Baden-Württemberg trauert um eine seiner prägendsten Künstlerpersönlichkeiten. Der Volksschauspieler, Autor und Maler Walter Schultheiß ist kurz vor Weihnachten im Alter von 101 Jahren gestorben. Mit ihm verliert der Südwesten nicht nur einen beliebten Darsteller, sondern ein Stück gelebter Kulturgeschichte, das Generationen geprägt hat.
Walter Schultheiß, geboren am 25. Mai 1924 in Tübingen, stand wie kaum ein anderer für den schwäbischen Humor, die leise Ironie und das herzliche Bruddeln, das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Seine Figuren waren Könige und Pfarrer, Vermieter und Straßenkehrer, stets getragen von einer Menschlichkeit, die das Publikum berührte und zum Schmunzeln brachte. Besonders in Erinnerung bleibt er vielen als Vermieter Rominger an der Seite des Tatort-Kommissars Bienzle, eine Rolle, mit der er bundesweite Bekanntheit erlangte.
Seine künstlerische Laufbahn begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1945 stand Schultheiß erstmals auf der Bühne und legte damit den Grundstein für eine außergewöhnlich lange Karriere. Nach seiner Schauspielausbildung in Stuttgart folgte ein Engagement am Stuttgarter Volkstheater, ehe sich ihm die Türen zu Rundfunk, Fernsehen und Film öffneten. Über zwei Jahrzehnte hinweg bildete er gemeinsam mit Werner Veidt das legendäre Straßenkehrer-Duo Karle und Gottlob im Süddeutschen Rundfunk. Die humorvollen Dialoge wurden zum festen Bestandteil der samstäglichen Hörfunklandschaft und machten Schultheiß zur Stimme des Alltags im Südwesten.
Neben seiner schauspielerischen Arbeit schrieb er Texte, malte und blieb bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv. Selbst jenseits der 90 stand er noch auf der Bühne, unter anderem in der Stuttgarter Komödie im Marquardt. Zuletzt war er für den SWR gemeinsam mit seiner Ehefrau Trudel Wulle im Kinofilm Laible und Frisch zu sehen. Die beiden waren 71 Jahre lang verheiratet, bis Wulle 2021 verstarb.
Der Südwestrundfunk würdigte Schultheiß als Urgestein des Mundart-Schauspiels und als Idealtyp des sympathisch-bruddeligen Schwaben. Seine Figuren hätten das Bild Baden-Württembergs geprägt wie Maultaschen oder Kehrwoche, hieß es in einem Nachruf. Bis zu seinem Tod lebte Schultheiß in Wildberg im Kreis Calw im Kreis seiner Familie.
Mit Walter Schultheiß endet ein Jahrhundertleben, das eng mit der kulturellen Identität des Landes verbunden war. Sein Werk und seine unverwechselbare Art werden bleiben, als Erinnerung an einen Künstler, der den Menschen nah war und dessen Humor leise, aber nachhaltig wirkte.