzustufen. Wer jedoch eine dynamische Outperformance erwartet, wird hier eher ein defensives Stabilitätsinstrument finden.