Bobi Wine, bürgerlich Robert Kyagulanyi Ssentamu, ist längst mehr als ein Musiker – er ist zum Symbol des politischen Widerstands in Uganda geworden. Mit Charisma, Mut und einer tiefen Verbundenheit zur Jugend seines Landes stellt er sich seit Jahren dem langjährigen Präsidenten Yoweri Museveni entgegen, der Uganda seit fast 40 Jahren regiert.
Geboren und aufgewachsen in den Slums von Kampala, nennt sich Bobi Wine selbst den „Ghetto-Präsidenten“. Seine Wurzeln und seine Musik – eine Mischung aus Reggae, Afrobeats und traditionellen Klängen – brachten ihm große Popularität, insbesondere unter jungen Ugandern. Doch es ist seine politische Botschaft, die ihn zu einer nationalen Schlüsselfigur machte. Er prangert Korruption, soziale Ungleichheit und die Missachtung der Menschenrechte an – Themen, die in Uganda hochaktuell sind.
2017 zog Bobi Wine erstmals ins Parlament ein. Ein Jahr später wurde er international bekannt, nachdem er verhaftet und gefoltert wurde. Prominente Musiker wie Chris Martin und Damon Albarn forderten damals seine Freilassung. Trotz wiederholter Festnahmen und massiver Einschüchterungsversuche durch den Staat bleibt Wine unbeirrt. Seine Kampagne setzt sich konsequent für Reformen und eine demokratische Zukunft Ugandas ein.
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 15. Januar tritt Bobi Wine erneut gegen Museveni an. Der Wahlkampf verläuft unter extremen Bedingungen – seine Anhänger werden verfolgt, Demonstrationen mit Gewalt aufgelöst. Wine selbst muss oft in kugelsicherer Weste auftreten. Dennoch versammeln sich Tausende bei seinen Auftritten, trotzen Tränengas und Wasserwerfern.
Sein politisches Engagement wurde inzwischen auch filmisch dokumentiert: Die National Geographic-Doku „Bobi Wine: The People’s President“ wurde weltweit ausgestrahlt und sogar für einen Oscar nominiert. Doch trotz wachsender internationaler Aufmerksamkeit bleibt unklar, ob Bobi Wine eine echte Chance hat, den mächtigen Apparat Musevenis zu bezwingen.
Fest steht jedoch: Bobi Wine hat ein politisches Erdbeben ausgelöst. Er gibt den Stimmlosen eine Stimme – und fordert die politische Elite Ugandas wie kaum ein anderer heraus. Ob er letztlich die Wahl gewinnt oder nicht, sein Einfluss auf das politische Bewusstsein einer ganzen Generation ist unbestritten.