Die Ergebnisse der aktuellen LeSuBiA-Dunkelfeldstudie sorgen bundesweit für Aufsehen – insbesondere vor dem Hintergrund des jüngsten Tötungsfalls in Dormagen. Die Untersuchung gibt Einblick in das Ausmaß von Gewalt unter Jugendlichen, die bislang nicht in offiziellen Kriminalstatistiken auftaucht. Die Zahlen seien „extrem erschreckend“, sagt Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie, im Gespräch mit ntv.
Dunkelfeldstudien erfassen Straftaten und Gewalterfahrungen, die nicht angezeigt wurden und somit im Verborgenen bleiben. Gerade deshalb gelten sie als wichtiger Indikator für gesellschaftliche Entwicklungen. Laut Kolleck zeigen die aktuellen Daten deutlich, dass Gewalt unter jungen Menschen nicht nur punktuell auftritt, sondern in bestimmten Gruppen und Kontexten tief verankert ist.
Besonders alarmierend sei, dass sowohl Täter- als auch Opfererfahrungen zugenommen hätten. Viele Jugendliche berichteten von körperlicher Gewalt, Bedrohungen oder massiven Konflikten im sozialen Umfeld. Dabei spiele nicht nur das direkte Lebensumfeld eine Rolle, sondern auch soziale Medien, Gruppendruck und fehlende Perspektiven.
Im Zusammenhang mit dem Tötungsfall in Dormagen mahnt Kolleck zur differenzierten Betrachtung. Einzelfälle dürften nicht pauschalisiert werden, doch sie machten deutlich, wie ernst die Lage sei. Prävention müsse früher ansetzen – in Schulen, Familien und im sozialen Nahraum. Entscheidend sei es, jungen Menschen stabile Bindungen, klare Werte und konkrete Zukunftsperspektiven zu vermitteln.
Die Studie zeige, dass es nicht ausreiche, nur auf Strafverschärfungen zu setzen. Vielmehr brauche es gezielte Investitionen in Bildungsangebote, Sozialarbeit und Gewaltprävention. Jugendgewalt sei kein Randphänomen, sondern ein gesellschaftliches Thema, das langfristige Strategien erfordere.
Die aktuellen Zahlen seien ein Weckruf, so Kolleck. Politik, Schulen und Gesellschaft müssten gemeinsam handeln, um Jugendlichen Alternativen zu Gewalt aufzuzeigen und gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu stoppen.