Nach monatelanger Kritik wegen kultureller Aneignung hat das italienische Luxusmodehaus Prada einen Schritt auf Indien zugemacht. Das Unternehmen kündigte an, eine limitierte Schuhkollektion auf den Markt zu bringen, die von den traditionellen indischen Kolhapuri-Schlapfen inspiriert ist – diesmal jedoch im Rahmen eines offiziellen Abkommens mit indischen Partnern.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will Prada rund 2.000 Paar der Sandalen in den indischen Bundesstaaten Maharashtra und Karnataka fertigen lassen. Dort haben die originalen Kolhapuri-Schlapfen eine jahrhundertealte Handwerkstradition. Produziert werden sollen die Schuhe in Zusammenarbeit mit zwei staatlich unterstützten indischen Unternehmen. Das entsprechende Abkommen wurde am Donnerstag am Rande des italienisch-indischen Wirtschaftsforums 2025 unterzeichnet.
Prada betont, dass man künftig enger mit den Ursprungsregionen des Designs zusammenarbeiten wolle. „Wir werden die Fähigkeiten des Originalherstellers mit unseren Fertigungstechniken kombinieren“, erklärte Lorenzo Bertelli, Leiter der Abteilung für Corporate Social Responsibility bei Prada. Ziel sei es, traditionelles Handwerk mit moderner Luxusproduktion zu verbinden.
Die neue Kollektion soll im Februar 2026 erscheinen und sowohl online als auch in 40 Prada-Boutiquen weltweit erhältlich sein. Medienberichten zufolge wird ein Paar der Schlapfen rund 800 Euro kosten – ein Preis, der den Spagat zwischen traditionellem Handwerk und Luxuspositionierung deutlich macht.
Auslöser für das Abkommen war eine Kontroverse im Juni. Damals hatte Prada offene Sandalen mit geflochtenem Muster vorgestellt, die den klassischen Kolhapuri-Schlapfen aus Maharashtra und Karnataka stark ähnelten. In der ursprünglichen Produktbeschreibung bezeichnete Prada die Schuhe lediglich als „Lederschuhe“ und ließ die indische Herkunft des Designs unerwähnt. In Indien löste dies einen massiven Aufschrei aus. Kritiker warfen dem Modehaus vor, kulturelles Erbe zu kommerzialisieren, ohne dessen Ursprung anzuerkennen oder die lokalen Handwerker einzubeziehen.
Erst nach wachsendem öffentlichen Druck räumte Prada ein, dass das Design von den indischen Kolhapuri-Schlapfen inspiriert ist. Die nun geschlossene Vereinbarung wird in Indien vielfach als überfälliger Schritt gewertet, auch wenn die Debatte über faire Entlohnung, Wertschöpfung und kulturelle Verantwortung damit nicht vollständig beendet ist.
Der Fall Prada steht exemplarisch für eine größere Diskussion in der globalen Modebranche: Wie können Luxusmarken traditionelle Designs nutzen, ohne kulturelle Aneignung zu betreiben? Das Abkommen mit Indien zeigt, dass Kooperationen ein möglicher Weg sind – bleibt jedoch auch ein Prüfstein dafür, ob Anerkennung und wirtschaftlicher Nutzen tatsächlich bei den ursprünglichen Trägern der Tradition ankommen.