Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einem Regionalexpress laufen die Ermittlungen weiter, während bundesweit eine neue Diskussion über den Schutz von Bahnmitarbeitern entbrannt ist. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 26-jährige Tatverdächtige bislang nicht polizeilich bekannt und verfügte über keine Vorstrafen oder registrierten Vorfälle in Deutschland.
Der Mann soll den 36-jährigen Zugbegleiter während einer Ticketkontrolle ohne gültigen Fahrschein unvermittelt attackiert und ihm mehrere schwere Faustschläge gegen den Kopf versetzt haben. Der Bahnmitarbeiter verlor das Bewusstsein und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er später an einer Hirnblutung starb. Gegen den Beschuldigten wurde zunächst Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen, nach dem Tod des Opfers wird nun wegen Totschlags ermittelt.
Die Staatsanwaltschaft wertet derzeit Videomaterial aus dem Zug aus, vernimmt Zeugen und lässt zusätzliche rechtsmedizinische Untersuchungen durchführen. Der Tatverdächtige, ein griechischer Staatsbürger mit Wohnsitzangaben in Luxemburg, hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Gewerkschaften fordern mehr Schutz für Bahnmitarbeiter
Der Fall hat unter Beschäftigten der Bahn große Bestürzung ausgelöst und die Forderungen nach mehr Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt. Gewerkschaftsvertreter verlangen unter anderem Doppelbesetzungen in Zügen, den Einsatz von Bodycams mit Tonaufzeichnung sowie Notrufsysteme, mit denen Zugbegleiter im Ernstfall schnell Hilfe anfordern können.
Nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft haben mehr als 80 Prozent der Bahnmitarbeiter bereits verbale oder körperliche Angriffe erlebt – eine Entwicklung, die seit Jahren für zunehmende Sorge sorgt. Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass bei Ausschreibungen im Regionalverkehr häufig der Preis im Vordergrund stehe und dadurch Personal eingespart worden sei, was die Sicherheitslage zusätzlich verschärft habe.
Der tödliche Angriff gilt vielen Beschäftigten als trauriger Wendepunkt. Für sie steht fest: Ohne zusätzliche Sicherheitskonzepte, mehr Personal und engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei könnten Übergriffe im Bahnverkehr weiter zunehmen.