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„Ungesunde Produkte müssen teurer werden“: Kassenärzte-Chef fordert höhere Abgaben auf Tabak, Alkohol und Zucker

jplenio (CC0), Pixabay

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, drängt auf einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheits- und Steuerpolitik. Angesichts explodierender Kosten im Gesundheitssystem fordert er deutlich höhere Steuern auf Tabak und Alkohol. In einem Interview mit der Rheinischen Post machte Gassen klar, dass gesundheitsschädliche Konsumgüter aus seiner Sicht zu günstig seien – gemessen an den Folgekosten, die sie für die Gesellschaft verursachen.

Zentral ist für Gassen dabei die Frage der Verwendung der Einnahmen. Zusätzliche Steuern auf Tabak und Alkohol dürften nicht länger im allgemeinen Bundeshaushalt aufgehen. Stattdessen müssten sie zweckgebunden direkt in das Gesundheitswesen fließen – etwa in Präventionsprogramme, die ärztliche Versorgung oder die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Derzeit, so Gassen, verschwänden diese Mittel oft im Haushalt, ohne dass Patienten oder das Gesundheitssystem spürbar davon profitierten.

Höhere Preise könnten nach Ansicht des KBV-Chefs zudem eine lenkende Wirkung entfalten. Zahlreiche Studien zeigten, dass steigende Kosten den Konsum von Tabak und Alkohol senken können – insbesondere bei jungen Menschen. Weniger Raucher und ein geringerer Alkoholkonsum würden langfristig zu weniger chronischen Erkrankungen führen und damit auch die finanziellen Belastungen für Krankenkassen und Beitragszahler reduzieren.

Über Tabak und Alkohol hinaus spricht sich Gassen ausdrücklich für die Einführung einer Zuckersteuer aus. Der hohe Zuckerkonsum in der Bevölkerung sei ein zentraler Treiber für Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel stünden dabei im Fokus. Skandinavische Länder nannte Gassen als Vorbilder: Dort hätten entsprechende Abgaben nicht nur Einnahmen generiert, sondern auch das Kauf- und Ernährungsverhalten vieler Menschen beeinflusst.

Aus Sicht des KBV-Vorsitzenden ist eine solche Steuerpolitik auch eine Frage der Fairness. Krankheiten, die durch ungesunden Lebensstil begünstigt werden, verursachen hohe Kosten, die bislang von der Solidargemeinschaft getragen werden. Wer regelmäßig zu Produkten greife, die nachweislich gesundheitsschädlich sind, solle stärker an den Folgekosten beteiligt werden. Gleichzeitig betont Gassen, dass es nicht um Bestrafung gehe, sondern um Anreize für ein gesünderes Verhalten.

Politisch dürfte der Vorstoß jedoch für kontroverse Debatten sorgen. Kritiker warnen vor einer zusätzlichen finanziellen Belastung vor allem für Menschen mit geringem Einkommen und fordern stattdessen mehr Aufklärung und freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. Befürworter hingegen sehen in höheren Steuern ein wirksames Instrument, um Prävention zu stärken und das Gesundheitssystem nachhaltiger zu finanzieren.

Klar ist: Die Forderungen von Andreas Gassen bringen neue Dynamik in die Diskussion um Gesundheitsfinanzierung und Prävention. Ob höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker tatsächlich umgesetzt werden, bleibt offen – die Debatte darüber dürfte jedoch weiter an Schärfe gewinnen.

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