Deutschland ist ein Einwanderungsland – doch viele denken über eine Auswanderung nach. Laut einer neuen Kurzstudie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) erwägt rund ein Fünftel der Bevölkerung, das Land zu verlassen. Besonders häufig kommen solche Gedanken bei Menschen mit Migrationshintergrund auf.
Wer denkt über Auswanderung nach?
21 Prozent aller Befragten gaben an, über eine Ausreise nachzudenken. Unter Deutschen ohne Migrationsgeschichte sind es 17 Prozent – bei Eingewanderten jedoch 34 Prozent und bei deren Nachkommen sogar 37 Prozent. Konkrete Pläne hat allerdings nur ein kleiner Teil: Zwei Prozent der Teilnehmenden wollen innerhalb eines Jahres tatsächlich auswandern.
Gründe: Hoffnung auf besseres Leben – und Diskriminierung
Hauptgrund für die Auswanderungsgedanken ist laut Studie die Hoffnung auf ein besseres Leben – etwa bei jedem Zweiten. Menschen mit Migrationsgeschichte nennen häufig auch erlebte Diskriminierung als Motiv. Besonders hoch ist die Zahl der Auswanderungsüberlegungen bei Menschen mit familiären Wurzeln in der Türkei, dem Nahen Osten oder Nordafrika (39 Prozent).
Zuwanderung wichtig – Auswanderung aber oft übersehen
Rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben heute einen Migrationshintergrund. Angesichts des demografischen Wandels ist das Land zunehmend auf Zuwanderung angewiesen. Dass regelmäßig Menschen auch wieder gehen, werde politisch jedoch kaum beachtet, so die Autoren der Studie. Dabei verliere Deutschland damit auch dringend benötigte Arbeitskräfte.
Politische Debatten beeinflussen Stimmung
Die Umfrage unter rund 3000 Personen lief von Sommer 2024 bis Sommer 2025. Während die Werte über den Zeitraum hinweg stabil blieben, stiegen sie kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 unter Eingewanderten und ihren Nachkommen auffällig an – um etwa zehn Prozentpunkte.
Statistik: 1,2 Millionen Menschen verließen 2024 Deutschland
Laut Statistischem Bundesamt haben im Jahr 2024 rund 1,2 Millionen Menschen Deutschland tatsächlich verlassen. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kam in einer früheren Erhebung zu ähnlichen Ergebnissen wie Dezim – dort gaben 26 Prozent der Eingewanderten an, Auswanderung in Betracht zu ziehen, drei Prozent mit konkreten Plänen.
Fazit:
Auch wenn nur wenige ihre Pläne tatsächlich umsetzen – die Auswanderungsgedanken vieler Eingewanderter zeigen, dass sich viele in Deutschland offenbar nicht dauerhaft willkommen fühlen. Ein Aspekt, der für Politik, Gesellschaft und Arbeitsmarkt weitreichende Folgen haben könnte.