Fast 26 Jahre lang stand Rosita Salvador Mabuiango für Hoffnung inmitten einer der größten Katastrophen Mosambiks. Nun ist die Frau, die als „Miracle Baby“ weltbekannt wurde, nach langer Krankheit im Alter von 25 Jahren gestorben. Ihre Geschichte ist untrennbar mit den verheerenden Überschwemmungen des Jahres 2000 verbunden – und mit den ungelösten Problemen des Landes bis heute.
Im Februar 2000 trat der Limpopo-Fluss über die Ufer und verwandelte weite Teile des Südens von Mosambik in eine Wasserwüste. Hunderte Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Unter ihnen war auch Carolina Cecilia Chirindza, die hochschwanger mit ihren Kindern vor den Fluten fliehen musste. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern kletterte sie auf einen Baum, der für vier Tage ihr einziger Schutz war.
Dort, hoch über dem Wasser, brachte Carolina in den frühen Morgenstunden ein Mädchen zur Welt. Ohne medizinische Hilfe, ohne Nahrung, nur gehalten von Hoffnung und Gebet. Als ein südafrikanischer Militärhubschrauber Mutter und Neugeborene entdeckte und in Sicherheit brachte, gingen die Bilder um die Welt. Rosita wurde zum Symbol des Überlebens – geboren in einem Baum, gerettet aus der Luft.
Die Mutter sagte später, es sei Gottes Wille gewesen, dass dieses Kind lebe. Und tatsächlich wuchs Rosita heran, besuchte die Schule in Chibuto, dem Ort ihrer Geburt, und schloss die Highschool ab. Sie selbst wurde Mutter einer Tochter. Doch das Versprechen eines besseren Lebens erfüllte sich nicht vollständig. Trotz Zusagen erhielt sie kein Stipendium für ein Studium der Petrochemie.
In den vergangenen Jahren kämpfte Rosita mit schweren gesundheitlichen Problemen. Familienangehörige berichten von einer langjährigen Anämie, zuletzt auch von Tuberkulose. Nach mehr als zwei Wochen im Krankenhaus starb sie schließlich am Montagmorgen.
Präsident Daniel Chapo würdigte Rosita als „Symbol für die Mädchen Mosambiks“ und sprach der Familie sein Beileid aus. Gleichzeitig sehen Beobachter in ihrem Tod einen Weckruf. Politische Analysten kritisieren ein chronisch überlastetes Gesundheitssystem, in dem es an Medikamenten, Ausrüstung und bezahltem Personal mangelt.
Rositas Leben begann als Wunder und endete viel zu früh. Ihre Geschichte erinnert daran, wie eng Hoffnung und Vernachlässigung beieinanderliegen können. Für viele Mosambikaner bleibt sie nicht nur das Baby im Baum, sondern ein Spiegel der Herausforderungen, denen das Land noch immer gegenübersteht.