In Guatemala ist erneut ein Umweltaktivist Opfer tödlicher Gewalt geworden. Unbekannte Täter erschossen den Umweltschützer Victor Manuel Colindres, der sich seit Jahren gegen umstrittene Bergbauprojekte engagiert hatte. Der Mord ereignete sich am frühen Sonntagmorgen im Dorf San Antonio Seja in der Region Izabal, wie das unabhängige Nachrichtenportal Prensa Comunitaria berichtete.
Engagement gegen Bergbauprojekte mit hohem Risiko
Colindres war nicht nur Umweltaktivist, sondern auch Gemeindevorsteher. In dieser Funktion hatte er eine zentrale Rolle bei Protesten gegen die Vergabe von Bergbaulizenzen im Gebiet der Sierra Santa Cruz übernommen. Die Bergkette gilt als ökologisch sensibles Gebiet und ist für viele indigene und ländliche Gemeinden von großer Bedeutung – unter anderem als Wasserquelle und Lebensraum.
Insgesamt hatten sich 54 Gemeinden der Region öffentlich gegen geplante Bergbauprojekte ausgesprochen. Sie befürchteten massive Umweltschäden, die Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen sowie langfristige Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.
Mord wirft Schlaglicht auf gefährliche Lage von Aktivisten
Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Die Täter sind flüchtig, Ermittlungen wurden eingeleitet. Menschenrechts- und Umweltorganisationen sehen den Mord jedoch im Zusammenhang mit dem Engagement des Getöteten gegen wirtschaftlich mächtige Interessen. In Guatemala kommt es immer wieder zu Einschüchterungen, Drohungen und Gewalt gegen Personen, die sich gegen Bergbau-, Energie- oder Infrastrukturprojekte stellen.
Der Tod von Colindres reiht sich damit in eine lange Liste von Angriffen auf Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger in dem zentralamerikanischen Land ein. Guatemala zählt seit Jahren zu den gefährlichsten Ländern weltweit für Umweltaktivisten.
Forderungen nach Aufklärung und Schutz
Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern eine lückenlose Aufklärung des Mordes und einen besseren Schutz für Gemeindevorsteher und Umweltverteidiger. Kritisiert wird zudem, dass wirtschaftliche Interessen häufig Vorrang vor Umwelt- und Menschenrechten hätten und staatliche Stellen Aktivisten nicht ausreichend schützen.
Der Mord an Victor Manuel Colindres hat in der Region große Bestürzung ausgelöst. Für viele Gemeinden ist er ein tragisches Symbol dafür, wie gefährlich der Einsatz für Umwelt- und Gemeinwohlinteressen in Guatemala weiterhin ist.