Die Preise für Haselnüsse haben in diesem Jahr ein Rekordniveau erreicht – mit spürbaren Folgen für Handel, Lebensmittelindustrie und Verbraucher. Was jahrelang als relativ stabile Rohware galt, ist plötzlich zum Luxusprodukt geworden. Die Auswirkungen ziehen sich durch die gesamte Lieferkette.
Ursachen: Ein Erntejahr voller Probleme
Der Preisschub beginnt in der Türkei, dem mit Abstand wichtigsten Produzenten. Rund 60 Prozent der weltweiten Haselnussernte stammt von dort, vor allem aus der Schwarzmeerregion. Doch im Frühjahr 2024 traf die Bauern ein „Doppelschlag“:
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Spätfrost in den höher gelegenen Regionen
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Überdurchschnittliche Niederschläge zur Blütezeit
Beides zusammen führte dazu, dass viele Sträucher nur unvollständig Früchte bildeten. Agrarverbände sprechen Schätzungen zufolge von Ernteausfällen zwischen 30 und 40 Prozent. Für einen global so konzentrierten Markt ist das enorm.
Zusätzlich treiben gestiegene Lohn- und Energiekosten in der Türkei die Produktionskosten in die Höhe. Der volatile Wechselkurs der türkischen Lira macht Exporte für Händler ebenfalls teurer und schwer kalkulierbar.
Steigende Nachfrage verschärft die Lage
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage international hoch. Besonders die Süßwarenindustrie benötigt große Mengen Haselnüsse – etwa für Schokoladenprodukte, Pralinen oder Aufstriche. Marktführer wie Ferrero, Mondelez oder Nestlé kaufen langfristig große Mengen ein und erhöhen dadurch bereits im Voraus den Druck auf die Preise.
Für viele kleinere Hersteller wird der Rohstoff dadurch zur finanziellen Belastung. Einige Bäckereien und Konditoreien berichten, dass sie Rezepturen anpassen müssen, weil Haselnüsse inzwischen zu teuer für alltägliche Backwaren geworden sind.
Auswirkungen auf den Einzelhandel: Nussprodukte werden merklich teurer
In deutschen Supermärkten macht sich die Preissteigerung inzwischen deutlich bemerkbar:
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Ganze Haselnüsse kosten in manchen Regionen bis zu 30 Prozent mehr als im Vorjahr.
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Haselnussmus und Haselnuss-Kokos-Cremes haben Preissprünge von 20 bis 40 Prozent erlebt.
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Auch Schokoladenprodukte mit hohem Nussanteil werden „scheibchenweise“ teurer.
Einige Händler reagieren, indem sie ihre Eigenmarken-Rezepturen anpassen – teils mit weniger Haselnüssen oder mehr Mischungen aus alternativen Nussarten.
Verbraucher weichen zunehmend auf Alternativen aus
Die Suche nach preisgünstigen und dennoch hochwertigen Alternativen ist im vollen Gange. Besonders gefragt sind:
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Walnüsse – aromatisch, reich an Omega-3-Fettsäuren, oft aus regionalem Anbau.
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Mandeln – vielseitig in Backwaren, Müslis und Snacks.
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Erdnüsse – botanisch eigentlich Hülsenfrüchte, aber geschmacklich und preislich attraktiv.
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Kürbis- und Sonnenblumenkerne – nährstoffreich, deutlich günstiger und ideal für die Küche.
Vor allem Walnüsse profitieren vom Haselnuss-Preisschub: Viele Verbraucher entdecken sie neu als hochwertige, regionale Alternative.
Situation der Süßwarenindustrie
Die großen Schokoladenhersteller reagieren mit unterschiedlichen Strategien:
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Reduktion des Haselnussanteils in Pralinen und Schokoladenriegeln
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Verwendung von Nussmischungen statt reiner Haselnussfüllungen
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Sukzessive Preiserhöhungen über das gesamte Sortiment
Einige Unternehmen warnen bereits, dass beliebte Produkte – etwa Haselnuss-Schokolade oder Nougatprodukte – in Zukunft noch teurer werden könnten, sollte die kommende Ernte ebenfalls schwach ausfallen.
Ausblick: Entspannung frühestens ab der nächsten Ernte
Die Hoffnung richtet sich nun auf die Erntesaison 2025/2026. Sollten Wetter und Ertragslage wieder stabil werden, könnte sich der Markt allmählich entspannen. Analysten betonen jedoch, dass der Haselnussmarkt grundsätzlich störanfällig ist – einfach, weil die weltweite Produktion zu stark auf einem einzigen Land lastet.
Viele Experten rechnen damit, dass Verbraucher und Lebensmittelhersteller langfristig lernen müssen, mit alternativen Nüssen und Kernen zu arbeiten – nicht nur aus Kostengründen, sondern auch aus Gründen der Versorgungssicherheit.