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Erbenprivileg unter Druck: Wirtschaftsweise fordert höhere Steuern auf Unternehmensnachfolgen

Mariakray (CC0), Pixabay

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, hat sich für eine deutlich stärkere Besteuerung von Firmenerben ausgesprochen. In einem Interview mit der Rheinische Post machte sie deutlich, dass die derzeitige steuerliche Behandlung von Unternehmensvermögen aus ihrer Sicht nicht mehr zeitgemäß sei und grundlegende Fragen der Steuergerechtigkeit aufwerfe.

Ungleichbehandlung von Vermögen

Schnitzer kritisiert, dass privates Geldvermögen von Haushalten in Deutschland im Vergleich zu vererbtem Betriebsvermögen deutlich höher belastet werde. Während Ersparnisse, Kapitalanlagen oder Immobilien regelmäßig besteuert würden, profitierten Firmenerben seit Jahren von umfangreichen Ausnahmeregelungen und Verschonungsmodellen bei der Erbschaftsteuer.

Diese Ungleichbehandlung sei schwer zu rechtfertigen, so Schnitzer. Sie argumentiert, dass steuerliche Privilegien ursprünglich damit begründet worden seien, Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen nicht durch hohe Steuerlasten zu gefährden. In der Praxis werde dieses Ziel jedoch häufig überschritten.

Erbschaften oft weit mehr als nur Unternehmen

Nach Ansicht der Wirtschaftsweisen-Vorsitzenden beschränken sich große Unternehmensnachlässe längst nicht mehr allein auf betriebliche Substanz. Gerade bei sehr hohen Erbschaften werde neben der Firma häufig zusätzlich umfangreiches Privatvermögen übertragen. Dazu zählten liquide Geldmittel ebenso wie Kunstwerke, Oldtimer oder sogar Privatflugzeuge.

Schnitzer macht deutlich, dass es in solchen Fällen kaum überzeugend sei, von einer notwendigen Schonung des Vermögens zu sprechen. Wenn neben dem Unternehmen erhebliche private Werte weitergegeben würden, müsse auch der steuerliche Beitrag der Erben steigen.

Steuergerechtigkeit als zentrales Argument

Im Kern geht es Schnitzer um das Prinzip der Steuergerechtigkeit. Wer hohe Vermögen erbe, solle sich – unabhängig davon, ob es sich um Geld, Unternehmen oder Sachwerte handele – angemessen an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen. Die aktuelle Ausgestaltung der Erbschaftsteuer vermittle hingegen den Eindruck, dass bestimmte Vermögensformen systematisch bevorzugt würden.

Zugleich betont sie, dass eine Reform maßvoll und differenziert erfolgen müsse. Ziel sei nicht, Unternehmen in ihrer Existenz zu gefährden, sondern überzogene Privilegien zu korrigieren und sehr große Erbschaften stärker in die Pflicht zu nehmen.

Politisch hoch sensibles Thema

Die Forderung nach höheren Steuern für Firmenerben ist politisch umstritten. Wirtschaftsverbände warnen regelmäßig vor Investitionshemmnissen und Arbeitsplatzverlusten. Befürworter einer Reform hingegen sehen in der aktuellen Regelung ein Symbol wachsender Ungleichheit und einer zu großen Schonung sehr vermögender Haushalte.

Mit ihren Aussagen bringt Monika Schnitzer die Debatte erneut in Bewegung. Ob daraus konkrete politische Schritte folgen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Frage, wie Unternehmensvermögen vererbt und besteuert werden soll, gewinnt angesichts hoher Staatsausgaben und wachsender Vermögenskonzentration weiter an Brisanz.

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