Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung richtet der Sozialverband VdK den Blick bewusst auf jene Betroffenen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt – und die gerade deshalb besonders häufig durch das Raster fallen.
„Nur weil man es nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist.“
VdK-Abteilungsleiter Jonas Fischer erklärt gegenüber dem MDR, dass unsichtbare Behinderungen für Betroffene oft doppelt belastend seien:
„Sie müssen nicht nur mit ihrer Erkrankung leben, sondern auch damit, dass ihnen viele Menschen schlicht nicht glauben.“
Gemeint sind Menschen mit:
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Depressionen und Angststörungen
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posttraumatischen Belastungsstörungen
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chronischen Schmerzen
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neurologischen Einschränkungen
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Autoimmunerkrankungen
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Long-Covid-Symptomen
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oder sonstigen Leiden, die äußerlich nicht zu erkennen sind
Viele von ihnen kämpfen täglich mit Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Reizüberflutung oder starken Schmerzen – und dennoch wird ihnen oft unterstellt, sie würden „übertreiben“ oder „sich nicht anstrengen“.
Arbeitswelt: Unterstützung? Häufig Fehlanzeige.
Im Beruf erleben Betroffene laut VdK besonders häufig Vorurteile und Benachteiligungen:
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fehlende Rücksichtnahme bei Arbeitsbelastung oder Termindruck
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Misstrauen, weil die Einschränkung nicht sichtbar ist
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Stigmatisierung, sobald psychische oder chronische Erkrankungen bekannt werden
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fehlende Aufklärung bei Arbeitgebern und Kollegen
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unzureichende Umsetzung von gesetzlichen Nachteilsausgleichen
Fischer betont:
„Inklusion endet nicht an der Bürotür. Wer Rückenschmerzen sieht, aber Panikattacken ignoriert, hat das Prinzip nicht verstanden.“
Gesellschaftliches Problem: Unsichtbare Behinderungen bleiben unsichtbar – auch in Gesetzen
Ein großes Problem: Viele Unterstützungssysteme, Anträge oder Gutachterverfahren sind auf sichtbare oder messbare Einschränkungen ausgelegt. Wer keine Rollstuhlrampe braucht, sondern flexible Arbeitszeiten oder Rückzugsmöglichkeiten, erhält oft:
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lange Prüfverfahren
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widersprüchliche Diagnosen
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hohe Hürden bei der Anerkennung der Behinderung
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zu wenig Verständnis im sozialen Umfeld
Laut VdK führt das dazu, dass viele Betroffene aus Scham oder Angst vor Nachteilen ihre Einschränkung lieber verschweigen.
VdK-Forderungen: Mehr Sichtbarkeit – ohne die Betroffenen zu belasten
Der VdK fordert Politik und Gesellschaft zu klaren Veränderungen auf:
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Mehr Aufklärung in Schulen, Betrieben und Verwaltungen
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Bessere Schulungen für Führungskräfte
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Rechtsansprüche leichter zugänglich machen, z.B. bei Nachteilsausgleichen
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Frühzeitige Unterstützung, statt erst zu reagieren, wenn Betroffene ausfallen
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Empathische Kommunikation statt Misstrauen und Bürokratie
Fischer fasst es so zusammen:
„Unsichtbare Behinderungen sind kein Luxusproblem. Sie sind Realität für Millionen Menschen. Respekt und Verständnis kosten uns nichts – helfen aber enorm.“
Ein Aktionstag als Erinnerung – echte Inklusion beginnt jeden Tag
Der VdK betont, dass der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung nicht nur ein symbolischer Termin sei. Er müsse als Anlass dienen, endlich eine Haltung in der Gesellschaft zu verankern:
➡️ Nicht alles, was man nicht sieht, ist auch nicht da.
➡️ Menschen glauben – statt sie zu prüfen.
➡️ Inklusion leben – statt sie nur politisch zu beschwören.