Was als friedlicher Spaziergang durch das frühlingshafte Grün des Biebricher Schlossparks begann, endete in einer kaum fassbaren Tragödie. Der 86-jährige Rentner Günter B. verlor dort im Mai vergangenen Jahres auf grausame Weise sein Leben. Mit insgesamt 81 Messerstichen und -schnitten wurde der hochbetagte Mann Opfer einer Gewalttat, die bis heute Entsetzen auslöst.
Vor dem Landgericht Wiesbaden steht seitdem der mutmaßliche Täter: Michael K., 57 Jahre alt. Am dritten Prozesstag zeichnete sich erneut das Bild einer Tat ab, die weniger geplant als vielmehr von innerer Zerrissenheit und Kontrollverlust geprägt gewesen sein soll. Besonders erschütternd wirkte dabei eine Aussage des Angeklagten, der sinngemäß erklärte, er habe nicht aufhören können – Worte, die den Zuhörern im Gerichtssaal einen Schauer über den Rücken jagten.
Günter B., so schildern es Angehörige und Bekannte, war ein ruhiger, naturverbundener Mensch. Der tägliche Gang durch den Park gehörte zu seinen festen Ritualen. Dass gerade dieser vertraute Ort zum Schauplatz seines Todes werden würde, macht das Geschehen umso tragischer. Mit dem Einverständnis seiner Töchter wurde nun auch ein Foto des Verstorbenen veröffentlicht – ein Bild, das an einen freundlichen älteren Herrn erinnert und die Brutalität der Tat in einen schmerzhaften Kontrast setzt.
Der Prozess fördert nach und nach die verstörenden Hintergründe der Tat zutage. Fragen nach dem psychischen Zustand des Angeklagten, nach möglichen Warnsignalen und nach der Sicherheit in öffentlichen Grünanlagen stehen unausgesprochen im Raum. Für die Familie des Opfers bleibt neben der Trauer vor allem die Hoffnung, dass das Gericht Licht in die dunklen Umstände dieses Verbrechens bringt.
Der Biebricher Schlosspark, sonst ein Ort der Erholung und Begegnung, ist seitdem für viele mit einem Schatten belegt. Die Tat an Günter B. mahnt eindringlich, wie fragil Sicherheit sein kann – selbst an Orten, die als Oasen der Ruhe gelten.