Grönland, die größte Insel der Welt und ein autonomes Gebiet Dänemarks, rückt erneut ins Zentrum geopolitischer Spannungen. US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen jüngsten Aussagen für Unruhe: Die Vereinigten Staaten behalten sich vor, Grönland notfalls auch mit militärischen Mitteln unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese Drohung stößt auf heftige Reaktionen in Europa – insbesondere aus Deutschland.
Außenminister Johann Wadephul erklärte im Vorfeld seiner Reise nach Washington, der arktische Raum habe „eine neue sicherheitspolitische Bedeutung“ erlangt. Mit Blick auf die zunehmenden Aktivitäten Russlands und Chinas in der Region betonte Wadephul, dass Europa und insbesondere die NATO eine klare Haltung entwickeln müssten. In Gesprächen mit US-Außenminister Marco Rubio will er die Position der europäischen Partner deutlich machen: Über die Souveränität Grönlands entscheiden allein Dänemark und die grönländische Bevölkerung.
Unterstützung erhält Wadephul dabei von der SPD-Bundestagsfraktion. Außenpolitiker Adis Ahmetovic forderte ein entschlossenes Auftreten gegenüber Trumps Ambitionen: „Europa darf sich nicht einschüchtern lassen. Wir müssen gemeinsam bei Grönland ein Stoppschild setzen.“ Ahmetovic verwies dabei auf das Beispiel Brasiliens, wo Präsident Lula durch wirtschaftlichen Druck klare Grenzen gegenüber Trump setzen konnte.
Die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten stoßen auch deshalb auf Kritik, weil sie die Stabilität innerhalb des NATO-Bündnisses gefährden. Grönland gehört zu Dänemark und damit zu einem NATO-Mitgliedsstaat. Ein einseitiger Anspruch der USA auf das rohstoffreiche Gebiet untergräbt nicht nur das Völkerrecht, sondern auch das Vertrauen unter den Partnern.
Trump begründet seine Haltung mit der nationalen Sicherheit der USA. Rund um Grönland seien vermehrt russische und chinesische Schiffe gesichtet worden. Für viele Beobachter ist das jedoch nur ein Vorwand, um Zugriff auf die Bodenschätze der Insel zu erhalten – darunter seltene Erden, Öl und Gas. Auch der Klimawandel spielt eine Rolle, denn das schmelzende Eis öffnet neue Schifffahrtsrouten und wirtschaftliche Chancen.
Die europäische Antwort auf Trumps Vorstoß ist klar: Souveränität ist nicht verhandelbar. In einer Zeit globaler Umbrüche müsse Europa seine Interessen geeint und entschlossen vertreten – insbesondere in strategisch bedeutenden Regionen wie der Arktis.